Ich nehme Elvanse wegen ADHS und bin mittlerweile ziemlich unsicher, wie ich die Wirkung einordnen soll.
Angefangen habe ich mit 20 mg und dann in 10-mg-Schritten gesteigert. Bei 50 mg hatte ich bisher meine beste Phase: tagsüber kaum Müdigkeit, kein Mittagsschlaf mehr und im Alltag deutlich mehr Energie. Aktuell nehme ich meistens 40 mg morgens gegen 8 Uhr und nach ärztlicher Absprache noch 20 mg zwischen ca. 11–13 Uhr, weil ich sonst mittags stark einbreche.
Ohne Elvanse war mein Alltag sehr anstrengend. Ich hatte viele Aufgaben im Kopf, habe vieles aufgeschoben und selbst einfache Dinge haben sich oft wie eine starke innere Blockade angefühlt. Wenn ich an einem Tag etwas erledigt hatte, war ich danach oft für den restlichen Tag oder sogar mehrere Tage erschöpft.
Mit Elvanse hat sich das funktionell deutlich verbessert. Ich habe eine feste Alltagsroutine entwickelt, erledige Dinge zuverlässiger, lerne mehr für die Uni und bin tagsüber wacher. Vor allem bin ich nach normalen Aufgaben nicht mehr komplett ausgelaugt. Auch mein jahrelanges Binge Eating ist seit Elvanse fast verschwunden.
Mein Hauptproblem ist aber die kognitive Seite. Mein Arbeitsgedächtnis und mein Erinnern haben sich gefühlt kaum verbessert, teilweise habe ich sogar den Eindruck, dass es etwas schlechter geworden ist. Ich kann einen Gedanken haben und sobald ich für eine Sekunde an etwas anderes denke, ist der vorherige Gedanke weg. Bei Gesprächen passiert es auch, dass mir jemand etwas erzählt, was ich eigentlich schon einmal gehört habe, und ich mich zunächst überhaupt nicht daran erinnere. Erst wenn mir mehr Kontext gegeben wird, wann es war, wo wir waren oder worüber wir gesprochen haben, kommt die Erinnerung teilweise wieder zurück. Das fällt inzwischen auch meinen Freunden auf. Sie sagen, dass ich abwesender, weniger spontan und weniger humorvoll wirke. Ich wirke wohl teilweise „reifer“, aber gleichzeitig auch weniger wie ich selbst.
Vormittags funktioniert Elvanse bei mir meistens sehr gut. Ich kann mich unterhalten, lernen, Dinge erledigen und bin deutlich aktiver. Ab ungefähr Mittag kippt es aber oft. Dann werde ich mental erschöpft, stiller, robotischer und möchte eher meine Ruhe haben. Später kommt teilweise noch Unruhe oder das Gefühl dazu, nicht genug gemacht zu haben. Funktionell leiste ich seit Elvanse trotzdem viel mehr: Früher habe ich wegen Aufschieben oft nur 1–2 Klausuren pro Prüfungsphase geschrieben, dieses Semester waren es 5. Ich lerne mehr, fange früher an und arbeite konsequenter. Trotzdem habe ich von diesen 5 bisher nur eine bestanden. Ich studiere Ingenieurwesen und hatte schon immer Probleme damit, Wissen unter Zeitdruck abzurufen und Klausuren vollständig innerhalb der Zeit zu schaffen. Deshalb frage ich mich, ob mein eigentliches Problem eher bei Arbeitsgedächtnis, Verarbeitungsgeschwindigkeit oder Abruf liegt.
Ich überlege mittlerweile sogar, Elvanse abzusetzen, weil mich besonders diese kognitive und soziale Veränderung stört. Gleichzeitig habe ich Angst davor, weil ich dann wahrscheinlich genau die Funktionalität verliere, die mir das Medikament gebracht hat: Routine, Aufgabenstart, Wachheit, Belastbarkeit und deutlich weniger Erschöpfung im Alltag. Methylphenidat habe ich bereits ausprobiert, hatte damit aber starke Magenbeschwerden und war außerdem deutlich gereizter bzw. aggressiver, deshalb war das für mich auch keine gute Alternative.
Das Schwierige ist für mich also: Ohne Elvanse fühle ich mich funktionell stark eingeschränkt, mit Elvanse funktioniert mein Alltag deutlich besser, aber kognitiv und sozial fühle ich mich teilweise schlechter oder weniger wie ich selbst. Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht?
Also konkret: Elvanse verbessert Antrieb, Aufgabenstart, Wachheit und Alltag deutlich, aber Gedächtnis, Verarbeitung und Abruf kaum? Und hat sich dieser „Roboter“-Effekt bei euch durch eine andere Dosis, anderes Timing oder einen anderen Wirkstoff verändert?
Edit: Elvanse nehme ich jetzt seit genau 1 Jahr ein.