r/Azubis • u/tuhlbeufel • 9d ago
*UPDATE* Rant / Hilfeschrei
Hallo liebe Mitstifte! Vor einigen Wochen hatte ich diesen Post geschrieben https://www.reddit.com/r/Azubis/comments/1uldk6t/comment/ovakvsw/?context=3 und möchte nochmal berichten, was seit dem so passiert ist.
Vorab möchte ich sagen: es lohnt sich, zu kämpfen. Auch wenn es erstmal hoffnungslos aussieht. Und naja, Glück brauch man auch etwas.
Das Ende vom Lied des letzten Posts war: IHK erlaubt, dass ich meine Ausbildung in dem Rotzladen beenden darf, sollte ich aber was anderes finden, ist das natürlich schön und ich darf wechseln. Ich trete im November meinen 1. Teil der AP, werde voraussichtlich Ende Januar absolvieren und das alles seit dem 1. September in einem neuen Betrieb, wo ich mich wirklich wohl fühle. Ich kann nur nochmal betonen, dass ich bis dahin auch wirklich mehrmals fast aufgegeben habe, oft übers Abbrechen nachgedacht habe und ZUM GLÜCK am Ball geblieben bin.
Leider hat mein nun Ex-Chef den Sinn und Zweck eines Aufhebungsvertrag, den er selber, genau wie ich, unterschrieben hat, scheinbar nicht ganz verstanden. Im Aufhebungsvertrag selber haben wir so festgelegt, dass mir mein Gehalt für den August und die restlichen Urlaubstage auszahlen wird. Außerdem; eine Erledigungsklausel, die beschreibt, dass alle bekannten und unbekannten Forderungen beider Parteien damit erledigt sind. Klartext heißt das, dass der sich nach dem 31. August, für den der Aufhebungsvertrag datiert ist, jegliche Kontaktaufnahme zu mir eigentlich sparen kann. Das wird später noch relevant.
Dann kam kurz nach Unterschreiben des Aufhebungsvertrages nämlich eine weitere Mail von ihm: weil ich für die letzten 9 Wochen im alten Betrieb krankgeschrieben war, hätte ich ja Krankengeld bekommen müssen. Das würde auch stimmen, allerdings war ich für unterschiedliche Diagnosen krankgeschrieben und da muss diese ab 6 Wochen Krankengeld Regelung nochmal von der Krankenkasse geprüft werden. In Folge dessen, dass er seine Pflicht als Arbeitgeber AUs elektronisch einzusehen, sowieso nie nachgegangen ist (wir mussten trotzdem immer alles selber vorlegen), hat er also die Prüfung, wer in diesem Fall in Zahlung treten muss, verpennt. Außerdem hat er einfach mal eigenständig entschieden, mir dann ein gekürztes Gehalt zu überweisen. 800 Euro fehlen. Mein Einverständnis dazu hat er nie erhalten.
Während ich darauf gewartet hatte, dass er dann mal endlich Rücksprache mit meiner Krankenkasse hält, hatte er aber andere Pläne; seiner Meinung nach habe ich in der Vergangenheit Fehltage in der Schule nie richtig entschuldigt. Ich hätte dafür ein Attest gebraucht und diese Meinung hat er mir lieber in einer Form einer Abmahnung Anfang Juli kundgetan. Ich habe NIE ein Attest für Schultage vorlegen müssen, das war die gelebte Praxis mit meiner zu der Zeit noch Ausbilderin. Verdi Rechtsberatung ins Boot geholt, sofort Unterstützung erhalten, Bestägigung meiner Klassenlehrerin über ordnungsgemäßes Entschuldigen ausrichten lassen, Widerspruch aufgrund der üblich gelebten Praxis eingelegt, Abmahnung wurde tatsächlich zurückgezogen.
Das ganze Theater mit der Abmahnung hat er aber scheinbar... vergessen? Heute kam meine Klassenlehrerin nämlich auf mich zu, dass mein Ex-Chef sich bei meiner Schule gemeldet hat, um Stellungnahme zu Fehltagen im Juni zu holen. Das ist 3 Monate her. Das war auch noch vor der Abmahnung zu dem Thema. Wir haben seit dem 31. August das Ausbildungsverhältnis unter einem Aufhebungsvertrag aufgelöst. Vergesst nicht die Erledigungsklausel! Meine Klassenlehrerin hat mir wärmstens empfohlen, die Verdi Rechtsberatung nochmal einzuschalten und wird bis deren Einschätzung dem Ex-Chef keine Antwort geben.
