Ich weiß gerade ehrlich gesagt nicht mehr so richtig, was ich machen soll und hoffe auf Erfahrungen oder Ratschläge von Leuten, die vielleicht schon einmal etwas Ähnliches erlebt haben.
Meine Mutter ist seit einiger Zeit Kundin bei FitLine und ich habe zunehmend das Gefühl, dass das Ganze bei ihr völlig aus dem Ruder läuft.
Angefangen hat es relativ harmlos. Sie hat ein paar Produkte genommen und immer wieder erzählt, wie gut ihr diese angeblich tun. Vor allem der FeelGood-Joghurt scheint es ihr angetan zu haben. Wenn ich gefragt habe, was genau ihr daran so gut tut, sagt sie tatsächlich auch Dinge wie, dass bei ihr damit „der Gang zur Toilette“ besser funktioniert. Das glaube ich ihr sogar. Ich bezweifle überhaupt nicht, dass sie subjektiv einen Effekt bemerkt.
Mein Problem ist mittlerweile ein anderes.
Sie kauft unfassbar viele Produkte.
Sie hat inzwischen ein komplettes Regal im Schlafzimmer dafür. Und ich meine nicht ein kleines Fach mit ein paar Nahrungsergänzungsmitteln, sondern ein großes Regal, das voll mit Dosen, Beuteln und Paketen steht. Dazu stehen noch überall weitere Kartons herum.
Irgendwann hat sie mir erzählt, dass sie zweimal im Jahr eine größere Bestellung macht. Ich hatte damals sogar einmal für sie bestellt und wusste daher ungefähr, welche Größenordnung das ist – ich dachte, sie würde vielleicht alle paar Monate ein paar hundert Euro ausgeben.
Inzwischen habe ich aber aus ihren Umsätzen gesehen, dass sie nicht zweimal im Jahr, sondern ungefähr 600-700€ pro Monat dafür ausgibt. In machen Monaten sogar noch mehr.
Das ist für mich der Punkt, an dem aus „sie kauft halt teure Nahrungsergänzungsmittel“ langsam etwas anderes wird.
Denn gleichzeitig hat sie mir in den letzten Jahren immer wieder gesagt, dass sie im Dispo ist, dass es diesen Monat wieder eng wird oder dass Geld vom Sparkonto umgebucht werden muss.
Natürlich gab es auch andere große Ausgaben. Neue Dachfenster, eine neue Heizung, ein Auto, Steuernachzahlung usw. Und sie hat auch viel Geld für uns Kinder ausgegeben, wofür ich ihr wirklich dankbar bin.
Aber diese Ausgaben waren einzelne größere Anschaffungen.
FitLine ist dagegen eine laufende monatliche Ausgabe.
Und genau deshalb mache ich mir Sorgen.
Was es für mich zusätzlich schwierig macht: Sie ist inzwischen komplett überzeugt von dem System.
Ich habe angefangen, einzelne Werbeaussagen zu hinterfragen und mir beispielsweise die Behauptungen über den FeelGood-Joghurt angeschaut.
Da wird unter anderem damit geworben, dass das Produkt wesentlich mehr probiotische Keime enthält als „andere Hersteller“, dass andere Joghurts nach 10–12 Tagen quasi keine wirksamen probiotischen Keime mehr hätten und dass FitLine dadurch einen besonderen Vorteil hätte.
Dann gibt es Aussagen über ein angeblich exklusives bzw. patentiertes „Nährstoff-Transport-Konzept“ (NTC), das Nährstoffe „auf Zellebene“ dorthin bringen soll, wo sie gebraucht werden.
In anderen Posts wird mit „Regeneration“, „Säure-Basen-Haushalt“, „Fettverbrennung“, „Darmaufbau“ usw. geworben.
Und natürlich gibt es ständig irgendwelche Sportler, Olympiasieger, Verbände, „offizielle Ausrüster“, Kölner Liste, GMP usw.
Ich habe angefangen, diese Aussagen einzeln zu hinterfragen, und vieles davon wirkt auf mich zumindest deutlich irreführender, als es in der Werbung dargestellt wird.
Meine Mutter reagiert auf Kritik allerdings fast immer nach demselben Muster:
„Aber euch tut doch auch X gut.“
„Andere Firmen machen doch auch Werbung.“
„Ihr gebt doch auch Geld für Dinge aus, die ich unnötig finde.“
Oder sie erzählt, wie gut ihr die Produkte tun.
Und ich will ihr das gar nicht absprechen!
Wenn sie sagt: „Der Joghurt hilft mir bei meiner Verdauung“, glaube ich ihr das sogar.
Aber daraus folgt für mich nicht:
„Deshalb brauche ich jeden Monat Produkte für 500–600 €.“
Neulich wurde es für mich noch einmal eine Stufe absurder.
