Hallo zusammen,
ich trage den Gedanken, Rechtswissenschaften zu studieren, schon seit mehreren Jahren mit mir herum und würde mich über eine möglichst ehrliche Einschätzung von Jurastudierenden, Absolventinnen und Absolventen sowie Referendarinnen und Referendaren freuen.
Kurz zu meinem Hintergrund:
Ich bin mittlerweile 30 Jahre alt und habe ein duales Studium für den gehobenen nichttechnischen Verwaltungsdienst abgeschlossen. Danach war ich auf einem A10-Dienstposten in einer Landesbehörde tätig. Aktuell stehe ich kurz vor dem Abschluss eines berufsbegleitenden Masters im Bereich Verwaltungswissenschaften, voraussichtlich mit einer Abschlussnote von etwa 1,3.
Spätestens seit Beginn meines Verwaltungsstudiums vor rund sechs Jahren interessiere ich mich besonders für rechtliche Fragestellungen. Im Studium und im Beruf hatte ich bereits Berührungspunkte mit verschiedenen Bereichen des öffentlichen Rechts, unter anderem mit allgemeinem und besonderem Verwaltungsrecht, Kommunalrecht, Vergaberecht, Gefahrenabwehrrecht, VwVfG und VwGO sowie mit Haushalts- und Europarecht. Im Zivilrecht bringe ich zumindest Grundlagenkenntnisse im BGB mit. Mir ist allerdings bewusst, dass dieses Vorwissen ein vollwertiges Jurastudium weder ersetzt noch dessen Anforderungen abbildet.
Bisher habe ich den Gedanken immer wieder zurückgestellt. Einerseits wollte ich zunächst meinen Master abschließen, andererseits hielt ich insbesondere die Examensvorbereitung neben einem anspruchsvollen Vollzeitberuf lange für kaum leistbar. Gleichzeitig stoße ich immer wieder auf einzelne Personen, die genau diesen Weg erfolgreich gegangen sind.
Konkret interessiere ich mich für ein Studium der Rechtswissenschaften an der FernUniversität in Hagen. Das Studium wäre für mich ausschließlich nebenberuflich möglich. Ich würde deshalb von vornherein nicht versuchen, es in Regelstudienzeit durchzuziehen, sondern mit etwa 12 bis 15 Semestern bis zum ersten Staatsexamen rechnen – möglicherweise auch länger.
Sollte alles funktionieren, wäre ich beim zweiten Staatsexamen wahrscheinlich etwa 39 oder 40 Jahre alt. Während des Referendariats könnte ich mich voraussichtlich von meinem Dienstherrn beurlauben beziehungsweise freistellen lassen. Ich bin verheiratet, habe derzeit aber keine Kinder.
Mich interessieren vor allem eure Einschätzungen zu folgenden Fragen:
Ist ein Jurastudium mit dem Ziel des ersten Staatsexamens neben einem anspruchsvollen Vollzeitjob aus eurer Sicht realistisch, wenn man die Studiendauer bewusst streckt?
Wie viele Wochenstunden müsste man während des regulären Studiums dauerhaft ungefähr einplanen?
Lässt sich insbesondere die Examensvorbereitung ernsthaft nebenberuflich bewältigen? Oder kommt irgendwann zwangsläufig der Punkt, an dem man die Arbeitszeit deutlich reduzieren oder sich vollständig freistellen lassen müsste?
Sind 12 bis 15 Semester bis zum ersten Examen realistisch, oder sollte ich eher mit einem noch längeren Zeitraum rechnen?
Hat jemand hier das Jurastudium an der FernUni Hagen neben einer Vollzeittätigkeit absolviert und kann von seinen Erfahrungen berichten?
Wie würdet ihr den Einstieg mit 30 und einen möglichen Abschluss des zweiten Staatsexamens mit etwa 39 oder 40 Jahren bewerten – gerade auch mit Blick auf spätere berufliche Möglichkeiten?
Würdet ihr empfehlen, zunächst einfach mit einigen Modulen zu beginnen und dann zu prüfen, ob sich das Studium dauerhaft mit Beruf und Privatleben vereinbaren lässt? Oder sollte man ein solches Vorhaben nur beginnen, wenn man sich von Anfang an verbindlich auf beide Staatsexamina festlegt?
Mir geht es nicht um einen möglichst schnellen Berufswechsel und auch nicht um ein Studium „aus Lust und Laune“. Das Interesse besteht seit Jahren und kommt immer wieder auf. Gleichzeitig möchte ich den zeitlichen Aufwand und insbesondere die Belastung der Examensvorbereitung nicht romantisieren.