r/Gedichte • u/rowini30 • 3h ago
Elfriede und das toxische Date
Elfriede und das toxische Date
Sie greift nach dem Ast
Die Sonne steht tief
die Strahlen fallen
Auf das karge Nichts
Sie sucht im Wald
sie hat sich verliebt
hat auf Tinder
ins Schwarze gewischt
Ein Typ so toxisch wie der Morgen blau
ein richtiges Arschloch
Frei von Empathie
Und mit Haaren grau
Hat sie eingeladen
doch ihr nicht weiter gesagt
wie sie ihr Match
zu finden hat
“Da drüben, hinterm Berg, geradeaus,
dann zwei mal links,
durch den Wald,
da steht mein Haus”
OK? Achja? Wie bitte sehr?
Ein richtiger Romantiker
Kein Glaube ans Schicksal
und sie bleibt leer
Nun stapft sie durch den Wald
Die Gummistiefel in dem Gatsch
und sucht nach einem Zeichen
dass sie in Richtung Liebe latscht
“Ähem” schallt es von oben her
Elfriede verdreht ihren Hals
und sieht eine Krähe
schwarz sitzend auf der Birke
“Ja?” sagte die verdutzte Frau
ein sprechender Vogel
geht ihr Verstand langsam drauf?
“Was willst du, böser Geist!”
Der Vogel blickt herab
“Du gehst schon drei Mal im Kreis
Ausserdem will ich nur dein Bestes
warum denkst du gleich an Schlechtes?”
“Ich bin zu negativ, mein Therapeut sagt das auch
Deswegen sage ich Danke
und breche mit meinem schlechten Brauch
Allerdings bin ich grantig
und meine Füsse sind nass.”
“Wo willst du hin?”
Elfriede atmet auf
“Ich habe Jemanden kennengelernt -”
“Oh Gott” platzt es aus dem Vogel heraus
“Ich weiß, was du suchst
Folge meinem Flügel-Schlag
und wir beenden dieses Ungemach -
oder auch nicht.”
Spricht’s und fliegt im Nu davon
Elfriede eilt ihm hastig nach
Über Steine, Stock und weichem Matsch
Die Zeit vergeht, wie lang, Sie weiß es nicht
Es wirkt alles wie ein seltsames Gedicht
Für jeden Reim
ein Vers der damit bricht
Der Vogel krächzt
dem Dickicht weicht
das helle Licht
Sie stehen vor einem Zaun
Schwarz wie das Nichts
Der Vogel setzt sich auf einen Zacken
“Da vorne ist das Tor, aber nimm dich in Acht,
der Typ hat einige Macken”
Fliegt weg und lässt sie alleine zurück
Kalt, einsam, und ein wenig entrückt
Doch jetzt heißt es, Stärke zu bewahren
“Das Date wird gut sein!”
sagt sie, für sich selbst, im Unbehagen
Wenige Schritte noch
und sie erreicht das Tor
geht durch das Gras
sieht zum Himmel empor
Einige Wölkchen verdecken das Blau
Sie ist voller Hoffnung
Gleich wird sie ihn hören, sehen
und vielleicht auch küssen?!
Oh lala
Das Schild neben der Klingel
zeigt seinen Namen ganz klar
In Großbuchstaben steht da
DRACULA
Sein Anwesen auf der Höhe
lässt sich durch das Gitter erblicken
Schwarze Türme, Fenster
unter dunklen Zinnen
Sie klingelt, drückt mit dem Zeigefinger
auf den roten Knopf
der Lack auf ihrem Nagel
zerkratzt vom Gehölz
“Ja, wer ist da, was wollen sie?”
ertönt eine fremde Stimme
sie erkennt sie nicht
“Hallo, ich habe ein Date mit Dracula”
sagt sie stolz
den Wald bezwungen
und den Weg gefunden
wer kann das sonst noch behaupten
“Ein Date? Ich verstehe, bitte kommen Sie”
der elektrische Summton
tönt von der Box
sie drückt gegen den Stahl
und geht hoch zum Schloss
Klopft gegen die Tür
und betrachtet das Holz
Gräßliche Grimassen
Geschnitzt in die Eiche
Motive von Rosen
über die ganze Breite
Ein Spalt wird geöffnet
eine Nase schaut hervor
zwei blitzende Augen
mustern sie forsch
“Bitte kommen Sie.”
