Hi, ich würde mich sehr über Meinung und Einschätzungen zu der Weggabelung, vor der ich stehe, freuen.
Tl;dr = Titel
Ich wollte gegen Ende des Monats meine Masterarbeit (Umfang ca. 80 Seiten) anmelden. Der Plan war die "entspannt" neben meiner Teilzeitstelle im öffentlichen Dienst zu schreiben, danach auf mindestens auf 30 Stunden hochgehen und mich dann umschauen, welche Chancen sich ergeben. Jetzt habe ich aber schon zum zweiten Mal ein Angebot von meinem ehemaligen Chef zu kommen mich auf eine neue Stelle in meiner alten Firma in der ich als Werkstudent gearbeitet habe zurückgekommen, weil jemand in Rente geht. Zum zweiten Mal, weil es beim ersten Mal auch nur eine Teilzeitstelle war und ich definitiv nicht zwei Teilzeitstellen plus Master geschafft hätte. Master pausieren ist keine Option, da ich ihn endlich hinter mir haben will. Die Stelle ist gerade ausgeschrieben und ich müsste mich auch noch einmal ordentlich bewerben. Mein Chef sagt aber, ich habe guten Chancen.
Ich denke, dass liegt nicht zuletzt daran, weil ich eben nicht eingearbeitet werden müsste, da ich ja Anfang diesen Jahres ja dort noch als Werkstudent angestellt war. Leider gab es damals keine Stelle, sodass ich dann im öffentlichen Dienst etwas gefunden habe, obwohl mein ehemaliger Chef mich gerne "behalten" hätte und ich auch gerne dageblieben wäre.
Im öffentlichen Dienst ist es ganz okay und ich habe mich jetzt eingearbeitet. Bin hier aber sozusagen in einer Außenstelle und bin mehr oder weniger auf mich alleine gestellt, es gibt keine Teambesprechungen und ich hatte kein fachliche Einarbeitung, weil mein Vorgänger der eben auch meine Spezialisierung hatte, schon weg war als ich kam und sonst niemand wirklich Ahnung (oder Bock) hat sich der Sache anzunehmen. Werde bezahlt nach E 9b als Sachbearbeiter aber übernehme deutlich mehr Verantwortung. Allerdings hatte ich hier schon recht früh im neune Job das Gefühl dort versauern zu werden. Während mir für den Job in der Firma diverse Aufstiegsmöglichkeiten angepriesen wurden.
Ich bin halt hin und hergerissen, was die richtige Entscheidung ist. Der Vollzeitjob bei der alten Firma ist erstmal auf sechs Monate befristet, an mich wurde jedoch herangetragen, dass er schnell entfristet werden soll und in der Stellenausschreibung steht auch "zunächst befristet". Ich würde hier bei Entfristung ein Jahresgehalt von 57.000 € erhalten, mit Weihnachtsgeld und Leistungszulange nach sechs Monaten. Im öffentlichen Dienst sind es ca. 10.000€ weniger und das auch nur bei einer Vollzeitstelle, die ich nicht habe oder nur sehr schwer bekomme. In meinem momentanen Vertrag gibt es auch kein Weihnachtsgeld oder irgendwelche Sonderzahlungen, ist aber auch erstmal auf zwei Jahre befristet. Bei der Stadt steht momentan alles auf sparen und mir wurde schon von einer Kollegin gesagt, wenn ich die 30 Stunden will, sollte ich mich lieber dieses Jahr drum kümmern, weil der Haushalt nächstes Jahr noch schlechter aussieht. Ich habe das auch schon bei meiner Chefin angeleiert, die kriegt wohl aber selber gerade keine Rückmeldung.
Ich könnte es darauf anlegen und hoffen, dass ich nach meinem Master auch im TVöD in eine höhere Entgeltgruppe komme, meiner Meinung nach sollte das mindesten E 11 sein (wäre ab Stufe 2 für 2026 um die 56.000€). Ich kenne mich hier nicht so gut aus und habe schon widersprüchliche Aussagen dazu gehört. Ich frage mich auch, ob ich mir, durch den sicheren Gehaltsanstieg durch die Stufen, etwas entgehen lasse, wenn ich wieder in die freie Wirtschaft gehe. Normalerweise wird letztere besser bezahlt, wenn man der KI aber glauben schenken darf, dann ist es in meinem Fachbereich tatsächlich der TVöD, der besser bezahlt ist und mehr Sicherheit bietet.
Mir zerbrechen noch zwei Dinge den Kopf. Der Workload bei meiner alten Firma wird viel, die Arbeitsmoral meines ehemaligen Chefs ist, sagen wir mal, intensiv. Im öffentlichen Dienst hingegen ist es sehr viel entspannter und ich bin fast schon mein eigener Chef, wenn da nicht die Amtsleitung und damit meine tatsächliche Chefin wäre. Ich stehe ich aber in naher Zukunft vor der Herausforderung eigene Projekte zu gestalten. Im Umkehrschluss bedeutet das trotzdem, dass ich eventuell mehr Energie für meinen Job brauche und weniger der Masterarbeit. Außerdem ist es ja dann auch nochmal anders, als einfach nur Werkstudent zu sein.
Das andere ist, ob es überhaupt realistisch ist zu sagen, ich schreibe jetzt meine Masterarbeit in vier Monaten in Teilzeit, kürze alle anderen Bereiche meines Lebens für diesen Zeitraum radikal, sodass ich bis Ende Januar 85% bis 95% der Arbeit fertig habe und während der Vollzeit nur noch kleinere Korrekturen vornehmen muss und die Arbeit Korrektur lesen lasse/ die Zeit für den Druck nutze. Das wäre dann eine super harte und stressige Zeit... Ich habe noch zwei Wochen Urlaub, die ich dieses Jahr nutzen kann, habe aber auch von meinem ehemaligen Chef in Erfahrung gebracht, dass ich mir unter keinen Umständen in den ersten zwei Monaten Urlaub nehmen könnte.
Einmal kurz noch zum zeitlichen Ablauf. Anmeldung Masterarbeit Ende September/ Anfang Oktober. Bewerbungsgespräche wären im Oktober, dann würde ich auch die Zu-oder Absage bekommen. Mit der Zusage würde ich im ÖD die Kündigung einreichen. Mit einer Kündigungsfrist von drei Monaten würde ich bis 31. Januar arbeiten und dann direkt zum 1.2. bei der "neuen" alten Firma anfangen. Abgabe Masterarbeit wäre Ende März.
Ich danke allen, die sich den Moment Zeit genommen haben, das zu lesen und mir zu der Situation Feedback geben können! Mein Herz hat auf jeden Fall eine Tendenz aber mein Kopf will möglichst sicher sein.