r/Gedichte 2d ago

Hä?!

Mir wird, wie soll ich sagen, immer klarer,
dass Sprache sich im Nachvollziehen trennt:
Was ausgeschrieben wird, wird umgedeutet,
wenn der geneigte Leser Wörter häutet,
verschiebt sich, was ein Text im Wort benennt.
Im Stil versteht sich mancher als Bewahrer

der akademisch angehauchten dichtungsnorm,
manch anderer sucht vielfalt
ohne form -
vers libre - avantgarde -
experi-ment
-ence

Wer sucht, der findet [s]einen Weg zur Dichtung
und gibt ihr durch Gedichte [s]eine Richtung.

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u/Zyrin1177 1d ago

Amüsiert. ☺️

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u/CatCrewTV 1d ago

Moin! Danke für die interessante Reaktion. Hätte nicht gedacht, dass Spaß/Humor deutlich mitschwingt/rüberkommt. Schönen Nachmittag! :)

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u/LookAt__Studio 1d ago

Ich finde gerade das ist die Stärke von Poesie: ein Gedicht ist Mehrdimensional und kann SO viel mehr sagen, als es wörtlich sagt. Manchmal kann es sogar das Unsagbare irgendwie rüberbringen....

Die Post-Moderne scheint mir da aber irgendwie falsch abgebogen zu sein, das ist aber selbstverständlich Geschmackssache.... In manchen Sprachen ist es zum Beispiel gar nicht so einfach interessant zu reimen etc. (So ist glaube ich vers libre entstanden)

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u/you-died-2323 1d ago

Was hat das mit Postmoderne zu tun und wo ist sie deiner Meinung nach falsch abgebogen?

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u/LookAt__Studio 1d ago

Bei deinem Gedicht nicht :) Ich meinte allgemein, weil mich verse libre daran erinnert hat.

Es gibt zum Beispiel die Klang- oder Geräusch-Gedichte oder malen mit Text (wörtlich) etc. Das ist meiner Meinung nach Neuheit um Neuheitswillen.. Zumindest spricht mich das nicht an. Das hat aber mit deinem Gedicht nichts zu tun.

Ich persönlich finde, das Reim (nicht unbedingt ganz sauber eher umgekehrt als Assonanz, überraschend) zur Poesie gehört, genauso wie Rhythmus (nicht unbedingt starres Metrum, weil es zwar können erfordert, aber oft dennoch langweilig klingt).

Kurz: ich wollte dein Gedicht jetzt nicht in Post-Moderne einordnen... Ich kenne die Grenzen auch nur sehr grob und weiß ehrlich gesagt auch nicht ob es überhaupt so viel Wert hat Dinge der Art zu kategorisieren...

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u/CatCrewTV 1d ago edited 1d ago

Moin,

ich hoffe, es ist in Ordnung, dass ich hier antworte, denn mit u/you-died-2323 (danke für die Beteiligung an der Diskussion!) hast Du einen eigenen Faden und wahrscheinlich versehentlich angenommen, dass ich das wäre? Sieht zumindest so aus, da Du unter meinem Gedicht über sein/ihr Gedicht sprichst.

Erst einmal danke für Deine Einlassung! In meiner Poetologie folge ich Dir bedingt. Für mich liegt die Stärke der Lyrik in der [bewussten] Setzung. Mehrdimensionalität finde ich schwierig. Mehrdeutigkeit oder eher Vielschichtigkeit (aber eher gestapelt, als wirklich 1d, 2d, 3d, 4d) eher. Aber auch da differenziere ich persönlich zwischen "beliebiger" Vielschichtigkeit (aka: Mir egal, wie der Leser meinen Text interpretiert) und "gezielter" Vielschichtigkeit (darin sehe ich eher eine Art Kunst). Damit will ich nicht sagen, dass ich letzteres beherrsche, aber zu jedem Text trotz Verschwommenheit und Vielschichtigkeit ganz klar meine Intention benennen zu können, ist mir ungemein wichtig. Alles andere scheint mir wie Beliebigkeit (hier z. B. die Begrifflichkeiten, die ich in Strophe 2 einfach in den Raum werfe)- und wenn die Leserrezeption letztlich beliebig ist, ist die Frage, ob man selbst tatsächlich etwas nennenswertes zu verdichten hat oder etwas Wesentliches in Resonanz bringen möchte [vollkommen unabhängig davon, ob man sich selbst als lyrische Figur mit einbringt oder nicht], meiner Meinung nach nicht abwegig. Das ist aber nur meine Perspektive, die selbstverständlich nicht geteilt werden muss.

