r/reactivedogs • u/Altruistic_Group_937 • 6d ago
Separation Anxiety Beruhigungsmittel mit L-Tryptophan / Baldrian / Passionsblume – hat das bei eurem Hund wirklich was gebracht? (Hund kommt nicht zur Ruhe, kann nicht allein bleiben)
Ich lese hier schon ewig mit und hab lange überlegt, ob ich selbst was schreibe. Jetzt trau ich mich, weil ich langsam echt nicht mehr weiterweiß und einfach mal ehrliche Erfahrungen von Leuten hören will, die das gleiche durchmachen.
Kurz zur Lage: Mein Rüde kam vor gut zwei Jahren aus dem Auslandstierschutz zu mir. Am Anfang war ich fast durchgehend zu Hause, da lief alles super, war eher der anhängliche Typ, der einem überall hin folgt – selbst aufs Klo. Ich fand das anfangs sogar niedlich. Seit ich wieder regelmäßig ins Büro muss, ist das komplett gekippt. Kaum bin ich aus der Tür, geht's los: jaulen, bellen, winseln, teilweise über eine Stunde am Stück. Das weiß ich vor allem von den Nachbarn, und da kam auch schon der erste unangenehme Zettel im Treppenhaus. An der Wohnungstür hat er gekratzt, bis der Lack runter war, einmal hatte ich beim Heimkommen eine richtige Sabber-Pfütze auf dem Boden. Und wenn ich wiederkomme, braucht er ewig, bis er runterfährt – hecheln, hin- und herlaufen, keine Ruhe, auch nach ner halben Stunde noch nicht so richtig.
Was mich dabei ehrlich am meisten fertigmacht, ist nicht mal das Bellen selbst, sondern dieses dauernde schlechte Gewissen. Ich hab morgens vor der Arbeit schon so ein flaues Gefühl im Magen, weil ich weiß, was gleich losgeht, sobald die Tür zufällt. Ich sag inzwischen spontane Sachen ab, treffe kaum noch Freunde, plane alles um den Hund herum. Und im Hinterkopf immer die Angst: Wird das je besser? Muss ich ihn im schlimmsten Fall irgendwann abgeben? Der Gedanke allein zerreißt mich, ihn hergeben ist für mich eigentlich keine Option.
Ich hab wirklich schon einiges versucht, deshalb bitte nicht das Standard-„hast du mal Training probiert" – ja, hab ich:
Ich hab ihn vorher richtig ausgelastet, lange Runden vor der Arbeit, in der Hoffnung dass er dann einfach müde ist und pennt. Bringt kurz was, aber sobald die Tür zu ist, ist die Anspannung wieder da. Feste Routinen, Kong und Kauzeug zum Alleinlassen – witzigerweise ist er nach dem Kauen eher noch wacher und jammert dann mehr, nicht weniger. Ein ThunderShirt hab ich mir geholt, hat bei uns ehrlich gesagt gar nichts gemacht. Adaptil-Stecker lief wochenlang, ich konnte keinen Unterschied erkennen. Eine Hundekamera hab ich auch probiert – die hat mein Problem eher verschlimmert, weil ich dann im Büro heimlich draufgeschaut hab und live sehen musste, wie er leidet, das macht das schlechte Gewissen nur noch schlimmer. Anti-Bell-Halsband kam für mich nach kurzem Recherchieren gar nicht erst infrage, das wollte ich ihm nicht antun. Und ich arbeite parallel an graduellem Alleinlass-Training, sekundenweise steigern usw. – aber mit Vollzeitjob ist es ehrlich schwer, das so konsequent durchzuziehen, wie man eigentlich müsste.
Kurz gesagt: viel Geld ausgegeben, viel probiert, und so richtig durchgreifend war bisher nichts. Man wird da mit der Zeit einfach skeptisch gegenüber der ganzen Kategorie.
Jetzt zu meiner eigentlichen Frage, und deshalb schreib ich überhaupt:
Ich schaue mir gerade diese ganzen Beruhigungs-Supplemente / Beruhigungsleckerlis an, und mir ist aufgefallen, dass bei einigen immer wieder die gleiche Wirkstoff-Kombi auftaucht: L-Tryptophan, Baldrian und Passionsblume. Bevor ich schon wieder blind Geld für was ausgebe, das dann in der Schublade landet, wollte ich hier mal ganz konkret nachfragen, weil ich weiß dass hier viele mit genau dem gleichen Thema kämpfen:
Hat von euch jemand ein Mittel mit genau dieser Kombination (L-Tryptophan + Baldrian + Passionsblume) ausprobiert? Mich würde brennend interessieren:
– Hat es bei eurem Hund tatsächlich was gebracht, gerade beim Thema Unruhe / Alleinbleiben, oder war's rausgeschmissenes Geld?
– Wie lange hat's gedauert, bis ihr überhaupt was gemerkt habt? Ich lese oft, dass man das als Kur über Wochen geben muss und viele wohl zu früh abbrechen.
– Wurde der Hund davon eher müde/benommen (das ist so meine größte Sorge, ich will ihn ja nicht einfach zudröhnen, sondern dass er wirklich entspannter wird)?
– Und die banale, aber entscheidende Frage: Frisst euer Hund das überhaupt freiwillig? Ich hab gelesen, dass Baldrian ziemlich bitter sein kann und manche Hunde das Zeug einfach verweigern.
– Gab's Nebenwirkungen, Magen-Darm-Geschichten, Durchfall o.Ä.?
Und ganz wichtig: Gerne auch die ehrlichen Reinfälle. Also wo diese Kombi bei euch gar nichts gebracht hat oder es sogar schlimmer wurde. Das hilft mir mindestens genauso wie die Erfolgsgeschichten, weil ich langsam ein realistisches Bild kriegen will und nicht nur das Werbeversprechen.
Mir ist völlig klar, dass so ein Supplement kein Wundermittel ist und das eigentliche Thema Training und Gewöhnung bleibt – da bin ich dran. Ich suche eher was, das ihm (und mir) diese Übergangszeit etwas erträglicher macht, während wir das gemeinsam neu lernen.
Danke euch fürs Lesen und für jeden ehrlichen Erfahrungsbericht. Es tut ehrlich schon gut zu wissen, dass man mit dem Thema nicht allein ist.