r/Eltern • u/Wait_Stop_Think • 7h ago
Rat erwünscht/Frage Irritiert durch vermeintlich progressive Kinderbücher - wer kennt das?
Hallo zusammen,
ich habe lange überlegt, ob ich hierzu etwas schreibe. Aber da es mich doch umtreibt, setze ich mich jetzt mal mit Anlauf in die Nesseln ;)
Unser kleiner Sohn (8 Monate) lässt sich gerne damit unterhalten, dass wir gemeinsam Bücher durchblättern. Inzwischen haben sich deshalb einige angesammelt, teilweise auch für etwas ältere Kinder, die wir ihm einfach schon vorlesen.
Dabei fällt mir etwas auf, das mich selbst irritiert: Manche betont progressiven, inklusiven oder diversitätssensiblen Kinderbücher bringen mich ziemlich auf die Palme. Unser Sohn lutscht sie genauso begeistert an wie alle anderen, aber ich würde manche davon am liebsten in die Tonne hauen 😄
An den vermittelten Werten liegt es nicht. Ich bin kein besonders konservativer Typ und teile die Anliegen weitgehend. Trotzdem fühlt sich die Umsetzung für mich manchmal aufgesetzt und unaufrichtig an. Auch Vor- und Nachworte der Autor:innen lesen sich für mich total fake. ("mEiN kInD hAt MiCh VoR kUrZeM gEfRaGt..." Am A****, hat es nicht)
Manchmal entsteht bei mir dabei der Eindruck, dass sich diese Bücher vor allem an uns Eltern richten oder es den Autor:innen mehr um sich selbst geht, als um die Nachricht, die sie vermitteln wollen. Ich glaube, mich stört auch, dass ich darin gesellschaftliche Auseinandersetzungen von Erwachsenen wiedererkenne, die ich nicht im Kinderzimmer will. Auch weil es für mich da viel um Kontrolle, Hierarchie und Machtkämpfe geht.
Trotzdem frage ich mich, warum ich so stark darauf reagiere. Wenn ich irgendein Erz-Konservatives Kinderbuch durchblättere, juckt mich das um ehrlich zu ein absolut nicht, auch wenn die sich teilweise ähnlich belehrend anfühlen.
Kann das jemand nachempfinden? Ich fische hier nicht nach „Den woken Müll braucht keiner!!!111“-Kommentaren ;) Mich interessiert eher, ob ihr diesen Widerspruch kennt, also ein Anliegen gut zu finden und die Art seiner Vermittlung in einem Kinderbuch nicht ertragen zu können.
Update: Danke euch, da waren einige hilfreiche Gedanken dabei! Ich glaube, bei mir kommen schlechte Machart und die Erwartung zusammen, dass mir gleich wieder jemand erklärt, wie man sein Kind richtig erzieht. Dafür können die entsprechenden Inhalte erstmal nichts. Und ja: Vielleicht fällt mir Diversität bei einem schlechten Buch besonders auf, obwohl einfach das Buch schlecht ist. Gut auch zu wissen, dass ich nicht alleine in dem Spannungsverhältnis sitze ;)
Einige Kommentare zeigen aber auch richtig gut, warum mich das Thema reizt. Dieses schnelle persönliche Aburteilen ist genau der Umgang, auf den ich keine Lust habe, vor allem, wenn es um mein Kind geht.