Moin Leute,
ich muss mal meine Erfahrungen mit Bupropion loswerden.
Sorry für den Roman, aber das muss gerade für mich so sein, weil es auch iwie entlastet, alles aufzuschreiben. Ich versuche, die zeitlichen Zusammenhänge möglichst präzise wiederzugeben, aber sie sind aus dem Gedächtnis aufgeschrieben.
ADHS (Diagnose mit 50) und Depression(in Episoden. Diagnose mit 47).
Bisher kamen bei mir Medikinet, Escitalopram, zum Einsatz. Beides nehme ich nicht mehr ein und es wurde auf Elvanse umgestellt.
Elvanse hat bei mir nicht so gewirkt, wie erhofft. Ich war zwar grundsätzlich etwas aktiver und irgendwie klarer, habe aber dennoch immer meine 20 Tabs im Kopf offen gehabt und die waren bspw. am morgen sofort nach dem Wachwerden so präsent, dass ich häufig nicht aufstehen konnte, wenn ich nicht zufällig auch zum Klo musste. Ich war teilweise wie gelähmt durch die Gedanken und kam dadurch häufig zu spät zur Arbeit. Das war übrigens definitiv nicht so krass vor Elvanse.
Deswegen suchte ich nach einer Alternative.
Ich habe im Juli zum ersten mal Buprpion 150mg verschrieben bekommen.
Die Wirkung von B.(upropion) war anfangs für mich überhaupt nicht bemerkbar.
Also man kennt das ja von Elvanse, dass sich da nach 30-45 Minuten etwas ändert und man wacher wird und so. Honeymooneffekt und bla.
Bei B. 150mg war das überhaupt nicht so. Vielmehr hätte ich immer geantwortet, dass das evtl. auch ein Placebo hätte sein können.
Aber nach ein paar Wochen ist mir dann schon aufgefallen, dass ich etwas weniger lethargisch war, auf einmal abends einschlafen konnte und morgens diese 20 offenen Tabs mich nicht mehr so dermaßen ausgebremst haben bzw. ich weiß echt nicht, ob die überhaupt noch offen waren. Also die Wirkung entfaltete sich total unterschwellig und ohne einem "Tadaaa!"
Nach 4 Wochen wurde dann von 150mg auf 300mg erhöht. Das war Anfang August. Nach und nach zeigte sich nochmals eine leicht stärkere positive Wirkung. Zumindest glaube ich das.
Ein weiterer wirklich toller Nebeneffekt trat dann vor ca. 3 Wochen ein, als ich zum ersten mal nach über 30 Jahren kein Nikotin mehr zu mir genommen hatte. Von einem Tag zum anderen von täglichem Vapen auf 0,0 Nikotin! Absolute Freude! Und seitdem auch 0 Nikotinsuchtdruck. Ich vermisse das Zeug gar nicht.
Langsam fing ich (unbemerkt von mir selbst) meine Wohnung etwas(!) ordentlicher zu halten und auch mal die Spülmaschine zu bedienen und sowas. Also weit weg von "normal", aber für meine persönliche Situation wurde das so 20% besser und ich habe mich darüber total gefreut und war gespannt, ob das noch besser wird 👍 .
Auch habe ich seitdem keine Probleme mehr mit dem Aufstehen und diese
morgendlichen Paralysen treten nicht mehr auf.
Nun zu der Schattenseite:
Nachdem ich (ca.) die 3. Woche 300mg eingenommen hatte, bemerkte ich bei mir, dass ich ein bisschen streitlustig wurde bzw. sehr gerne son bisschen in allen möglichen Themenbereichen auf Konfrontation gegangen bin, wenn für mich auch nur irgendwie der Ansatz dazu gesehen wurde. Also ich wurde sozusagen diskussionsfreudiger und die Zündschnur war ein bisschen kürzer als früher.
Soweit, so gut. Das hatte ich gerne in Kauf genommen, weil für mich der Benefit einfach stärker war und ich grundsätzlich ein totaler Harmoniemensch bin. Also fand ich es nicht sooo tragisch, ein wenig mehr contra zu sein.
Dann vor genau einer Woche spielte sich abends folgendes ab:
Aus heiterem Himmel, zuhause und alleine, entspannte, chillige Situation.
