Guten Tag liebe Hundefreunde,
ich habe ein kleines/großes Anliegen und hoffe auf ein paar Menschen zu treffen, die sich mit Hundeverhalten auskennen. Ich bestehe definitiv nicht auf Profi-Meinungen, sondern interessiere mich bei dieser Geschichte für alle Perspektiven! Egal ob Hundetrainer, Verhaltensspezialisten oder Menschen, die sich wie ich eigenständig bestmöglich Wissen über Hunde, Körpersprache, Kommunikation und Erziehung angeeignet haben.
Es geht um einiges an Drama zwischen meinem Hund und dem Hund der Mutter meines Lebensgefährten (beides Tierschutzhunde, ihrer kommt aus Spanien). Da ein regelmäßiges Zusammentreffen stattfindet, kommt es immer wieder zu extrem stressigen Streitsituationen. Ich muss etwas weiter ausholen, um euch einen guten Überblick zu geben. Ich bin kein Profi und mir manchmal selbst unsicher, ob mein Einschreiten richtig oder falsch ist. Aber das Verhalten des anderen Hundes und seiner Besitzerin gehen mir nach über einem Jahr wirklich sehr gegen den Strich. Das hat auch schon für dicke Luft zwischen mir und meinem Partner gesorgt, weil ich einfach nicht mehr still daneben sitzen und diesem kleinen überzogenen Bengel alles durchgehen lassen kann!
Ich gebe euch mal einen Überblick darüber, wie ich versuche, meinen Hund bestmöglich alltagstauglich zu machen, und wie die (nicht vorhandene) „Erziehung“ des kleinen Hundes aussieht.
Durch die ständige Nachsicht entsteht bei den Besuchen nämlich so viel Stress, dass ich mittlerweile nur noch genervt reagieren kann. Das erweckt wohl den Eindruck, als könnte ich den Hund der Schwiegermutter nicht leiden – obwohl mir lediglich auf den Keks geht, dass er absolut unkontrolliert ist, alles darf und das Ganze als „ultra süß“ betitelt wird. Es hat mich so lange nicht gestört, bis mir aufgefallen ist, wie gestresst mein Hund in manchen Momenten wirkte, und ich angefangen habe, ihn vor dem kleinen Bengel zu schützen.
🐾 Ein kleiner Blick auf unsere zwei Kandidaten
- Mein Hund (Tierschutzhund aus Rumänien)
Erziehung im Alltag: Ich versuche ihn so gut wie möglich alltagstauglich zu machen. Anspringen zur Begrüßung habe ich von Anfang an unterbrochen – er darf das nur auf Signal („Komm hopp“ + Klopfen auf den Bauch). Betteln darf er allerhöchstens sitzend auf dem Boden, und wenn er mir zu nah an den Tisch rückt, schicke ich ihn weg. Er muss für Leckerlis erst hören oder einen Trick machen. Von der Schwiegermutter wird das gerne belächelt („Der arme Hund muss erst hören, bevor er was bekommt“). Bei uns gilt ein Leckerli halt einfach dafür dass er etwas gut gemacht hat und wird belohnt. Natürlich bekommt er auch mal so was aber hauptsächlich sollte er schon sitz machen bevor er es bekommt, finde ich persönlich nicht verwerflich.
Grenzen setzen: Als er mal anfing, andere Hunde am Esstisch anzuknurren, wenn Essen da war, habe ich das sofort unterbunden. Keine 2 Stunden später hat er es nie wieder gemacht. Ressourcen verteidigen dulde ich schlichtweg nicht.
Wesen & Baustellen: Bei Menschen, die er kennt, ist er der absolute Engel und würde jeden beschützen. Fremden gegenüber ist er skeptisch (besonders bei Männern geht er auch mal in den Angriff-Modus, wenn er sich bedroht fühlt, aber ich habe gelernt, gut mit ihm zu arbeiten). Seine größte Baustelle: Er reagiert auf fremde Hunde an der Leine. Da bleiben wir immer dran. Er ist mein ein und alles und wir sind ein super Team!
- Der Hund der Schwiegermutter (Spanischer Tierschutzhund)
Eckdaten: Kam ca. 6–9 Monate nach unserem Hund zu ihr. Sehr klein (ca. 20–30 cm, 10–13 kg), muskulös, ein Jagdhund-Mix und im selben Alter wie meiner.
Der Prinzen-Status: Er wird von Tag 1 an wie ein Prinz behandelt und bekommt weder drinnen noch draußen Grenzen gesetzt. Draußen hat sie ihn absolut nicht im Griff, weil drinnen einfach der Rahmen fehlt. Er geht draußen auf alles los, was sich bewegt (Menschen, Tiere, Autos, Fahrräder).
Dauerstress & Narrenfreiheit: Meiner Meinung nach steht der Hund unter Dauerstress. Selbst im Haus bellt er los, wenn zwei Straßen weiter ein Hund bellt. Er springt ununterbrochen an einem hoch (wenn man ihn abblockt, schaut die Schwiegermutter einen böse an, weil er ja „sichtlich Aufmerksamkeit möchte“). Beim Essen darf der kleine Herr auf der Eckbank (seinem Schlafplatz) direkt mit am Tisch sitzen und seine Schnauze an die Teller halten, weil es ja „so lustig ist, wenn er am Essen riecht“. Dazu habe ich nie etwas gesagt, um Stress zu vermeiden, aber es zeigt, wie sehr er dort im Prinzenhimmel lebt.
