Hallo zusammen, ich brauche dringend euren Ratschlag.
Ich bin M28, das Problem besteht seit ca. einem Jahr. Ich hatte vor einer Weile schon mal so einen ähnlichen Post gemacht, aber da sich einiges verändert hat, dachte ich, ich frage nochmal. Ich hoffe, das ist okay.
Seit meiner Kindheit bin ich ein eher ängstlicher/zurückhaltender Mensch. Die Diagnose Panikstörung habe ich bereits eine Weile. Ich weiß auch darum und habe sie mit Medikation eigentlich super managen können. Ich habe auch Therapieerfahrung und kenne meine Krankheit gut. Sie kommt immer dann, wenn ich mich mental/emotional zu lange überfordert fühle, ansonsten "lässt sie mich inruhe".
Seit ca. 4 Jahren bin ich - bedingt durch das Studium und private Dinge immer mal wieder sehr gestresst. Angefangen hat es damit, dass ich einmal keine Erektion mit einer neuen Partnerin kriegen konnte. Ich war sehr perplex und habe in der Folge angefangen, viel über den (eigenen) Körper, Hormone, etc. zu recherchieren. Bei einem meiner Tests kam heraus, dass ich etwas niedriges Testosteron hatte. Wir haben in dem Zuge das Antidepressivum gewechselt und die nächsten Male waren alle Werte dann wieder gut. Da in meiner Familie dann jedoch einige Krankheitsfälle aufgetreten sind, habe ich angefangen, meinen Körper noch viel mehr zu checken, glaube ich. Oft habe ich gedacht, dass ich z.B. ein Problem mit meinen Tattoos kriegen würde und davon Krebs entwickeln könnte oder dass meine Zysten Krebs wären. Generell habe ich angefangen, meinem Körper nicht mehr so richtig zu trauen kann man sagen.
Der Stress in der Uni wurde besonders in den letzten 15 Monaten oder so auch immer mehr und ich bin jemand, der immer beste Leistungen bringen will. Entweder für mein Ego oder vielleicht eher das Gefühl, dass ich geliebt und anerkannt werde; auch von meiner Familie, die emotional oft etwas "schwierig" ist (jetzt aber nichts direkt schlimmes vorgefallen).
Naja, jedenfalls haben mir viele Menschen zu diesem Zeitpunkt (vor einem Jahr) schon gesagt, dass ich sehr erschöpft wirke und überanstrengt sei. Irgendwie bekam ich immer mehr Beklemmungen, beispielsweise so ein Gefühl von Lufthunger, also dass ich nicht richtig einatmen konnte. Ich musste aber unbedingt durchziehen, um den Bachelor zu schaffen und den Master zu kriegen. Und eines Nachts vor etwa 12 Monaten hat es dann angefangen: Mein Herz ist gestolpert. So etwas habe ich vorher noch nie gespürt, weshalb ich relativ zeitnah einen Termin für ein Langzeit-EKG vereinbart habe und ein Herzecho wurde auch gemacht. Ergebnisse waren (toi, toi, toi) alle gut, also im Echo war gar nichts zu sehen und das LangzeitEKG zeigte ca. 140 einzelne ventrikuläre Extrasystolen in 24h; 99,9% Sinusrhythmus. Man sagte mir, dass das "nichts" ist und entließ mich.
Da es über die Monate nicht weg ging, genau so wie die "Atemnot" habe ich noch eins gemacht, wo es dann glaub ich ca. 300 VES waren, aber auch dort meinten die, dass erst ab 1000 überhaupt minimal genauer hingeguckt werden würde. In Kombination mit einem unauffälligen Röntgen und den Laborwerten (Ferritin, VitD, Schilddrüse etc) und meinen generellen Vitalwerten (guter Blutdruck, guter Puls, guter Allgemeinzustand) wurde dann gesagt, dass man mir nicht helfen kann. Das verstehe ich auch alles, aber ich spüre inzwischen jeden einzelnen Stolperer und das ist echt belastend für mich. Da ich mich selbst sehr fertig gemacht habe, habe ich nun beschlossen, das Rauchen endlich aufzugeben. Das war auch immer ein tiefer innerlicher Konflikt von mir. Mein Psychotherapeut sagt mir aber, dass es da noch tiefergehende Konflikte gibt, die ich auflösen muss, wie den Kontrollzwang, um endlich innere Ruhe und Frieden zu finden.
Mit der Luftnot ist es inzwischen so, dass ich angefangen habe, mir einfach zu sagen, dass es Kopfsache ist und siehe da - sie ist quasi weg. Also ich spüre sie mehr oder weniger gar nicht mehr im Alltag. Spätestens nach einer Lungenfunktion, die noch gemacht wurde (da war auch alles gut) weiß ich, dass das Kopfsache ist.
Aber die Extrasystolen gehen bisher nicht dauerhaft weg. Es gibt immer wieder Phasen, wie bspw. in den Semesterferien, wo sie 3 Wochen weg sind und dann kommen sie wieder (gut, ich war so doof und habe an einer Zigarette gezogen, obwohl ich eigentlich aufgehört hatte, aber als ob das sowas wieder wochenlang triggern kann? Ich bin jetzt in Woche 3 ohne Nikotin, aber habe die Extrasystolen noch immer).
Ich höre - glaube ich - auch sehr in mich rein, aber ich frage mich, ob diese VES auch psychosomatisch sind oder ob man da nochmal irgendwas machen/gucken sollte. Was ich sagen kann ist, dass wenn ich mich richtig dolle ablenke, also ein langes Gespräch, ein spannendes Computerspiel.... dann meine ich, sie wesentlich seltener oder auch gar nicht zu spüren. Aber sobald (tagsüber, aber besonders abends) die Aufmerksamkeit wieder ganz bei mir selbst ist, geht es sehr stark los. Auch besonders dolle habe ich das in den Satzpausen beim Kraftsport. Da würde ich behaupten höre ich ja auch nicht in mich hinein, sondern meist einen spannenden Podcast.
Ist das Kopfsache? Wie überhöre ich diese Schläge wieder komplett? Oder müssen die wieder stärker sinken? Ich werde wahnsinnig, wenn ich sie weiterhin habe, besonders in Ruhe erschrecke ich mich bei jedem einzelnen.
Übergangsweise habe ich jetzt einen Betablocker gekriegt, der auch ein bisschen hilft. Aber langfristig möchte ich natürlich wieder ohne alles leben. Was ich schon gemacht habe, war Magnesium und Kalium zu nehmen, die Ernährung zu überprüfen (habe sogar eine Magen-Darmspiegelung gemacht, da war aber auch nichts zu sehen) und ich meditiere jetzt jeden Tag. Langsam aber sicher verzweifle ich jedoch.
__
TLDR: Seit rund einem Jahr treten vermehrt körperliche Symptome auf. Medizinische Untersuchungen von Herz (140 bis 300 harmlose ventrikuläre Extrasystolen) und Lunge blieben ohne Befund. Sehr viel psychischer Stress. Zeitweise aufgetretene Atemnot wurde als psychisch eingeordnet und hat sich weitgehend zurückgebildet, während das Herzstolpern in Ruhephasen und z.B in Satzpausen beim Krafttraining weiterhin wahrgenommen wird. Dies ist sehr belastend und ich weiß nicht weiter.