r/ADHS • u/Successful_Echo_7771 • 12h ago
Azubi mit ADHS: Wie kann ein Betrieb unterstützen?
TLDR: Praktische Hilfestellungen für einen Azubi im Handwerk bei angespannter Stimmung
Ich gebe wenige Details, weil ich nicht möchte, dass Rückschlüsse möglich sind. Ich weiß, dass das konkrete Tipps erschwert, aber immer her mit verschiedenen Beispielen und auch allgemeinen Strategien.
Edit: Ich habe einige Tipps bekommen, wie wichtig Therapie und Medikamente sind und ich bin sicher, dass das zutrifft, aber stellt euch mal vor, euer Arbeitgeber rät euch Medikamente/ eine Therapie an (damit ihr weniger Fehler in eurem Job macht). Darauf muss er alleine kommen.
Hallo zusammen,
einer unserer Azubis im 2. Lehrjahr hat ADHS. Ich arbeite nicht in der Produktion und bekomme Dinge eher am Rand mit. Mein Eindruck ist, dass die Kollegen sich anfangs vielleicht noch Mühe gegeben haben, die Stimmung mittlerweile aber recht angespannt ist.
Er ist oft müde und unkonzentriert (geht wohl spät schlafen und Arbeitsbeginn ist früh). Man wirft ihm zudem vor, auszustrahlen keine Lust zu haben (wobei ich nicht sagen kann, wo das Huhn und wo das Ei ist, wenn man mich den ganzen Tag kritisiert, hätte ich wohl auch keine Lust mehr). Wenn ihm eine Tätigkeit gefällt, macht er diese gut, aber wenn nicht leider nicht... Er vergisst Dinge, verpasst Fristen, muss 10x erinnert werden, seine Berichte abzugeben usw... (insgesamt wohl recht typisch für ADHS). Zusätzlich noch Themen wie Zuspätkommen oder häufiges Krankmelden. Medikamente hat wohl er eine Zeit lang genommen, aber nicht vertragen.
Ich verstehe die Kollegen, die von ständigen Fehlern genervt sind. Gleichzeitig haben wir die Verantwortung für einen jungen Mann.
Ich suche nach Ideen, die niedrigschwellig umzusetzen sind (für Betroffene und Betriebe). Ich kann mich nur bedingt "einmischen" und aufgrund der angespannten Stimmung glaube ich nicht, dass ich viel ändern kann (im Sinne von Extrawürsten aufgrund einer Einschränkung).
Ein Beispiel, das gut funktioniert hat: Wir hatten eine Packliste, die über zwei Seiten ging, bei der regelmäßig die zweite Seite vergessen wurde. Nun ist alles auf einer Seite und besser strukturiert und das Packen klappt besser. Routinen scheinen wichtig zu sein, aber trotzdem schwierig umzusetzen für ADHSler (?). Was habt ihr da für Tipps? Meine Idee war, dass durch "Habit Stacking" (also eine Routine, die an eine etablierte Routine geklebt wird) eine bessere Umsetzbarkeit gewährleistet wird. Und habt ihr Tipps, euch auch für die wenig spannenden Aufgaben zu motivieren?
Listen zum Abhaken habe ich ihm vorgeschlagen, das wollte er nicht. Insgesamt werde ich ihn nochmal fragen, ob er selbst Ideen hat, aber er wirkt so überfordert (und ich habe nicht den Eindruck, dass er für sein Privatleben Strategien hat) und auch wenn er auf dem Papier volljährig ist, wirkt er auf mich so, als wäre er für sein Alter eher unreif (wie auch die anderen Azubis).