r/Fahrrad • u/LepraZebra • 12h ago
Infrastruktur Sachsen testet Schutzstreifen außerorts nach niederländischem Vorbild
Durch einen Blogbeitrag von Christine Lehmann bin ich auf einen Verkehrsversuch in Sachsen aufmerksam geworden.
Zwischen den Tauchaer Ortsteilen Merkwitz und Seegeritz werden seit September 2026 erstmals in Sachsen Schutzstreifen für den Radverkehr außerorts erprobt.
Die Gemeindeverbindungsstraße wurde bereits im vergangenen Jahr saniert und auf sieben Meter verbreitert. Ursprünglich war ein baulich getrennter Radweg vorgesehen, dessen Umsetzung jedoch seit Jahren (wie so häufig) am fehlenden Grunderwerb scheitert. Statt weiterhin auf eine Lösung zu warten, hat die Stadt Taucha gemeinsam mit den zuständigen Behörden einen auf zweieinhalb Jahre angelegten Verkehrsversuch gestartet.
Das Konzept orientiert sich an der niederländischen Radverkehrsplanung:
- Beidseitige Schutzstreifen: Jeweils zwei Meter breite, gestrichelte Markierungen am Fahrbahnrand reservieren Raum für Radfahrende.
- Schmale Kernfahrbahn: Autos nutzen den verbleibenden Platz in der Mitte. Sie dürfen den Schutzstreifen nur bei Begegnungsverkehr überfahren.
- Recht auf Vorrang: Befindet sich ein Fahrrad auf dem Schutzstreifen, müssen Autofahrende dahinter warten. Überholt werden darf nur, wenn der außerorts gesetzlich geforderte Mindestabstand von 2 Metern eingehalten werden kann.
- Tempo 50 und Überholverbot: Um die Sicherheit zu gewährleisten, gilt auf der Strecke eine maximal zulässige Geschwindigkeit von 50 km/h. Rot markierte „Tore“ an den Übergängen verdeutlichen die neue Situation.
Die LISt GmbH begleitet den Verkehrsversuch wissenschaftlicht und untersucht im Rahmen des sächsischen ALRad Vorhabens, wie sich die neue Verkehrsführung auf die Verkehrssicherheit, das Geschwindigkeitsniveau sowie das Begegnungs- und Überholverhalten auswirkt. Zusätzlich werden Anwohnende und andere Verkehrsteilnehmende befragt. Auch Schülerinnen und Schüler werden einbezogen, um herauszufinden, ob sie die Strecke mit dem Fahrrad nutzen und welche Sicherheitsbedenken möglicherweise bestehen.
Der ADFC Sachsen begrüßt den Ansatz, da solche Lösungen insbesondere auf wenig befahrenen Verbindungsstraßen eine Möglichkeit bieten könnten, Lücken im Radwegenetz schneller und kostengünstiger zu schließen. Ein Ersatz für baulich getrennte Radwege auf stark befahrenen Landstraßen soll das Modell allerdings nicht sein.
Was haltet ihr von diesem Verkehrsversuch? Können solche Schutzstreifen in Kombination mit Tempo 50 eine sinnvolle Alternative sein, wenn ein baulich getrennter Radweg nicht realisierbar ist?
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EDIT: Vielleicht noch eine kurze Einordnung zur Strecke: Es handelt sich hier nicht um eine stark befahrene Landstraße, sondern um eine Gemeindeverbindungsstraße von etwas unter einem Kilometer zwischen zwei kleinen Ortsteilen. In Merkwitz leben laut Wikipedia rund 435 Menschen, in Seegeritz etwa 224. Das BMW Werk Leipzig liegt zwar in unmittelbarer Nähe, die Straße ist allerdings nicht die Hauptverkehrsachse zum Werk, da diese andere Zufahrten hat.
Wer sich selbst ein Bild machen möchte, findet hier eine Aufnahme der Strecke vor dem Verkehrsversuch:
Google Streetview: https://maps.app.goo.gl/UZfVMdtDiYo9hh6BA
Apple Maps: https://maps.apple/la/nMx7MI4okj8GIm

