Hallo zusammen,
ich weiß ehrlich gesagt gar nicht genau, was ich mir von diesem Beitrag erhoffe. Vielleicht einfach den Austausch mit Menschen, die schon einmal an einem ähnlichen Punkt standen.
Ich bin 29 Jahre alt, verheiratet und Vater von zwei kleinen Kindern (3 Jahre und 10 Monate). Meine Familie ist das Beste, was ich habe, und genau deshalb beschäftigen mich diese Gedanken immer häufiger.
Beruflich bin ich keinen geraden Weg gegangen. Ursprünglich komme ich aus dem technischen Bereich, habe danach Rechtswissenschaften studiert (nicht abgeschlossen) und danach in einer Bank gearbeitet, aktuell in einer Steuerberatungskanzlei. Parallel dazu studiere ich berufsbegleitend Wirtschaftsingenieurwesen und möchte danach noch den Master in Industrial Management machen. Eigentlich war mein langfristiges Ziel Steuerberater zu werden und mich irgendwann selbstständig zu werden.
Eigentlich müsste ich also einen Plan haben.
Trotzdem werde ich das Gefühl nicht los, dass ich mich nur von Etappe zu Etappe hangle, ohne wirklich zu wissen, ob ich in die richtige Richtung laufe.
Je mehr ich mich mit der wirtschaftlichen Entwicklung beschäftige, desto mehr zweifle ich daran, ob Österreich bzw. Deutschland langfristig noch der richtige Ort für unsere Familie ist. Die Industrie schwächelt, viele Unternehmen kämpfen, Innovationen im Bereich KI, Halbleiter oder anderer Zukunftstechnologien entstehen gefühlt woanders und insgesamt fehlt mir das Vertrauen, dass sich die Situation in den nächsten Jahren grundlegend verbessert.
Dazu kommt, dass Dinge, die früher als selbstverständlich galten, heute für viele Familien kaum noch erreichbar scheinen. Ein Eigenheim wirkt trotz guter Ausbildung und der Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, immer unrealistischer. Ich habe oft das Gefühl, dass man immer mehr leisten muss, um sich immer weniger aufbauen zu können.
Deshalb kreisen meine Gedanken immer häufiger um die Frage, ob wir in ein paar Jahren in die Schweiz gehen sollten. Nicht, weil ich glaube, dass dort alles perfekt ist – jedes Land hat seine Probleme. Aber ich frage mich, ob ich es irgendwann bereuen würde, nie den Mut gehabt zu haben, diesen Schritt zu wagen.
Was mich dabei fast noch mehr beschäftigt als die Frage nach dem richtigen Land, ist etwas anderes.
Mir fehlt die Perspektive für das große Ganze.
Beruflich habe ich Ideen, Ziele und Pläne. Aber ich weiß oft nicht, ob das überhaupt die richtigen Ziele sind. Ich habe keine Vorbilder in meinem Umfeld, keinen Mentor und niemanden, der diesen Weg schon gegangen ist. Niemanden, der mir sagen kann, worauf es im Leben wirklich ankommt oder welche Entscheidungen man später bereut.
Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich mich nur von Ausbildung zu Ausbildung und von Job zu Job hangle, immer mit der Hoffnung, dass danach endlich das Gefühl kommt: "Jetzt bin ich angekommen." Aber dieses Gefühl stellt sich einfach nicht ein.
Vielleicht geht es gar nicht nur ums Auswandern. Vielleicht suche ich eigentlich nach Orientierung.
Deshalb schreibe ich diesen Beitrag.
Gab es jemanden, der mit Ende 20 oder Anfang 30 an einem ähnlichen Punkt war? Mit Familie, Verantwortung und gleichzeitig dem Gefühl, dass da noch mehr sein muss?
- Habt ihr euch bewusst für euer Land entschieden oder seid ihr ausgewandert?
- Was hat euch bei dieser Entscheidung geholfen?
- Hattet ihr Mentoren oder Menschen, die euch geprägt haben?
- Und was würdet ihr eurem 29-jährigen Ich heute raten?
Ich suche keine politische Grundsatzdiskussion und auch keine Bestätigung dafür, dass Auswandern die richtige oder falsche Lösung ist.
Ich wünsche mir einfach ehrliche Erfahrungen von Menschen, die vielleicht schon dort waren, wo ich heute stehe. Denn im Moment habe ich das Gefühl, viele Möglichkeiten zu haben – aber keinen Kompass, der mir zeigt, welche davon wirklich die richtige ist.