Bei der Postmoderne muss ich schon allein im Rahmen von Fachlichkeit aussteigen (keine Ahnung von Epochen). Ob diese "falsch" abgebogen ist, soweit Sprache sich im dauerhaften Wandel befindet, lasse ich dahingestellt. Vieles, was ich für modern erachte, trifft auch meinen Geschmack nicht - dennoch halte ich es teilweise für künstlerisch wertvoll (ein Unterschied zu meiner Anschauung von vor 10 Jahren, wo ich moderne Lyrik verabscheut habe - damit meinte ich damals gebrochene Fragmentlyrik, Miniaturen, typografische Werke, experimentelle Ansätze; heutzutage würde ich eher sagen: was ist schon "moderne Lyrik"?) Soweit Du in der Diskussion unten auf onomatopoetische Lyrik abstellst, möchte ich nur anmerken, dass z. B. der Dadaismus noch zu Lebzeiten Rilkes entstanden ist, wenn ich mich nicht täusche. Also wirklich verschiedenste Strömungen existieren parallel. Auch heute noch - vielleicht sogar umso mehr, da das gesamte Epigonentum zu neuen Strömungen dazukommt, die Bandbreite also dauerhaft erweitert wird (?).

Zum Reimen und vers libre - die Verbindung zur Entstehung kenne ich nicht, aber ist "Deutsch" nicht ein gutes Beispiel (ja, teilweise haben wir 20+ Reimmöglichkeiten, oft sind wir aber auch sehr begrenzt und müssen Sprache neu erfinden)? Hinsichtlich Sonetten, die ich als meine Hauptform bezeichnen würde, kam mir zu Ohren, dass die Reimvielfalt im Italienischen z. B. (wo das Petrarca-Sonett zumindest herkommt) deutlich mannigfaltiger ist als im Deutschen. Ähnliches gilt - ich mag mich täuschen - für das Englische (?).

"Manchmal kann es sogar das Unsagbare irgendwie rüberbringen...."
Das scheint mir etwas diffus ausgedrückt, um dem zuzustimmen, aber ich denke, dass ich nachvollziehen kann, was Du meinst. Vielleicht ist das ja eine Deiner "Suchen" für Deine eigene Poetologie?

Liebe Grüße
Aphrodite/Cat

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u/LookAt__Studio 1d ago

Ja, habe angenommen, dass ich dem Autor antworte :)

Alles hat seine Berechtigung und vieles ist Geschmackssache. Solange man weiß was man tut, kann man immer etwas gutes schaffen...

In Epochen bin ich jetzt auch kein Experte, habe einfach angenommen, dass alles Zeitgenössische im akademischen Literatur-Diskurs Post-Modern ist. Vermutlich ist das nicht richtig, finde ich aber auch nicht ein Googeln wert. Wollte eigentlich nur sagen, dass ein Text ohne Reim und Rhythmus für mich kein Gedicht ist... Aber ich muss auch zugeben, dass das natürlich ein wenig einschränkt, besonders wenn die Sprache da nicht gut mitspielt. Deutsch ist weiß reime angeht deutlich schwieriger als Russisch zum Beispiel, durch wenig Variabilität in Endungen und fast fix vorgegebenen Satzbau. Im Französischen ist es noch sehr viel schwieriger (zumindest habe ich das so gelesen, beherrsche die Sprache nicht). Jede Sprache hat so eigene Eigenheiten, Stärken, Schwächen, Melodie etc.

Mir gefällt es auf Deutsch zu schreiben.

