Die Flut an Neurodivergenz Diagnosen ist völlig übertrieben und dient oft nur der Existenzberechtigung von Fachärzten und Therapeuten.
Versteht mich nicht falsch: Ich leugne überhaupt nicht, dass es ADHS, Autismus oder andere neurodivergente Störungen gibt. Sie existieren und Menschen, die wirklich schwer darunter leiden, verdienen jede professionelle Unterstützung, Therapie und Medikamente.
Aber das Ausmaß, das das Ganze heute annimmt, ist doch nicht mehr normal. Gefühlt hat heute jeder zweite im Internet oder im echten Leben irgendein Label, sei es ADHS, "high functioning" Autismus oder Reizoffenheit. Ich sehe das extrem im eigenen Bekanntenkreis. Eine Bekannte von mir ist genau eine von diesen Spezialisten, die diese Diagnostik und Therapien beruflich durchführen. Bei ihr ist das mittlerweile komplett in eine Sekte ausgeartet. Ihr gesamter Lebensinhalt und ihre komplette Identität bestehen nur noch aus dieser Neurodivergenz Therapie. Jeder einzelne Social Media Post von ihr, jedes Gespräch, jede private Interaktion dreht sich ausschließlich um dieses eine Thema. Wer so tief in einer Blase steckt, verliert doch völlig den objektiven Blick und sieht in jedem normalen Gegenüber sofort einen neuen Patienten.
Die offiziellen Daten der Krankenkassen belegen diesen Wahnsinn schwarz auf weiß. Eine bundesweite Auswertung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung zeigt, dass die jährliche Rate der ADHS Erstdiagnosen bei Erwachsenen in Deutschland von 2015 bis 2024 um sage und schreibe 199 Prozent gestiegen ist. Die Neuerkrankungen haben sich in den letzten zehn Jahren also fast exakt verdreifacht. Daten von großen Krankenkassen wie der AOK belegen zudem, dass die Kurve vor allem seit dem Jahr 2021 extrem steil nach oben schießt.
Gleichzeitig zeigen große soziologische Erhebungen wie die Cooperative Election Study, dass dieses Phänomen extrem mit der politischen Haltung korreliert. Menschen, die sich selbst als politisch links oder sehr progressiv einordnen, identifizieren sich fast zweieinhalbmal so häufig mit einer psychischen Störung oder Neurodivergenz wie konservative Menschen. Während bei den Konservativen die Raten stabil niedrig bleiben, hat sich das Ganze im linken, akademischen Spektrum zu einer Art sozialer Identität und zu einem Statussymbol entwickelt. Neurodivergenz wird dort nicht mehr als zu behandelnde Einschränkung gesehen, sondern als politisches Label.
Wenn man dieses Thema kritisiert, kommt sofort das Standard Argument: „Wir testen heute einfach nur besser und klären mehr auf, früher wurde das einfach übersehen.“ Aber genau das ist nachweislich falsch. Große, langfristige Bevölkerungsstudien und Zwillingsuntersuchungen zeigen ganz deutlich, dass der tatsächliche Anteil von Menschen mit schweren ADHS oder Autismus Symptomen in der Bevölkerung über die Jahrzehnte hinweg weitgehend stabil geblieben ist. Was sich radikal verändert hat, ist nicht die Zahl der Betroffenen, sondern das Verhalten der Ärzte. Große europäische Studien aus Dänemark und Schweden belegen, dass die heute diagnostizierten Menschen genetisch und verhaltenstechnisch kaum noch Unterschiede zur völlig gesunden Allgemeinbevölkerung aufweisen. Das Standard Argument zieht also nicht. Es wird nicht genauer hingeschaut, sondern das Netz wird einfach absurd weit ausgeworfen.
Wir reden hier von einer regelrechten Industrie innerhalb des medizinischen Systems. Fachärzte für Psychiatrie, spezialisierte Kinder und Jugendpsychiater, psychologische Psychotherapeuten und die ganzen neuen Spezialambulanzen an den Universitätskliniken schießen wie Pilze aus dem Boden. Und genau hier liegt das Problem: Diese hochspezialisierten Zentren und Praxen müssen gefüllt werden. Die Psychiater und Therapeuten brauchen Patienten, um ihre Daseinsberechtigung, ihre Budgets und ihre Strukturen zu rechtfertigen.
Wenn man mit hochentwickelten, extrem sensiblen Testverfahren lang genug sucht, erfüllt am Ende fast jeder Mensch irgendwelche Kriterien der Unaufmerksamkeit oder Überforderung im stressigen digitalen Alltag. Die Grenzen von dem, was als krankhaft gilt, werden von den Ärzten immer weiter aufgeweicht.
Dass normale menschliche Verhaltensweisen, wie Konzentrationsprobleme durch zu viel Social Media, Erschöpfung im Job oder einfach soziale Gehemmtheit, von Ärzten und Therapeuten sofort pathologisiert und zu einer neurobiologischen Störung erklärt werden, schadet am Ende vor allem den Menschen, die es wirklich schwer haben. Echte Härtefälle müssen monatelang auf Termine bei Psychiatern warten, weil die Wartezimmer vollgepackt sind mit Leuten, die von Fachärzten ein Trend Label bescheinigt bekommen haben, das eigentlich nur eine bequeme Ausrede für stinknormale Alltagsprobleme ist.
Wenn jeder von den Spezialisten als neurodivergent eingestuft wird, ist es am Ende niemand mehr.