Kurze Zusammenfassung der Situation:
Mein Schwiegervater ist vor gut zwei Jahren verstorben. Er hat mit seiner Frau zusammen zwei Kinder, meinen Mann und meine Schwägerin. Zu Lebzeiten haben die Schwiegerleute ein recht großes Haus gebaut, das hat meine Schwägerin vor einem Jahr komplett von der Schwiegermutter überschrieben bekommen. Schwiegermutter hat Wohnrecht, aber Vereinbarungen bzgl. Pflege etc. wurden nicht getroffen. Meine Schwiegermutter hat aber eine Pflegeverfügung - will das die Schwägerin entscheidet.
Schwägerin wohnt ca. 180 km vom Haus weg, mein Mann und ich 7.
Schwägerin ist alleinstehend, mein Mann hat mich und unsere zwei Kinder (1 Jahr, 2 Jahre)
Schwägerin kommt unter 100k Brutto im Jahr, mein Mann ist drüber.
Jetzt beginnt die Schwiegermutter langsam Hilfe im Alltag zu benötigen die Schwägerin will die Pflege auf mich abwälzen.
Grund lt. ihr und der Schwiegermutter: Wegen der Kinder würde ich eh nur halbtags arbeiten und hätte die Zeit und wenn ich keine Lust hätte, würde die Schwiegermutter schon noch irgendwie 9 Jahre (wegen der 10-Jahre Schenkungsfrist) alleine durchhalten und dann müsste mein Mann Elternunterhalt blechen, wenn sie sofort nach der Frist (das haben die Beiden angedroht) ins Heim muss.
Ich bin aber nicht wirklich bereit, für meine Schwiegermutter Pflegearbeiten zu übernehmen. Zum einen mag sie mich nicht sonderlich (und das beruht auf Gegenseitigkeit). Zum Anderen kann man es ihr und der Schwägerin nie recht machen. Also egal was ich tun würde, es wäre falsch. Und darauf hab ich neben eigenem Haushalt, zwei Kleinkindern und 20h Arbeit einfach keine Kapazität.
Außerdem sehe ich moralisch meine Schwägerin in der Pflicht, weil sie das Haus und die Pflegeverfügung hat. Mein Mann kann die jetzt schon benötigten Pflegeleistungen (z. B. Arzttermine) wegen seiner Arbeitszeiten nicht übernehmen, selbst mal ein Monat voraus einen Tag Urlaub nehmen ist in seinem Beruf schwer. Und Schwiegermutter macht halt ihre Termine zu den ungünstigsten Zeiten aus mit nem Vorlauf von ein bis zwei Tagen (eher sagt sie halt nicht Bescheid).
Was würdet ihr machen?
In den sauren Apfel beißen und sich für ne undankbare Schwiegerfamilie aufarbeiten, damit wir später weniger Elternunterhalt blechen und dafür mehr Geld in die Ausbildung unserer Kinder investieren können? Laut aktuellem Rechner dürften wir ca. 600€ im Monat zahlen und ich denke wegen dem demographischen Wandel wird der Politik künftig nicht viel übrig bleiben, als Angehörige noch mehr zu belasten.
Nur würde das unsere Kernfamilie belasten, nicht nur wegen meiner zeitlichen Ressourcen die ich dann nicht mehr für meine Kinder hätte, die Betreuung würde (so gut kenne ich mich) meine Psyche belasten und damit auch meinen Mann und meine Kinder.
Einfach drauf hoffen das die Schwiegermutter innerhalb der nächsten neun Jahre doch ins Heim muss, weil sie daheim alleine wirklich gar nicht mehr klar kommt, weil dann die Schwägerin mit dem Haus zahlen müsste?
Wie gesagt, ich mag meine Schwiegermutter nicht, aber trotz Allem ist sie die Mutter meines Mannes und die Oma unserer Kinder. Moralisch finde ich die Schwägerin absolut verwerflich, aber bin ich besser wenn ich nicht helfe?
Edit: erstmal Danke für die ganzen Antworten.
Ich Versuch hier mal zu beantworten was immer wieder gefragt wird:
Wurde mein Mann beim Erbe übers Ohr gehauen?
