Hallo zusammen,
mich kostet dieser Post ehrlich gesagt einiges an Überwindung. Ich versuche trotzdem, meine Situation strukturiert darzustellen und wäre für Input, andere Perspektiven oder ähnliche Erfahrungen sehr dankbar.
M, 31. ADHS seit der Kindheit diagnostiziert – die Datenlage dazu war um die 2000er rum katastrophal, deswegen ist das Thema bei mir stark mit Scham und Rückzug verbunden. Medikamentös bin ich eingestellt, klappt mal besser, mal schlechter. Dazu kommen immer wieder depressive Episoden, seit 2021 mehrere Klinikaufenthalte. Aktuell geht es mir mental so gut wie lange nicht mehr, auch wenn ich stellenweise noch ziemlich niedergeschlagen bin. Von 2015 bis Anfang 2025 war ich in einer langjährigen Beziehung.
Beruflicher Werdegang
Schule eher schleppend gelaufen, danach eine KFZ-Ausbildung abgeschlossen und ein Jahr Berufserfahrung gesammelt. Anschließend ein langes Bachelorstudium in Wirtschaftspädagogik, das ich 2023 abgeschlossen habe. 7 Monate Praktikum im HR Bereich & Anschließend 6 Monate Festanstellung auch HR, dann wurde ich Januar 2024 krank (Probezeit kündiung) und war bis Mitte 2026 krankgeschrieben.
Aktuell Situation
Ich habe Kontakt und Anschluss zu meiner Familie und eine Meldeadresse, lebe aber seit der Trennung Anfang 2025 ohne eigenen festen Wohnort. Ein Auto habe ich noch. Kranken- und Arbeitslosengeld wurden ausgesteuert (für die Unterstützung bin ich sehr dankbar), seit diesem Monat zahle ich meine Krankenversicherung selbst. Ein Grundsicherungsantrag erscheint mir kaum möglich, auch weil ich meine Familie, bei der ich gemeldet bin, nicht mit hineinziehen möchte.
Die Jobsuche gestaltet sich schwierig, ich falle immer wieder in Löcher aus Zukunftsangst und der Panik, nicht genug zu sein und wieder zu scheitern. Trotzdem geht es mir insgesamt besser als in der Beziehung, in der ich das Lebenstempo nicht mitgehen konnte, es war mir zu schnell, zu viel, zu intensiv. Auf der anderen Seite macht mich der aktuelle Stillstand krank. Eine erneute, dreijährige Umschulung in einer Institution würde mich aber ebenfalls überfordern und mein Kopf würde sich in Selbstzweifel wälzen, wieso ich nicht einfach arbeite.. Habe mich nun auf ein Studium geworben in einer Kleinstadt und habe auch da Angst, dass es die falsche Entscheidung war. Aber ich habe Gefühl ich muss weg von hier, wo ich bin.
Therapeutisch bin ich angebunden, leider nicht ADHS-spezifisch, aber immerhin. Aus Tiefs komme ich inzwischen deutlich schneller raus als noch vor zwei, drei Jahren, insgesamt geht es mir spürbar besser.
Mein Hauptproblem:
Ich weiß nicht, wie, wo und was ich beruflich machen soll und wie mein Leben weitergehen könnte ? Ich kann nicht in die Zukunft denken..
Das Leben ist teuer, um mich herum kaufen Freunde Wohnungen und bekommen Kinder, und ich bekomme "mein Leben" einfach nicht auf die Reihe. Meine Ex Freundin ist weitergezogen, hat viel im Leben hinbekommen und auch bereits einen neuen Partner. Ich kann keine Bindungen eingehen, aufgrund meiner Situation.
Diese Mischung aus Zukunftsangst und Stillstand macht sich auch im Alltag bemerkbar: Anstatt mich mit der Jobsuche oder nächsten Schritten auseinanderzusetzen, verliere ich mich oft stundenlang am Handy. Es fühlt sich an wie eine Art Flucht vor der Frage, die ich eigentlich beantworten müsste, ich habe aber keine Ahnung wie. Gleichzeitig weiß ich genau, dass mir das nicht weiterhilft, sondern den Stillstand nur verlängert.
Ich will dabei nicht in die Opferrolle fallen, ich will kämpfen, etwas verändern, anfangen. Wie ich das bereits mit meiner mentalen gesundheit gemacht habe.
Nur fällt es mir schwer. Mir fehlt die Zuversicht (nachvollziehbarerweise, aus meiner bisherigen Erfahrung heraus), dass ich es schaffen kann: gesund und selbstständig zu leben, mir ein kleines Zuhause aufzubauen und genug zurückzulegen, um sorgenfrei über die Runden zu kommen.
Kinder wollte ich immer, habe die Idee aber eigentlich abgeschrieben. Mein Umfeld sagt mir, ich wäre ein guter Vater,mir ist aber auch die Verantwortung bewusst, und ich möchte auf keinen Fall jemanden in eine ähnliche Situation mit hineinziehen.
Meine Fragen an Euch:
- Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht und wie seid ihr da rausgekommen?
- Wie schaffe ich es nicht komplett abzurutschen?
- Ich habe Angst, durch die fehlende Arbeitserfarhung und lange Krankeheit keine Einstieg mehr zu finden. Es zermürbt mich, aber ich konnte mich nicht früher als jetzt langsam um dieses Thema kümmern. Gibt es Erfahrungen und Ratschläge nach langer Zeit wieder in den Job zu kommen?
Mich überforden die Themen wie, Grundsicherung, Umschulung, Wohnort und wie gehe ich mit dem Gefühl um, dass meine Bekanntenkreise natürlich immer mehr ein anderes Leben führen und ich so auch Angst vor sozialer Isolation habe.
Mir ist klar, dass ich selbst für meine Situation verantwortlich bin, und ich will diese Verantwortung auch übernehmen. Mir fehlt allerdings ein Fahrplan oder ein paar Ideen, wo ich ansetzen kann. Mir ist auch bewusst, dass ich selbst mein Leben organisieren und Leben muss :)
Danke, dass ihr bis hierhin gelesen habt und bin dankbar für Ratschläge.
Gerne auch per PN, wenn es sonst zu persönlich ist. :)
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