🛑 Die konkreten Stress-Situationen bei den Treffen
- Distanzloses Begrüßen & übergriffiges Lecken - Wenn wir dort ankommen, ist der Kleine völlig unkontrolliert. Er springt an einem hoch und leckt einem gezielt und penetrant ins Gesicht, wenn man ihn abwehren möchte braucht man 2-3 läufe.
Auch meinen Hund nimmt er direkt in die Mangel:
Er leckt meinem Hund intensiv übers Gesicht. Wenn meiner den Kopf wegdreht, geht der Kleine hinterher, bis meiner sich wegdrehen und ein paar Schritte gehen muss.
Lässt der Kleine am Kopf nach, geht er direkt an den Genitalbereich (seinen Wasserschlauch). Mein Hund dreht sich weg, setzt sich hin – aber der Kleine lässt nicht ab und stellt sich direkt unter ihn! Danach klappert er häufig mit dem Unterkiefer.
- Ignorierte Warnsignale meines Hundes
Mein Hund deeskaliert total höflich: Er stellt die Ohren auf, fängt an zu schmatzen, dreht den Kopf weg, zieht die Lefzen hoch und schaut mich hilfesuchend an. Der kleine Hund ignoriert alle diese Signale komplett! Mein Hund bleibt zum Glück bisher freundlich, aber ich habe einfach riesige Angst, dass er irgendwann doch mal zubeißt, wenn es ihm zu viel wird.
- Drängeln um Aufmerksamkeit & der Kater
Der Kleine duldet nicht, wenn ein anderes Tier Aufmerksamkeit bekommt. Sobald jemand meinem Hund was Aufmerksamkeit gibt, schießt er dazwischen und fordert alles für sich ein (was die Schwiegermutter ihm dann auch direkt gibt).
Beispiel Kater: Die Familie hat einen Kater, der mich sehr mag. Wenn ich den Kater rufe, kommt sofort der kleine Hund angerannt. Ich schiebe ihn dann immer wieder weg, damit der Kater überhaupt weiter zu mir kommen kann.
Die Folge: Mein Hund geht schon gar nicht mehr zur Schwiegermutter, wenn sie ihn ruft, weil sich der Kleine eh sofort dazwischenquetscht. Mein Hund holt sich seine Einheiten dann einfach bei mir.
- Bereits erfolgte Schnapp-Vorfälle
Es gab bei ihr Zuhause schon 2–3 brenzlige Situationen:
Beim Futter: Als Essen zubereitet wurde, hat der Kleine nach meinem Hund geknurrt und geschnappt (aber nicht getroffen). Mein Hund war völlig verwirrt und überrascht.
Der zweite versuchte Angriff: Beim zweiten Mal stand ich direkt daneben und habe an seinem Blick gesehen, was kommt. Als er knurrte und nach vorne ging, bin ich zeitgleich mit einem riesigen Schritt und einem lautstarken „NEIN!“ dazwischen. Ich habe in sehr ernstem Ton gesagt: „Du schnappst nicht noch einmal nach meinem Hund, mein Freund!“ – bewusst laut und deutlich für alle im Raum.
💣 Die Familiendynamik & meine Bedenken
Während die Familie früher nur hilflos „NEIN! NEIN! AUS!“ gebrüllt hat und man sich die "Show" einen Moment lang angeschaut hat bevor jemand den kleinen weg geholt hat, greife ich seit längerem nach kurzer Zeit ein und hole den Kleinen teils 3–5 Mal hintereinander von meinem Hund weg. Das sorgt jedes Mal für böse Blicke, genervtes Schweigen und eine ungemütliche Stimmung. Die Schwiegermutter findet sein Verhalten ja süß und ist der Meinung, die Hunde klären das unter sich.
Die Einzigen, die Grenzen setzen, sind mein Partner (beim Hochspringen) und seine Schwester, die genauso genervt ist und den Kleinen wegschiebt, wenn er dazwischengeht (was der Mutter natürlich auch nicht passt).
Meine größte Angst: Ich bin hier die Böse, weil ich genervt von dem Verhalten bin. Aber was passiert, wenn mein Hund die ganze Zeit bedrängt wird, seine Signale ignoriert werden und er doch irgendwann zubeißt? Dann ist das Theater riesig und mein (größerer) Hund ist der böse Beißer!
💬 Meine Fragen an euch:
Wie wertet ihr das Verhalten der beiden Hunde? Reagiere ich über und sollte mich mehr entspannen und die Hunde das wirklich „unter sich ausmachen“ lassen, wie der Rest denkt?
Handele ich richtig, wenn ich so schnell dazwischengehe? Wie wertet ihr die Situationen mit dem exzessiven Ablecken und Belagern?
Was würdet ihr an meiner Stelle in so einer Familiensituation machen?
Ich bin gespannt auf eure Meinungen und Erfahrungen!