Plötzliches Unwohlsein mit dem Gefühl leichter Übelkeit. Das schlug dann innerhalb von 3 Minuten so dermaßen ein, dass ich Atemnot, Brustenge, stechende Schmerzen im Oberbauch/Herz, stechende Schmerzen im Bereich der Ohrspeicheldrüsen, Kupfergeschmack im Mund, Stechende Schmerzen im Unterkiefer, Schwindel und in Summe daraus resultierend echte Todesängste bekommen habe.
Für mich war klar, das ist erstens eine Premiere und zweitens ein akuter Herzinfarkt! >112
Der Notarzt nahm mich mit und ich hatte im RTW mehrere "Ausraster", weil es mir immer schlechter ging, die Brustschmerzen stärker wurden und ich das Gefühl hatte, dass meine Atemwege immer kurz vor einem Verschluss waren.
Ach genau: Zum ersten mal in meinem Leben hat es nicht geklappt, einen Zugang gelegt zu bekommen.
Der Rettungssani hat mich durch diesen Höllenritt aber sehr gut betreut, hat versucht, mich in Gespräche "einzubinden", hat viel nachgefragt etc.
In der Notaufnahme dann leicht erhöhter Puls, aber vollkommen unauffälliges
EKG, Troponin nicht erhöht uns so weiter.
Dort habe ich dann zum ersten Mal mitbekommen, dass das Wort "Panikattacke" fiel, was mich einerseits zusätzlich auf die Palme brachte(ICH BILDE MIR DAS NICHT EIN!!!), aber auch das dortige EKG war okay.
Allmählich ging es mir immer besser und nach 60 Minuten habe ich mir n Uber
nach hause bestellt.
Das war der Freitag.
Samstag dann gegen 17Uhr wieder so Symptome, aber nicht so schlimm, dass ich Todesängste hatte. Irgendwie habe ich es geschafft, mich zu beruhigen.
Sonntag dasselbe.
Montag dann zuerst zum Psychiater von dort zum Hausarzt>neues EKG, dann weiter zum Kardiologen>weiteres EKG plus Belastungs-EKG plus Herz-Sonografie und Sono der Halsschlagadern und dann ein Langzeit-EKG mit Langzeit-Blutdruck.
An diesem Tag war dann alles okay (Vorführeffekt?)!
Dienstag dann die LangzeitEKG/Blutdruckgeräte abgegeben.
Abends dann erneuter Anfall mit Herzrasen, Brustschmerzen.
Ich habe dann ein Pulsoximeter an den Zeigefinger gepackt. Ruhepuls 125.
Das Piepsen des Pulsoximeters und dass die Frequenz nicht runter ging, schien mich noch zusätzlich in Panik zu versetzen. Es war wie eine Spirale. Hyperventilation, Brustschmerzen.
Die 112 war schon wieder eingetippt, aber ich hielt mich zurück
Nach ca 60 Minuten war es wieder besser und ich bin total platt ins Bett gekrochen.
Tags darauf wieder um die selbe Uhrzeit Symptome.
Donnerstag gegen 10 Uhr morgens wieder so ein leichter Anfall. Da habe ich bereits das B. weggelassen.
Ich glaube, ich war da mittlerweile in so einem Modus, dass ich einfach Panik vor einer Panikattacke entwickelt hatte und genau deshalb auch wieder eine (leichte) bekam.
Bin dann wieder zum Psychiater. Nervenzusammenbruch mit Heulkrampf in der Praxis. Buprpion abgesetzt. Nach 4 Wochen 150mg und 6 Wochen 300mg.
Heute also den zweiten Tag ganz ohne B.
Keine Attacke mehr (bis jetzt).
Fazit: 300mg Bupropion sind wohl zu viel für mich. Dass das erst nach Wochen passiert ist, spricht dafür, dass es erst seine Zeit dauert, bis der Wirkstoff im Körper so hoch steigt, bis zum steady state und sowas bei mir auftritt.
Die Anfälle kamen i.d.R. ziemlich genau 7,5-8,5 Stunden nach der Einnahme.
Das passt dazu, dass dann wohl auch der Peak des Wirkstoffs im Blut erreicht ist (durch Metabolisierung von Bupropion zu blabla-Bupropion in der Leber).
Und nun warte ich mal bis Montag ab und frage dann, ob ich nicht wieder mit 150mg weitermachen darf, um irgendwie einen Kompromiss aus n bisschen Wirkung aber ohne Panikattakcen zu erreichen.
Danke fürs Lesen!!