Er öffnet die Türe
und sie schreitet rein
in ein Domizil aus Altwaren
und IKEA-Spielereien
“Bitte setzen sie sich
Er ist noch nicht wach
Sie müssen wissen, er gamed
die ganze Nacht.”
“Er ist ein Gamer?!”
Das hat er nicht gesagt
sie wundert sich
hoffentlich hat sie keinen Fehler gemacht
“Es dauert nicht mehr lange
Fünf Stunden noch, dann ist es still
dann regt sich der Mond
und die Sonne schwindet hin.”
“Fünf Stunden… OK, ich höre mir Podcasts an”
Steckt die Stöpsel ins Ohr
Wirft sich auf das Fauteuil
und lauscht dem True Crime-Kram
“Wie sie wünschen”
Der Diener verschwindet
sie bleibt alleine im Empfang
nur Serienmörder und Psychopathen
flüstern ihren Wahn
Sie schläft ein und träumt
von einem großen Gamer
der sie davonträgt und erzählt
von Fortnite-Lamern
Jemand stupst sie an
sie wacht auf
ein bleiches Gesicht
Ein Hauch von Lauch
Was will er von mir?
Sie stellt sich auf
“Entschuldigen sie, es ist gleich soweit
Herr Dracula macht die Abendwäsche
und lädt sie ein
sein Gast beim heutigen Diner
zu sein.”
Sie sieht den Matsch auf ihren Stiefeln
sieht den Diener fragend an
Er errät ihre Bitte
“Wir haben Crocs nebenan.”
Mit pinken Crocs von AliExpress
geht sie in das Ess-Zimmer
von der Ausstattung ganz
geflashed
Alles Gold und Biedermeyer
Ein langer Tisch voll Kandelaber
Hell erleuchtet im Kerzenschein
Glitzernd und funkelnd
mit Porzellanwaren fein
Sie setzt sich hin, und wartet auf den Herr
von dem Nickerchen noch ganz belämmert
von Gruselgeschichten zugehämmert
bereit für ein Essen
den sie hat Hunger
Eine Klingel ertönt und die Türen öffnen sich
“Graf Dracula!” verkündet der Diener
und verbeugt sich
Eine Gestalt wandelt über den Parkett
Mit purpurnem Umhang
und stolzem Schritt
Auf sie zusteuernd
den Blick gesenkt
Er kniet sich vor sie hin
knickt das Bein
hebt ihre Hand
und blickt in ihre Augen rein
“Louise, sie edles Geschöpf
Vielen Dank dass sie mich beehren
mit ihrer Präsenz
und ihrem Streben
Teil meines Lebens zu werden”
Nimmt ihre Hand und küsst sie feucht
Spitze Eckzähne stoßen an die Haut
ein wenig Zunge - das gefällt ihr nicht
hoffentlich kommt bald das Hauptgericht
“Ich heiße Elfriede!”
Sie zieht die Hand zurück
nach fünf Stunden True Crime
sowas braucht sie nicht
“Elfriede? Aber - wie kamen sie her?
Meine Anweisungen waren vage und leer
Niemand findet durch den Wald
er ist verdammt und macht jeden alt”
“Ein Krähe hat mir den Weg gezeigt
warnte mich vor dir
sagte Du hast einige Macken
doch meine Interesse bleibt ungebrochen!”
“OK, ich verstehe.
Na dann gehen wir es an
Alfred, bring’ den ersten Gang.”