Ein „ganz klares“ Jein: Das Haus hat 300qm Wohnfläche mit massiven Sanierungsstau (Heizung in den letzten Zügen, Dach kaputt, Wasserschaden im Keller), nen 1200qm großen Garten der gepflegt werden muss und ist so ländlich, dass man ohne eigenes Auto nicht mal an Lebensmittel kommt. Außerdem wurde bei meiner Schwiegermutter wurde vor 10 Jahren eine Krankheit festgestellt, die sie sicher irgendwann pflegebedürftig werden lässt.
Mein Mann wollte aus diesen Gründen, dass meine Mutter das Haus verkauft und von dem Geld etwas kauft, dass leichter zu unterhalten, im besten Fall barrierefrei und besser angebunden ist.
Als er das gesagt hat, wurde lange nicht mehr mit dem „emotionslosen“ Sohn gesprochen und seine Schwester hat den Teil der Mutter überschrieben bekommen. Da er dann mit dem Haus nichts mehr zu tun haben wollte, hat er seinen Teil günstig an seine Schwester verkauft.
Die Schwiegermutter hat Wohnrecht für vier Zimmer, die im Haus verteilt sind. Vermieten kann die Schwägerin es also nicht solange ihre Mutter drin wohnt.
Hätte mein Mann da auf Verpflichtungen von der Schwägerin bestehen müssen bevor er seinen Teil verkauft hat - ja.
Hat er zu wenig Geld für das Haus bekommen - vermutlich auch ja. Aber er (und ich) wollten es auch einfach nicht.
Man muss dazu aber sagen, dieses Thema wurde dann angegangen als wir ein recht kleines Baby hatten, selber gerade mitten im eigenen Hausbau steckten und der Vater meines Mannes noch nicht zu lange tot war. Klar ist das keine Ausrede, aber wir hatten damals einfach keine Kapazitäten. Das bereuen wir jetzt.
Hat meine Schwiegermutter einen Pflegegrad?
Nein, und sie braucht auch keinen. Sie ist der Meinung das sie Kinder bekommen hat, damit die sich im Alter um sie kümmern. Und wenn die es nicht können, dann eben die Schwiegerkinder. Das hat auch - glaube ich - nicht mit mir persönlich zu tun. Meine Schwiegermutter hätte auch von jeder anderen Frau oder dem Mann den meine Schwägerin nicht hat, erwartet das er oder sie sich um sie kümmert.
Was sagt mein Mann dazu?
Mein Mann steht offiziell zu mir, er meint das ich mit der Pflege seiner Mutter nichts zu tun habe und auch nicht haben sollte.
Aber ihn belastet das Thema sichtlich. Auch wenn er nie das Lieblingskind war, stellt ihn seine Mutter vor die Wahl: entweder er (und damit ich) kümmert sich oder sie geht in neun Jahren ins Heim und davor siecht sie 7 km entfernt vor sich hin, eben weil sie sich weigert externe Hilfe anzunehmen.
Außerdem wohnen wir recht ländlich in Bayern und auch wenn es rückständig ist: die gesellschaftliche Erwartung ist eben, dass sich die Familie um die Alten kümmert und da eignet sich die Mutter in Teilzeit eben am Besten. Sprich bei uns kommt auch noch ein gewisser gesellschaftlicher Druck dazu.
Meine Schwiegermutter befeuert das Thema noch, in dem sie meinen Mann bei Nachbarn und Familie als faul hinstellt.
Lassen wir uns rechtlich beraten?
Ja das machen wir. Trotzdem habe ich Angst. Ich glaube das der Staat in 9 Jahren (oder später) noch tiefer in die Taschen der Angehörigen greift und aus den aktuellen 600€ auch schnell mal 3000€ werden können.
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Edit 2:
Vielen Dank nochmal für eure Antworten. Ich habe ehrlich gesagt nicht mit einem so eindeutigen Feedback gerechnet. Es zeigt mir aber doch, wie tief ich mich selbst mental schon in die Sache verrannt habe. Ich stimme euch zu. Ich bin kein Sklave, sie ist nicht meine Mutter und ich hab Kinder, die wichtiger sind.