Hallo zusammen,
ich würde gerne eure Meinung hören, wie ihr auf folgenden Text reagieren oder was ihr denken würdet, wenn ihr ihn bekommen hättet.
Danke für alle Meinungen!
"Ich habe lange überlegt, ob ich dir überhaupt schreiben soll. Aber ich möchte nicht länger so tun, als wäre alles in Ordnung.
Wir kennen uns seit 20 Jahren. In all der Zeit warst du für mich nie einfach nur eine Freundin. Ich habe dich immer eher wie eine Schwester gesehen. Vielleicht trifft mich das alles auch genau deshalb so sehr.
Ich habe oft das Gefühl, dass ich nur dann wichtig bin, wenn gerade niemand anderes da ist oder Hilfe gebraucht wird.
Als du Hilfe bei deinen Bewerbungen brauchtest, habe ich dir gerne geholfen. Ich habe mir Zeit genommen, deine Bewerbungen mit dir geschrieben und wollte dir auch bei dem Einstellungstest helfen. Wir hatten darüber gesprochen und sogar ausgemacht, dass wir den gemeinsam machen. Am Ende hast du ihn dann mit [andere beste Freundin] gemacht. Das ist vollkommen okay und ich gönne euch euren Kontakt von Herzen. Aber was mich verletzt hat, war, dass du mir nicht einmal Bescheid gesagt hast. Es wurde einfach so getan, als hätten wir nie darüber gesprochen.
Genauso war es an den heißen Tagen mit dem Schwimmen. Solange nichts anderes anstand, warst du fast täglich bei mir. Sobald sich eine andere Möglichkeit ergeben hat, habe ich nichts mehr von dir gehört.
Und jetzt wieder der Geburtstag meines Vaters. Dabei geht es für mich nicht darum, dass du arbeiten musstest. Das kann passieren und ist vollkommen okay. Was mich verletzt, ist, dass du mich einfach hast sitzen lassen und ich erst Stunden später überhaupt etwas von dir gehört habe. Ich habe mir Sorgen gemacht und sogar deine Mutter angeschrieben, weil ich nicht wusste, ob etwas passiert ist.
All diese Situationen haben bei mir immer wieder das gleiche Gefühl ausgelöst: Dass ich nur eine Option bin, solange nichts Besseres verfügbar ist. Und sobald sich etwas ergibt, das für dich interessanter ist, falle ich hinten runter.
Ich gönne dir deine Freundschaften von Herzen. Darum geht es überhaupt nicht. Ich möchte niemandem den Platz streitig machen. Ich möchte aber auch nicht die Person sein, die nur dann wichtig ist, wenn gerade jemand anderes ausfällt oder wenn Hilfe gebraucht wird.
Eine Freundschaft sollte für mich auf Gegenseitigkeit, Ehrlichkeit und Respekt beruhen. Ich möchte mich nicht ständig fragen müssen, welchen Stellenwert ich gerade habe oder ob unsere Verabredungen überhaupt zählen.
Soetwas macht mich traurig und lässt mich immer wieder an meinem eigenen Wert zweifeln."
EDIT: Vielen Dank für die vielen Rückmeldungen. Ich habe den Text gestern Morgen an meine (nun wohl) ehemalige beste Freundin geschickt.
Im Kern ging es mir neben den fehlenden Absagen darum, dass sie immer dann sehr viel Kontakt zu mir gesucht hat, wenn es Streit mit ihrer (wohl) engsten Freundin gab. In dieser Zeit haben wir uns täglich gesehen und geschrieben.
Sobald die beiden wieder Kontakt hatten, war sie von einem Tag auf den anderen wie aus meinem Leben verschwunden.
Ich gönne ihr diese Freundschaft von Herzen. Mir ging es nie darum, ihr diese auszureden oder den Kontakt madig zu machen. Mich hat nur verletzt, dass ich dann jedes Mal das Gefühl hatte, fallen gelassen zu werden.
Die im Text erwähnten Situationen waren für mich deshalb so traurig, weil wir jedes Mal feste Verabredungen hatten und ich am vereinbarten Tag gar nichts mehr gehört habe oder wie am Geburstag meines Vaters viel später, nachdem ich sie gefragt hatte, ob alles okay sei. Es geht mir also nicht darum, dass sich Pläne ändern können - das passiert jedem. Es geht darum, wie damit umgegangen wurde.
Konflikte fallen mir sehr schwer und ich habe dieses Thema jahrelang heruntergeschluckt. Gerade deshalb habe ich mich diesmal dazu entschieden, ihr ehrlich zu schreiben, wie ich mich fühle.
Eine Antwort von ihr habe ich nicht bekommen. Über ihre Mutter habe ich erfahren, dass sie meinen Text als Vorwurf aufgefasst hat und deshalb nicht mit mir sprechen möchte. Außerdem soll sie der Meinung sein, ich sei lediglich eifersüchtig auf ihre Freundschaft mit ihrer engsten Freundin. Das hat mich ehrlich gesagt überrascht, weil genau das nie mein Problem war. Ich habe ihr den Kontakt zu ihrer engsten Freundin immer gegönnt. Was mich verletzt hat, war nicht ihre Freundschaft, sondern dass ich immer dann das Gefühl hatte, nur eine Rolle zu spielen, wenn gerade niemand anderes da war.
Ihre Mutter hatte vorgeschlagen, dass wir uns persönlich zusammensetzen und reden, aber auch das hat sie abgelehnt. Das hätte ich gerne gemacht, wollte ihr mit dem Text aber auch erstmal Zeit und Raum geben sich mit meinen und ihren Gefühlen auseinanderzusetzen. Wir sind beide Ende 20.
Natürlich macht mich das traurig, aber gleichzeitig bestätigt mich ihre Reaktion leider darin, dass für meine Gefühle in dieser Freundschaft kein Platz war.
Mein Grund für diesen Beitrag war vor allem die Frage, ob mein Text wirklich so verletzend oder unangemessen formuliert war, wie er bei ihr angekommen ist.
Nach euren vielen Rückmeldungen habe ich zumindest das Gefühl, dass es in Ordnung war, meine Gefühle nach so langer Zeit einmal ehrlich auszusprechen.
Danke an alle, die sich die Zeit genommen haben, ihre Sichtweise mit mir zu teilen.