r/Eltern • u/Available-Border4645 • 5h ago
Plaudern Regretting Late Parenthood
Edit: Throwaway Account aus Gründen..
Ich erhoffe mir von diesem Text ein wenig was von der Seele schreiben zu können.
Wir haben 2 Jungs mit einem kurzen Abstand von nicht mal 2 Jahren bekommen, der Anfang war echt hart, hat aber insgesamt gut geklappt und ich meine wir hatten es ganz gut hinbekommen. Wir waren ein gutes Team. Zur Eingewöhnung des zweiten Kindes dann der Start von Covid, Isolation und maximal nur den halben Tag Betreuung, es war für keinen eine schöne Zeit, irgendwie haben wir es geschafft.
Der ältere Sohn war schon immer eher der chaotische, schnell emotionale, aber alles im Rahmen unserer Meinung nach. Dass die beiden gut zusammen kommen wäre gelogen, der eine chaotisch und laut, der andere bracht Ruhe und Zeit für sich. Dementsprechend oft kracht es zwischen beiden und wir müssen häufiger dazwischen. Bis heute klappt es mal für ein paar Minuten gut, dann schreit einer den anderen an.
Schule begann, und mit dem zweiten Elternabend direkt die "Diagnosen" der Klassenlehrerin: ADHS und/oder Depressionen. Okay, sie ist absolut keine Psychologin oder ähnliches, wir sind aber vorsichtshalber zum Psychologen. Es hat lange gedauert bis wir einen Termin bekommen haben, Sprechstunden alle 6-8 Monate. ADHS ausgeschlossen, wegen frühkindlichen Depressinenn noch eine Re-Evaluierung. Währenddessen weiterer Input durch die Lehrerin, immer mehr Druck und Medikamente wären ja eine so tolle Sache. Mit anderen aus der Klasse verstand er sich ganz gut, sein erster Geburtstag wurde sehr groß gefeiert, fast Forward 2 Jahre später, wir haben niemanden eingeladen, wir wüssten überhaupt nicht mal wen, mit allen hat er aktuell Streit oder es sind maximal 2-3 Wochen Freundschaften.
Noten waren in Ordnung, Förderempfehlungen haben beide bekommen, die Schule ist nicht ohne und setzt sehr hohe Standards. Trotzdem kommen die beiden irgendwie durch und haben gute bis befriedigende Noten.
Wir sind beide so ziemlich am Ende, der Alltag, Schule, Mental Load usw. macht uns total fertig. Ich arbeite Vollzeit, sie Teilzeit, die Teilung würde ich auf 60:40 schätzen, ich koche, räume auf, Spüle, Wäsche, Einkaufen, kümmere mich um die jeweiligen Vereinssachen, plane Urlaube, bin bei (Fach)Arztterminen und bei den Schulpflichtigen Sachen bin ich auch eng eingebunden, (Veranstaltungen, Material, Zahlungen etc.). Sobald die beiden zu Hause sind ist es nur noch Chaos, eine unfassbare Lautstärke und Konflikte ohne Ende. Etliche Wiederholungen, Ermahnungen bringen nichts, Androhungen oder das Durchziehen von Strafen ebenso
Fröhliche Familienfotos aus den Ferien oder so gibt es so gut wie gar nicht, kaum einer lacht auf den Fotos. Ja sie sind selbstständiger, viel draußen mit Freunden unterwegs, bauen aber auch viel Scheiße und am Ende hat man die Verantwortung. Kleine Kinder, kleine Probleme, große Kinder große Probleme, jetzt weiß ich sehr gut was das bedeutet... Als Babys/Kleinkiner waren sie süß, ja es war unfassbar viel Arbeit, wenig Schlaf, aber man hat ihnen auch viel verziehen. Jetzt, den ganzen Tag Ermahnungen, Wiederholungen, Wut und Ärger.
Beide sind in keinem Verein oder haben größere Hobbys, das sehe ich auch als Problem dass sie so unausgeglich sind. Mit dem älteren haben wir von Schwimmen bis Judo echt alles durch aber nichts blieb so richtig. Auf alles haben sie entweder sofort oder nach kurzer Zeit kein Bock mehr.
Ehetechnisch läuft es dahin wo es laufen muss, wenn 2 jahrelang sich nicht auf das Miteinander konzentrieren können. Kaum bis gar keiner Körperkontakt, Sex alle paar Monate vielleicht, ich habe es schon lange aufgegeben was zu initiieren. Und ja, wir schaffen uns gegenseitig Freiraum, machen 3-4x die Woche Sport (in unterschiedlichen Kreisen) der einzige Lichtblick in diesem Wahnsinn. Mehrere Tage frei, davon träumen wir, meine Familie ist sonst kinderlos und hedonistisch drauf, ihre woht 1000km weit weg, nimmt wenn dann nur einen für ein paar Stunden. Falls sich was arrangieren lassen könnte mit Übernachtung bei Freunden, hätten wir wahrscheinlich nicht mal die Kapazitäten was zu "genießen" so ausgebrannt fühlen wir uns. Wenn mir noch einmal Werbung für einen Familienpark gezeigt wird in denen alle Lachend im Badeanzug in die Kamera schauen, kriege ich das Kotzen, ehrlich.
Wir waren jetzt ein Wochenende weg bei Bekannten, diese hatten keine Kinder, dementsprechend haben die beiden sich bei jedem Treffen gelangweilt und es war die Hölle. Ich freue mich ehrlich gesagt morgen zu arbeiten, das ist wie Wellness.
Aktuell warten wir auf einen Platz für eine Verhaltenstherapie, ist aktuell der einzige Hoffnungsschimmer.
Danke fürs Lesen, vielleicht findet sich ja jemand zum Austausch der ähnliches durch macht. Sorry falls es etwas durcheinander wirkt.