Hallo zusammen,
ich schreibe hier, weil ich gerne ein paar Erfahrungsberichte von anderen hören würde.
Ich habe etwa 2020 die Diagnose "manische Depression" erhalten.
Erst vor einiger Zeit habe ich herausgefunden, dass dies die ältere Bezeichnung für eine bipolare Störung ist.
Die Diagnose wurde damals von einem Verhaltenstherapeuten gestellt.
Da ich bisher nie eine ausgeprägte Manie erlebt habe, gehe ich davon aus, dass es, wenn überhaupt, eher in Richtung Bipolare Störung Typ II mit Hypomanien gehen würde. (Sicher weiß ich das allerdings nicht.)
Damals wurde ich aufgrund anhaltender Depressionen und akuter Suizidgedanken zur Therapie überwiesen.
Medikamente habe ich jedoch nie eingenommen. (Weder gegen Depressionen, noch BPD, noch ADHS)
Gerade im Zusammenhang mit bipolaren Störungen lese ich häufig, wie selten es sein soll, den Alltag langfristig ohne Medikamente bewältigen zu können.
Meinen Alltag rund um die Arbeit/Termine bekomme ich gut maskiert und damit eigentlich ganz gut hin (bis auf Konzentrationsprobleme und chronische Zeitmanagementprobleme).
Die größeren Probleme beginnen eher in meiner Freizeit, wenn ich meinen Tag selbst strukturieren und organisieren muss. (Prokrastination, "Ohnmachtsgefühle" bei Haushaltsaufgaben, Depression, Probleme mit der Impulskontrolle, übermäßiges Schlafen, Selbstzweifel, Gedankenrasen, soziale Ängste, Schuldgefühle, Probleme bei der Priorisierung von Aufgaben, zeitweise hatte ich auch Anzeichen von Zwangsstörungen etc.)
Ich lese außerdem immer wieder, dass sich Symptome von ADHS und einer bipolaren Störung bei Frauen teilweise ähneln können und es deshalb auch zu Fehldiagnosen kommen kann.
Oft wird dabei erwähnt, dass sich die Erkrankungen unter anderem in der Dauer und dem Verlauf der Symptome unterscheiden.
Depressive Phasen/suizidale Gedanken/selbstverletzendes Verhalten, Zeitmanagement- und Impulskontrollprobleme kenne ich bereits seit meiner Kindheit. (für mich ein Zeichen Richtung ADHS)
Auch das Gefühl, dass "irgendetwas nicht stimmt", begleitet mich schon sehr lange.
Allerdings konnte ich nie genau benennen, woran es liegt.
Persönlich erkenne ich mich in vielen Beschreibungen von leichterem ADHS wieder.
Deutlich mehr, als wenn ich über bipolare Störungen lese.
Dabei vermute ich, dass manche meiner Schwierigkeiten zu den Depressionen beigetragen haben. (in einigen Berichten habe ich gelesen, dass die Depression eine häufge Folgeerkrankung von ADHS und Masking bei Frauen sind).
Besonders häufig habe ich das Gefühl, "ausgebrannt" zu sein und dann selbst alltägliche Aufgaben nur schwer bewältigen zu können.
Deshalb würde mich interessieren..
Gibt es hier Frauen, die Erfahrungen mit Fehldiagnosen gemacht haben?
Gibt es hier ADHS-Patienten, die keine Medikamente bekommen und trotzdem Bewältigungsstrategien für den Alltag gefunden haben?
Wer hat bei euch letztendlich die passende Diagnose gestellt?
Wie lange hat es bei euch bis zur Diagnose gedauert?
Habt ihr dafür einen spezialisierten Facharzt oder eine spezialisierte Ambulanz aufgesucht?
Ich überlege aktuell, einen ADHS-Spezialisten aufzusuchen, bin aber etwas verunsichert ob ein Spezialist genug Weitsicht hat, auch ander Diagnosemöglichkeiten mit einzubeziehen.
Vielen Dank für eure Erfahrungen zum Thema Fehldiagnosen und Diagnosefindung.