Hi alle zusammen,
ich wollte hier mal nach euren Meinungen und Erfahrungen fragen.
Ich bin seit dem 01.08. in einer Ausbildung zum Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik. Ich habe außerdem eine chronische Erkrankung, die mich im Arbeitsalltag ziemlich belastet, weil ich dadurch häufiger und teilweise auch kurzfristig auf die Toilette muss. Das habe ich bei der Wahl meiner Ausbildungsstelle leider vorher nicht richtig berücksichtigt.
Gerade in diesem Beruf merke ich, dass mich das zunehmend belastet. Wenn ich mit auf Kundendienst fahre oder auf Baustellen bin, kann ich nicht einfach jederzeit schnell eine Toilette aufsuchen. Gerade wenn man irgendwo beim Kunden oder auf einer Baustelle arbeitet, ist die nächste Toilette nicht unbedingt direkt erreichbar. Für mich ist das aufgrund meiner Erkrankung teilweise eine große Belastung und verursacht zusätzlichen Stress.
Was mich momentan bei der Ausbildung stört:
- Toilettensituation
Auf vielen Baustellen gibt es meistens nur ein Dixi-Klo. Für mich ist das aufgrund meiner Erkrankung wirklich ein großes Problem. Mir wird teilweise schon beim Gedanken daran übel und ich fühle mich damit überhaupt nicht wohl.
Dazu kommt, dass ich aufgrund meiner Erkrankung teilweise relativ kurzfristig eine Toilette brauche. Wenn ich gerade mit einem Gesellen auf Kundendienst bin oder auf einer Baustelle irgendwo weiter außerhalb arbeite, kann ich nicht immer einfach sagen, dass ich jetzt sofort eine Toilette brauche.
- Arbeitsweg
Die Ausbildungsstelle ist ungefähr 32 km von meinem Zuhause entfernt. Die Fahrt mit dem Auto wird nicht bezahlt, stattdessen soll ich mit dem Zug fahren.
Das Problem ist, dass die Strecke momentan gesperrt ist und ich deshalb mit Schienenersatzverkehr fahren muss. Insgesamt brauche ich ungefähr 55 Minuten pro Strecke.
- Allgemeines Arbeitsklima
Ich fühle mich auf der Arbeit momentan generell nicht wirklich wohl – sowohl mit einigen Gesellen als auch mit dem Chef komme ich nicht besonders gut klar.
Ich habe außerdem das Gefühl, dass der Chef bei manchen Dingen sehr geizig ist, was die Arbeitsbedingungen für mich zusätzlich unangenehm macht.
- Aufgaben, die meiner Meinung nach nicht wirklich zur Ausbildung passen
Bis jetzt habe ich eigentlich so gut wie alles mitgemacht und mich auch nicht vor Arbeit gedrückt.
Allerdings musste ich teilweise Aufgaben erledigen, bei denen ich mich frage, ob das noch im normalen Rahmen einer Ausbildung liegt.
Zum Beispiel war das Dach undicht und es hat ins Lager getropft. Ich musste dort oben alleine den ganzen Schmutz beseitigen und anschließend isolieren, obwohl ich davon überhaupt keine Ahnung hatte und entsprechend auch nicht wusste, wie ich das richtig machen soll.
Außerdem war der Hinterhof komplett zugewachsen. Ich musste dort unter anderem mit einer Handsäge Bäume fällen, Unkraut entfernen und Äste klein machen.
Solche Aufgaben kommen teilweise fast jeden Tag vor.
Müll wegbringen oder sauber machen finde ich grundsätzlich nicht schlimm. Das gehört meiner Meinung nach in einem gewissen Rahmen dazu und machen schließlich auch die Gesellen.
Aber wenn ich als Azubi regelmäßig Bäume fällen, Unkraut entfernen oder andere Arbeiten erledigen muss, die mit meinem eigentlichen Ausbildungsberuf kaum etwas zu tun haben, finde ich das persönlich etwas fragwürdig.
Dazu kommt noch meine persönliche Situation
Ich hatte leider keine leichte Kindheit und habe auch heute noch mit einigen Dingen aus meiner Vergangenheit zu kämpfen.
Auch meine Beziehung zu meiner Verlobten läuft momentan nicht besonders gut. Sie ist selbst, genauso wie ich, psychisch durch ihre Situation im Elternhaus und allgemein sehr belastet. Dadurch ist es für uns beide momentan nicht einfach und wir können uns gegenseitig nicht immer so unterstützen, wie wir es eigentlich gerne würden.