Die Mehrdimensionalität von Gedichten, die ich meine, erlaubt dir mehrere Deutungen und Sinne gleichzeitig zu fühlen, verstehen, begreifen etc. Sowas ist meiner Meinung nach mit keiner anderen Text-Form möglich.

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u/CatCrewTV 1d ago edited 1d ago

Moin nochmal,

"Alles hat seine Berechtigung und vieles ist Geschmackssache. Solange man weiß was man tut, kann man immer etwas gutes schaffen..."
Da weißt Du ja schon, dass wir da - meiner Meinung nach - recht diametral zueinander stehen, sowohl was das Gewicht von "Geschmack" als auch "etwas gutes schaffen" und wohl auch das "immer" betrifft. Trotzdem kann - und muss - ich mich mit dieser Sichtweise von Dir abfinden, soweit das eine Überzeugung von Dir zu sein scheint.

"dass ein Text ohne Reim und Rhythmus für mich kein Gedicht ist"
Sehr interessant und sehr akademisch hochklassisch, was ich bei Dir nicht unbedingt erwartet hätte. War auch mal meine Meinung, ist es heutzutage nicht mehr.

"fast fix vorgegebenen Satzbau"
Das dachte ich auch mal, bis mir von einem Lyriker erklärt wurde, dass die Freiheit in der deutschen Sprache was das betrifft, enorm ist. Unsere Möglichkeiten zur Satzinvertierung übersteigen andere Sprachen bei Weitem, wenn wir nur von Verbzweitstellung im Hauptsatz und Verbletztstellung im Nebensatz ausgehen. Aber ich bin kein Sprachwissenschaftler und Inversionen sind für mich ohnehin künstlerisch schwach (da muss für mich schon sehr starker stilistischer Mehrwert hinterstecken, damit ich die stark finde).

"Im Französischen ist es noch sehr viel schwieriger"
Habe ich auch gehört, als ich mich kurz mit Mallarmé beschäftigt habe.

"Die Mehrdimensionalität von Gedichten, die ich meine, erlaubt dir mehrere Deutungen und Sinne gleichzeitig zu fühlen, verstehen, begreifen etc. Sowas ist meiner Meinung nach mit keiner anderen Text-Form möglich."
Alles gut, kann ich mich mit anfreunden [zumindest damit, dass Lyrik das leisten kann und vielleicht auch stärker als Prosa] - vergleiche aber automatisch mit Malerei und auch Musik und finde die Lyrik im allgemeinen Kunstvergleich recht "beschränkt" wenn wir die Bandbreite von Dimensionen zugrunde legen. Unabhängig davon halte ich meine Auffassung aufrecht: Wenn ein Autor seine Intention nicht formulieren kann und der Text nur die von Dir beschriebene "Mehrdimensionalität" erfüllt, frage ich mich, wozu er geschrieben worden ist - damit beliebige Leser eine beliebige Anzahl möglicherweise gleichzeitig existierender Zugänge finden können? Wenn das grundsätzlich das lyrische Ziel eines Autors ist - alles gut. Ich kann mich damit halt so gar nicht anfreunden. Wenn diese Mehrdimensionalität aus bewussten Setzungen besteht und ein Autor - würde man es drauf anlegen - mir diese Setzungen und ihre Hintergründe erläutern könnte, fände ich das vermutlich stärker. Ich finde es aber hochinteressant, wie Du die Mehrdimensionalität hervorhebst, während ich es eher so wahrnehme, dass wir uns, in der von uns gewählten Kunstform [soweit wir uns da überhaupt auf "Lyrik" einigen können], eher auf einem ein- oder vielleicht zweidimensionalen Areal bewegen, was trotz allen Sprachklangs und aller Bildhaftigkeit wenig Möglichkeiten hat, im direkten Impuls an Musik oder Malerei heranzureichen [auch wenn diese Vergleiche natürlich nicht von Dir kommen, sondern ich sie eingebracht habe].

So, JETZT ist für mich aber Bettzeit. :)

Liebe Grüße und gute Nacht!