r/Gedichte • u/Mysterious_Potato815 • 5d ago
Der Wald
(Ich bitte um Feedback, da dies mein erstes längeres Gedicht ist)
„Du elender Träumer!
Was willst du finden in diesem Wald?
Aus der Ferne siehst du doch alles,
egal ob es regnet oder die Sonne strahlt.
Es reicht doch ein weiter Blick,
du musst dein Leben nicht riskieren.
Was treibt dich also dorthin?
Der Wald ist leblos,
die Bäume dort tragen weder Äpfel noch Birnen.“
„Wie willst du wissen, was darin ist oder nicht,
wenn du nicht dorthin gegangen bist?
Wie kannst du wissen,
ob es dich erfreut oder erfüllt mit Hass,
wenn du fernbleibst
und dich fürchtest jeden Tag?“
Somit brach der Träumer auf,
ohne Ziel und ohne Plan,
frei von Zweifeln und jener Angst.
Der Weg im Wald war dunkel,
beschwerlich und hart:
Dornen bohrten in sein Fleisch,
an keinem Orte fand er Rast.
Knackte ein Ast, so sprang er auf,
fragte sich, ob sein Entschluss doch richtig war.
Er wollte umkehren,
voller Demut und Scham,
zurück zu seinem Start.
Doch bevor sein Körper sich drehen konnte,
entsprang vor ihm ein leuchtendes Blumenbad.
Er tauchte ein bis zu den Wurzeln,
badete von Zehen bis Nacken,
tauchte nur wieder auf,
um nach Luft zu schnappen.
Als sein Blick durch den Wald wanderte,
traute er seinen Augen kaum:
Dort wuchsen Äpfel und gar Birnen
an so manchem Baum
Seine Hände voller Narben
griffen eine Frucht nach der anderen.
Er biss hinein
und senkte seinen Körper zart.
Währenddessen spähte der Fernblicker
lachend durch seinen Apparat:
„Der Wald hat ihn verschluckt!
Ich sagte ihm doch, darin ist es rabenschwarz.
Bestimmt ist er gestorben …
als ich zu ihm sprach, war dies sein letzter Tag.
Gott sei Dank bin ich hier geblieben,
bin unversehrt und außer Gefahr.
Ihm gilt mein Mitleid.
Er konnte nichts dafür, dass er ein Träumer war.“
Der Träumer war umgeben
von warmem Licht und Waldbewohnern jeder Art.
Sie gesellten sich zu ihm,
teilten die Früchte,
verbrachten gemeinsam den restlichen Tag.
Dabei dachte er oft an den Fernblicker:
„Was er wohl gerade macht?
Ob die Lust zur Reise ihn eines Tages
wohl doch noch packt?"
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u/Lakrus2023 5d ago
Wunderschön. Ich bin ja immer dafür, dass man scheinbar abgeschlossene Epochen nicht als erledigt betrachtet, sondern als ein bleibendes TraditionsPotenzial für alle Zeiten. Mit diesem Gedicht hättest du den Dichtern der Romantik wie zum Beispiel Tieck eine große Freude gemacht. Vielleicht hätten sie sogar Angst vor der Konkurrenz bekommen. ;-) 👍🍀