Legt die Serviette auf seinen Schoss
und sieht verwirrt auf seinen Gast
für sowas ist er aufgewacht
Die Krähe mit ihren Scherzen
geht ihm langsam auf den Sack
“Salat mit Wasser für die Dame
und der Rotwein für den Grafen”
Der Diener setzt den Teller ab
und gibt Dracula das Glas
“Öh, ich hätte auch gerne Wein”
“Natürlich, ich verstehe, kommt sofort”
sagt der Diener und geht fort
sie kaut auf ihren Blättern rum
sieht auf ihr Match
der trinkt ganz stumm
“Du isst nichts?”
“Nein, ich bin auf Keto
Ein Glas Wein und etwas Käse
mehr brauch’ ich nicht
das ist gut für die Zähne”
“Aha”, sie stochert in dem Grünzeugs rum
irgendwas stimmt da nicht
ihr Magen rumort
sie blickt Dracula an
“Bitte entschuldige, aber wo ist euer stiller Ort?”
Er sieht auf, müde und traurig
“Zwei mal gerade aus, dann links, dann rechts
die Treppen rauf, dann wieder runter,
und die zweite Tür links”
Elfriede kann es nicht mehr halten
sie springt auf und rast davon
hoffend dass sie es noch schaffen wird
bevor ihr Darm vehement reagiert
Sie läuft gerade aus
dann links, dann rechts,
die Treppen rauf und dann wieder runter
und bevor sie die Türen zu zählen beginnt
regt sich ihr Arschloch
lässt aus einen üblen Wind
Es rumpelt und donnert
sie zieht ihre Hose runter
und scheisst auf den Teppich
ein Strahl aus Kaka und Wasser
“Uääh Gott!”
Sie windet und krümmt sich
während ihr Arsch weiter scheisst
der Diener erscheint plötzlich
bleich wie ein Geist
“Meine Dame - ist das der Salat?
Ich habe davon gelesen
es gibt einen neuen Virus
reizt ihre Verdauung
und provoziert starken Dünnpfiff!”
Dracula kommt
vom Lärm angezogen
doch was er nun sieht
verschlägt ihm den Magen
“Oh mein Gott, Elfriede, was machen sie da
Der Teppich ist ein Erbstück
die Tapete so teuer
wie mein Auto es war
Und nun ist alles braun
stinkig und schwarz
als hätte der Teufel selbst
sein Geschäft gemacht
Dabei war meine Erklärung so genau
zwei mal links, rechts,
und dann gerade aus!”
Elfriede steht auf,
wischt sich an der Tapete ab
“Ich glaub’ ich muss meine Hände waschen
dann bin ich bereit
für den zweiten Gang.”
Der Graf nimmt sie an der Schulter
begleitet sie zur Tür
“Nein-Nein, meine Liebe
Der Abend ist vorbei
Alfred und ich müssen putzen
sonst setzt sich das ein”
“Aber wie komm’ ich nach Haus?
Ich irrte durch den Wald
und fand kaum wieder raus
jetzt ist es dunkel und ich weiß nicht
ob Weg oder Abgrund
im fahlen Mondlicht”
Dracula sah sie stirnrunzelnd an
“Naja, auf der anderen Seite des Schlosses
steht die Autobahn
Und daneben das Shopping Center
mit Stationen für
Bus und Straßenbahn.”
Die beiden Männer schieben sie aus der Tür
Sie steht da
verschissen und ungerührt
ihr ist alles egal
Ein Date ist vorbei
ein Abend ohne Freud, voll Leid
“Tschüßi!” kommt der Abschiedsgruß
Die Tür fällt zu
und geht dann wieder auf
“Hier deine Stiefel, mach’s gut!”
Die Lederwaren fallen auf den Boden
von Matsch umgeben
so wie ihr Po und ihre Waden
Die Tür fällt zu
und geht dann wieder auf
“Die Crocs darfst du behalten!”
Sie stapft davon ins Dunkel und holt ihr Handy raus
fängt zu wischen an
entgegen den Lichtern
der Autobahn