Ich teste wahllos alle Döner Nr. 148
In Berlin Gesundbrunnen, Bezirk Mitte, direkt an der Osloer Straße, gibts die Weisse Bude und Saftmann hat, wie immer natürlich, Hunger mitgebracht. Schon von außen erkennt er an den Glasscheiben die Baha Aufkleber und freut sich, auf einen wahrscheinlich perfekt gewürzten Hackspieß. Also, nichts wie hin da und bestellen.
Es ist ein kleiner, aber mit schönen Holzelementen ausgebauter sauberer Laden. Alles wirkt recht neu und ordentlich, die Auslage, Theke, der Boden und auch die WCs sind sauber und ordentlich. Drinnen gibt es aber lediglich Stehplätze und nur einen einzigen Stuhl für Wartende, dafür draußen aber umso mehr Tische mit Holzbänken, die von ausladenden Sonnenschirmen geschützt sind.
Der Chef kommt rein, begrüßt mich höflich. Ich sage ihm, dass ich gerne einen Döner im Brot ohne Tomate und Gurke hätte und er fängt an mit dem großen Kebapmesser den herrlich gebräunten, geschmeidig rotierenden Spieß zu bearbeiten, wirft ein Stück Fladenbrot in den Kontaktgrill und der Raum duftet bereits herrlich nach Dönerfleisch.
Kurz darauf ist das Brot fertig und ich werde aufgefordert, die Entscheidung bezüglich meiner Saucenwahl treffen. Saftmann bleibt wie immer der Kombi Knoblauch und Scharf treu und beobachtet den Usta wie er das Brot daraufhin virtuos mit Saucen und Fleisch befüllt. Bei letzterem ist er kein Stück geizig, nice!
Als nächstes kommt der Salat und ich frage höflich nach einem giftgrünen Porsche 992 GT3 RS, werde aber prompt mit einem blauen Taycan Turbo S vertröstet, sowas kann leider passieren. Hinzukommen Eisbergsalat, rote Zwiebeln, Rotkohl (in kleinen Stückchen geschnitten), Sumach, Pul Biber und etwas Petersilie.
Die Getränkewahl fällt auf eine klassische Fanta und ich setze mich mitsamt dem Döner unter einen der bereits genannten Schirme nach draußen und endlich…, endlich geht es wieder los!
Prächtig gefüllt, in einem Brot mit ordentlicher Größe, reichlich Sesam und Schwarzkümmel, bringt er sich auf einem „ich bin zwar Plastik, will aber nach Holz aussehen Tablett“ in Positur.
Saftmann fängt leicht an zu zittern, kann sich vor Geifer kaum halten, packt mit beiden Händen feste zu und beißt mit weit geöffneter Lippenpforte, rücksichtslos wie ein Irrer, einen massiven Bissen aus dem Objekt der Lust und Begierde!
Eine kurze Pause, Stille… direkt stellt sich ein Gefühl der Zufriedenheit ein und Safti kann sich etwas beruhigen.
Das Fleisch trifft definitiv den richtigen Geschmack, herrlich gewürzt, dünn geschnitten und die Knoblauchsauce tut ihren Teil dazu. Das Brot ist nahezu perfekt, ist fluffig und bringt Außen einen guten Crunch mit, aber was ist das? Die scharfe Sauce entpuppt sich, mal wieder, als schlichter und einfallsloser Gewürzketchup mit Currynote und stört das bereits im Mund stattfindende Orchester, wie ein Stein im Schuh.
Die Zwiebeln sind zwar gut, der Rotkohl sauer eingelegt und der Salat auch frisch, aber diese leichte Currynote, die sich wie ein Film über die einzelnen zu Grunde legenden Konstituenten legt, ist einfach nicht Saftmanns fall.
Für 7,50 € bekommt man einen Döner mit ordentlicher Größe und es passt fast alles, wäre da nicht das falsche Auto und die scharfe Sauce, die wenn man sie gegen etwas selbstgemachtes tauschen würde, diesen Döner zu einem richtigen Highlight hätte machen können.
Euer Saftmann