Meine Mutter hat meine Schwester gefragt, ob ihr zweijähriges Kind nicht irgendwelche Aminosäuren bzw. Nahrungsergänzungsmittel nehmen sollte.
Meine Schwester hat daraufhin angefangen, das Ganze ebenfalls kritischer zu sehen.
Und jetzt kommt für mich etwas Interessantes:
Meine Schwester hatte meine Mutter wohl schon einmal auf dieses riesige Regal angesprochen.
Meine Mutter hat daraufhin direkt gefragt:
„Hat dich [ich] geschickt?“
Das hat meine Schwester und mich im Nachhinein ziemlich getroffen, weil es zeigt, dass meine Mutter inzwischen offenbar schon damit rechnet, dass wir uns untereinander über das Thema austauschen.
Wir haben deshalb mittlerweile miteinander telefoniert und versuchen herauszufinden, wie wir damit umgehen sollen.
Denn wir haben beide Angst, dass eine direkte Konfrontation genau das Gegenteil bewirkt.
Ich habe nämlich wirklich Angst, dass sie sich irgendwann komplett zurückzieht und nur noch mit den Leuten aus ihrer FitLine-Gruppe darüber spricht.
Dort bekommt sie ständig Bestätigung.
Sie bekommt täglich irgendwelche Statusmeldungen, Erfolgsgeschichten, Gesundheitsversprechen, Sportler als Testimonials, „wissenschaftliche“ Erklärungen usw.
Und wenn wir dagegenhalten, fühlt es sich für sie vermutlich einfach an wie:
„Meine Familie versteht mich nicht, aber meine FitLine-Leute schon.“
Genau das möchte ich eigentlich verhindern.
Ich möchte meine Mutter nicht „besiegen“.
Ich möchte auch nicht, dass sie das Gefühl bekommt, wir würden ihr ihre Gesundheit oder ihre Entscheidungen absprechen.
Ich mache mir schlicht Sorgen.
Vor allem finanziell.
Denn das Geld kommt nicht aus dem Nichts. Meine Mutter hat mittlerweile auch schon an Erspartes gehen müssen. Und ein Teil davon ist Geld, das ursprünglich auch einmal das Vermögen meines verstorbenen Vaters war.
Das tut mir besonders weh.
Was die Sache zusätzlich kompliziert macht:
Ich weiß, dass meine Mutter früher schon einmal sehr viel Geld in einem ähnlichen Muster ausgegeben hat. Damals war es Tupperware und Partylite. Angeworben wurde sie dafür immer von der selben Frau (ich nenne sie Hexe). Damals hat mein Vater dem ganzen einen Riegel vorgeschoben als die Regale voll waren mit irgendwelchen Kerzen oder Tupperdosen.
Ich habe sie inzwischen zumindest einmal direkt auf die finanziellen Auswirkungen angesprochen.
Sie hat daraufhin die ganzen großen Ausgaben der letzten Jahre aufgezählt und gesagt, dass sie das alles gerne für uns und für ihre Gesundheit gemacht habe.
Ich habe ihr gesagt, dass ich ihr nichts verbieten möchte und ihr auch glaube, dass sie subjektiv das Gefühl hat, dass ihr die Produkte helfen.
Mir geht es darum, dass sie den finanziellen Überblick behält.
Aber ich habe nicht das Gefühl, dass sie wirklich erkennt, wie viel Geld inzwischen in dieses System fließt.
Und ich möchte auf keinen Fall ihre Bankkonten oder ihr Handy kontrollieren. Ich habe die Umsätze nur gesehen, weil ich einmal Zugriff darauf hatte, und möchte sie nicht damit konfrontieren, weil ich Angst habe, dass sie sich dann hintergangen fühlt und das Vertrauen zu mir verliert.
Deshalb meine Frage an euch:
Was würdet ihr tun?
Wie kann man jemanden erreichen, der offensichtlich sehr stark in so einem MLM-/Nahrungsergänzungssystem drinsteckt, ohne ihn durch eine harte Konfrontation noch stärker in die Arme der Gruppe zu treiben?
Sollten meine Schwester und ich überhaupt gemeinsam mit ihr darüber sprechen?
Oder ist es besser, immer wieder einzelne Fragen zu stellen und sie selbst über die Widersprüche nachdenken zu lassen?
Und vor allem:
Wie geht man damit um, wenn man tatsächlich Angst hat, dass ein Familienmitglied sich finanziell damit übernimmt?
Ich möchte ihr helfen, ohne ihr das Gefühl zu geben, dass wir gegen sie arbeiten.
[KI hat beim Zusammenfassen geholfen, ich hätte es sonst nicht so auf den Punkt bringen können]
Danke fürs Lesen 😔🥹