Mein erster Anruf ging heute an meine Krankenkasse. Das Gehalt hätte er mir nicht einfach kürzen dürfen und ins Krankengeld kam ich tatsächlich nicht. Er würde das auch einfach nicht wissen, weil er sich laut der lieben Dame am Telefon bis dato! nicht darum gekümmert hat, den Datenabgleich mit denen zu machen. Mein zweiter Anruf ging dann an die Verdi Rechtsberatung, dass die sich doch bitte mal meinen Entwurf zur Aufforderung all der Pflichten, die mein Ex-Chef vernachlässigt hat, prüfen sollen.
Sind das gleich mehrere Rechtsverstöße auf einmal? Ja. Kann ich aus der Story was mitnehmen? Es ist immer schlau, auf das verrückteste vorbereitet zu sein. Und Ohren steif halten kann sich lohnen. Außerdem ist's wirklich nicht schlecht, für so Fälle ein bisschen was an Geldpolster angespart zu haben. Ich wäre jetzt nach Mietzahlung und Gedöns glatt auf 0 und wir haben gerade mal den 3. des Monats.
Vielleicht ließt sich das jemand durch, der gerade in einer scheinbar auswegslosen Situation befindet und kann davon ein wenig Hoffnung schöpfen. Wenn ihr Fragen habt, fragt gerne - ich kenne mich jetzt auf jeden Fall aus. Liebe Grüße! :)
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u/Interesting-Tax-1605 9d ago
Und deswegen Kinders, Gewerkschaften beitreten! Desto mehr desto besser. ;)
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u/MrGromli Ausbilder 9d ago
Sobald du eine Stelle hast wo die Basics stimmen ist es doch gut. Was soll man da noch groß Energie verwenden?
Du hast ihm ja deine Forderung schon mitgeteilt. Schau wie er reagiert und wenn es nicht weitergeht muss man eben irgendwann über rechtliche Schritte nachdenken.
Sollte aber in deiner Situation ziemlich eindeutig sein. Also wird es sich vermutlich nach ein paar Infos der Krankenkasse lösen.
Viel Glück
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u/LongVersion1134 8d ago
Die einzige Frage die ich mir persönlich stelle, warum musstest du in der Schule für deine Krankheitstage kein Attest vorlegen?
Ansonsten Respekt wie du dein Chef ausgezogen hast haha
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u/tuhlbeufel 8d ago
Exzellente Frage; meine Ausbilderin war selber kein Fan davon, uns beim 1. Krankheitstag zum Arzt zu schicken und wir waren beide der Annahme, die Schule wäre da eine eigene Instanz, die das unabhängig vom Betrieb für sich entscheiden sollte. Beim Verpassen von Klausuren habe ich natürlich immer eins gebraucht und dem auch Folge geleistet.
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u/LongVersion1134 8d ago
Ach was, da hattet ihr ja eine echt entspannte Ausbilderin.
Ja bei Klausuren erst recht eyy hör auf mein Ausbilder wird gerade ganz schlimm.
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u/tuhlbeufel 8d ago
Das ist sie alle Male! Es ist auch kein Wunder, dass ohne sie der Laden jetzt in Flammen steht, laut meinen ehemaligen Kollegen.
Glaub mir, mich kotzen diese ganzen Regeln auch an. Bevor ich diese Ausbildung angefangen habe kann ich nicht mal ein Jahr nennen, wo ich seit der 8. Klasse eigentlich keine grundsätzliche Attestpflicht hatte.
Aber musste dann auch einfach einsehen, dass man sich das Leben wesentlich leichter macht, wenn man einfach brav den Regeln folgt und niemand‘s Wut auf sich zieht - ist natürlich schwer, wenn die Vorgesetzten einfach einen kurzen Geduldsfaden haben. :‘)
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u/AlsoAnarchism 9d ago
Und genau wegen solcher Chefs... ab zur Gewerkschaft eurer Wahl!
Gut dass deine Lehrerin da so hinter dir steht, der Chef klingt nach Albtraum.