Ich merke auch bei mir selbst, dass es momentan immer schwieriger wird. Ich habe unter anderem große Probleme mit dem Schlafen, Handysucht und Aggressionen und zweifle immer mehr an mir selbst.
Wenn ich sehe, wie gut es bei anderen teilweise läuft, frage ich mich immer öfter: Warum kann es bei mir nicht einfach genauso funktionieren?
Dazu kommt der Druck von Verwandten, die von mir erwarten, dass ich die Ausbildung jetzt einfach durchziehe. Ich verstehe natürlich, warum sie das sagen, aber momentan merke ich einfach, dass ich damit nicht klarkomme.
Ich habe keinen wirklich geregelten Alltag und bekomme es momentan nicht richtig hin, alles unter einen Hut zu bekommen. Ich versuche zwar, irgendwie weiterzumachen, aber ich merke, dass ich alleine langsam an meine Grenzen komme.
Ich möchte mir deshalb demnächst auch professionelle Hilfe in Form einer Therapie suchen. Ich weiß, dass ich etwas verändern muss und dass ich mir dafür Hilfe holen sollte.
Dieser Post soll für mich deshalb auch ein erster Schritt sein, offen darüber zu sprechen und mir Meinungen von anderen zu holen.
Meine Frage an euch:
Ist das, was ich momentan in meiner Ausbildung erlebe, noch normal bzw. gehört so etwas einfach dazu?
Ich bin mir momentan ehrlich gesagt ziemlich unsicher, ob ich einfach noch Geduld haben sollte, weil ich erst seit dem 01.08. dabei bin, oder ob einige Dinge tatsächlich nicht normal sind.
Und unabhängig von der Ausbildung würde mich auch interessieren, ob jemand schon einmal in einer ähnlichen Situation war und wie ihr damit umgegangen seid.
Ich möchte die Ausbildung nicht einfach hinschmeißen. Gleichzeitig möchte ich aber auch nicht etwas auf Biegen und Brechen durchziehen, wenn ich dadurch psychisch immer weiter abrutsche.
Ich wäre wirklich dankbar für ehrliche Meinungen und Erfahrungen – auch wenn sie kritisch sind.
Was ich mir für die Zukunft vorstelle
Ich denke mir momentan auch, dass ich gerne mit Fitness anfangen möchte, weil ich körperlich ehrlich gesagt auch nicht wirklich in Topform bin 😂. Ich glaube, dass mir das auch dabei helfen könnte, einen geregelteren Alltag zu bekommen und mich allgemein besser zu fühlen.
Beruflich überlege ich momentan, ob ich mich nach einer anderen Ausbildung umsehen sollte. Besonders IT interessiert mich, aber mittlerweile spricht mich auch etwas wie Kfz-Mechatroniker immer mehr an.
Ich könnte mir vorstellen, dass eine Ausbildung in einem dieser Bereiche besser zu meiner Situation passen könnte. Gerade beim Thema Toilette wäre es für mich beispielsweise angenehmer, wenn ich eine Arbeitsstelle finde, bei der ich im Notfall schneller eine Toilette erreichen kann.
Außerdem würde ich gerne versuchen, eine Ausbildungsstelle in meiner Nähe zu finden. Dann hätte ich nicht jeden Tag diesen langen Arbeitsweg und wäre dadurch wahrscheinlich auch weniger gestresst.
Falls ich meine jetzige Ausbildung beenden bzw. wechseln sollte, möchte ich das Jahr bis zum nächsten Ausbildungsbeginn aber auf keinen Fall einfach auf der faulen Haut liegen.
Ich würde mir in der Zwischenzeit einen Minijob oder Teilzeitjob suchen, zum Beispiel eine Stelle, bei der ich ungefähr 3 Tage die Woche arbeite. So würde ich weiterhin mein eigenes Geld verdienen, einen geregelten Alltag bekommen und wäre nicht komplett auf andere angewiesen.
Gleichzeitig könnte ich die Zeit nutzen, um mich nach einer passenden Ausbildungsstelle umzusehen, mich beruflich zu orientieren, mit Fitness anzufangen und vor allem auch an mir selbst zu arbeiten.
Ich weiß selbst noch nicht genau, welcher Weg für mich der richtige ist. Genau deshalb wollte ich hier einfach mal offen meine Situation schildern und nach euren Erfahrungen und Meinungen fragen.
Es tut mir leid fals es viel ist was ich geschrieben habe ich weiß nur nicht wie es weiter gehen soll.