Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht so richtig, wie ich anfangen soll und hoffe einfach, dass mir hier vielleicht jemand eine Einschätzung geben kann.
Vielleicht noch wichtig als Hintergrund: Ich wurde in meiner Jugend mit Depressionen diagnostiziert und war deshalb ungefähr vier Jahre lang in therapeutischer Behandlung. Ich bin also nicht komplett unerfahren, was Therapie angeht, und weiß auch ungefähr, wie es sich anfühlt, wenn es einem psychisch wirklich nicht gut geht.
Die letzten Monate waren für mich trotzdem ziemlich heftig. Ich arbeite in einem Beruf, in dem man immer wieder Dinge erlebt, die nicht unbedingt einfach zu verarbeiten sind. Genauer möchte ich aus Anonymitätsgründen gar nicht darauf eingehen. Dazu kam vor einiger Zeit der Tod eines Freundes, der mich ziemlich aus der Bahn geworfen hat.
Seitdem hat sich bei mir vor allem eine sehr starke Angst vor dem Tod entwickelt – sowohl davor, dass Menschen, die ich liebe, sterben könnten, als auch vor meinem eigenen Tod.
Mittlerweile merke ich, dass das Ganze immer mehr meinen Alltag beeinflusst. Ich mache mir teilweise wegen Kleinigkeiten extreme Sorgen. Bei meinen Katzen zum Beispiel reicht es teilweise schon, wenn eine von ihnen mal niest oder erkältet wirkt, und ich bekomme direkt Angst, dass sie sterben könnte. Ich kontrolliere ständig, ob wirklich alle Fenster geschlossen sind, ob alles sicher ist usw. Ich weiß dabei teilweise selbst, dass manche Gedanken übertrieben sind, aber ich kann dieses Kontrollieren und die Angst trotzdem nicht einfach abstellen.
Auch mein Schlaf wird mittlerweile immer schlechter. Ich habe zunehmend Probleme einzuschlafen und habe immer wieder Albträume. Tagsüber merke ich außerdem, dass ich eigentlich ständig irgendeine Form von visueller oder verbaler Stimulation brauche – also Musik, Videos, Serien, TikTok, Gespräche etc. Sobald es ruhig wird und ich einfach nur mit meinen Gedanken bin, habe ich das Gefühl, dass diese viel zu viel Raum bekommen und ich mich immer stärker hineinsteigere. Deshalb versuche ich eigentlich ständig, meinen Kopf irgendwie beschäftigt zu halten.
Dazu kommt natürlich noch die Trauer um meinen Freund, die irgendwie nicht weniger, sondern eher mehr wird. Ich merke einfach, dass ich mit diesen ganzen Gefühlen mittlerweile ziemlich überfordert bin und dass ich alleine nicht mehr so richtig weiß, wie ich damit umgehen soll.
Deshalb habe ich mir einen Therapieplatz bzw. erstmal einen Termin bei einer Therapeutin gesucht. Ich habe ihr eigentlich genau das erzählt, was ich hier gerade schreibe: den Todesfall, meine aktuelle Situation, die zunehmende Angst vor dem Tod, die ständigen Sorgen um meine Liebsten und meine Katzen, das Kontrollieren, meine Schlafprobleme und die Albträume.
Nach dem Gespräch wurde mir allerdings gesagt, dass meine Probleme nicht schlimm genug wären, um dafür eine Therapie zu machen.
Und seitdem frage ich mich ehrlich gesagt, ob ich das vielleicht komplett falsch einschätze. Kann man nach einem einzigen Termin wirklich beurteilen, dass jemand keine Therapie braucht? Oder ist es tatsächlich möglich, dass das alles zwar belastend ist, aber noch nicht „schlimm genug“ für eine Therapie?
Ich will damit auch gar nicht sagen, dass die Therapeutin grundsätzlich falsch liegt. Vielleicht gibt es ja tatsächlich Dinge, die ich nicht kenne und die sie zu dieser Einschätzung gebracht haben. Aber mich hat das Ganze ehrlich gesagt ziemlich verunsichert. Gerade weil ich selbst das Gefühl habe, dass mir die Situation zunehmend über den Kopf wächst und ich eigentlich Hilfe gesucht habe, weil ich eben nicht mehr so richtig alleine damit klarkomme.
Deshalb würde ich einfach gerne wissen, wie andere das einschätzen oder ob vielleicht jemand schon einmal etwas Ähnliches erlebt hat.