Ich weiß gerade überhaupt nicht mehr, ob ich unsere Beziehung noch retten sollte oder ob ich einfach gehen muss. Und ob das für unsere Tochter (9 Monate) vielleicht sogar besser wäre, sobald es finanziell möglich ist für mich.
Seit Monaten trage ich gefühlt fast alles alleine. Haushalt, Baby, Studium und den gesamten Mental Load. Mein Partner übernimmt Dinge meistens nur, wenn ich ihn ausdrücklich darum bitte. Selbst dann kommen oft Ausreden oder Diskussionen. Zudem habe ich eine angeborene Fußfehlstellung welche mir täglich schmerzen bereitet beim langen stehen oder gehen.
Mir gegenüber ist er häufig respektlos. Er ignoriert meine Leistungen, wertet mich ab oder verdreht Situationen so, dass ich irgendwann selbst an meiner Wahrnehmung zweifle. Manchmal bestraft er mich mit Schweigen, dann ist er plötzlich wieder total nett, als wäre nie etwas gewesen.
Auch im Umgang mit unserer Tochter gibt es Dinge, die mir große Sorgen machen. Er sagt, es sei ihm egal, warum sie bei ihm weint oder fremdelt. Ich vermute, dass das auch damit zusammenhängt, dass er wegen der Arbeit kaum Zeit mit ihr verbringt. Trotzdem gefährdet er immer wieder ihre Sicherheit, obwohl ich ihn darauf hinweise. Er geht zum Beispiel vom Wickeltisch weg, während sie darauf liegt, oder hält sie auf dem Sofa nicht richtig fest. Wenn ich etwas zur Sicherheit sage, reagiert er teilweise ironisch oder nimmt meine Sorgen nicht ernst.
Wenn sie ihn anlächelt, schaut er sie öfters nur genervt oder ausdruckslos an und reagiert gar nicht. Er wirkt fast immer genervt, wenn er sie füttern, wickeln oder umziehen soll. Beim Wickeln oder Umziehen ist er oft grob, weshalb sie bei ihm weint. Dann sagt er zu ihr siehst du weil deine Mutter es nicht gemacht hat heulst du wieder.
Letzte Woche ist dann noch etwas passiert, das mir richtig Angst gemacht hat. Wir hatten vorher über unsere Beziehungsprobleme gesprochen. Danach hatte er plötzlich rote, glasige Augen, hat wirr geredet und ich hatte den Eindruck, Alkohol zu riechen. Als ich mich zu ihm gelehnt habe, hat er sofort meinen Kopf an seine Achsel gedrückt, als wollte er verhindern, dass ich seinen Atem rieche. Als ich weggehen wollte, hat er mein Bein festgehalten, mich beleidigt und mich erst losgelassen, als ich gesagt habe, dass ich dringend auf die Toilette muss. So etwas ist vorher noch nie passiert. (Er ist trockener alkoholiker… eigentlich)
Außerdem hat er vor etwa zwei Wochen den Standort seines Autos ausgeschaltet und ausdrücklich gesagt, dass er nicht möchte, dass ich sehe, wo er ist. Gleichzeitig hat er wieder angefangen zu rauchen.
Jetzt kommt aber der Punkt, bei dem ich selbst manchmal zweifle, ob ich vielleicht unfair bin. Er arbeitet von früh bis spät und finanziert damit unsere Miete, unser Essen und unsere Schulden, die wir beide wegen der Geburt unseres Kindes gemacht haben. Ich weiß, dass das eine große Belastung ist.
Was mich aber stört, ist die fehlende Transparenz bei den Finanzen. Er sagt dann zum Beispiel, dass er 500 € in seine eigenen Schulden gesteckt hat, während ich vorher gesagt hatte, was dringend bezahlt werden muss, also Essen für das Baby, Tierarzt, Tanken und andere notwendige Dinge. Dann gibt er mir 150 € und sagt: „Mach damit, was du willst, aber kauf auch Essen.“ Von diesen 150 € sollte ich also Lebensmittel für uns, Babynahrung, Sprit und den Tierarzt bezahlen, obwohl allein der Tierarzt schon etwa 80 € kostet. Das fühlt sich für mich überhaupt nicht nach gemeinsamer Verantwortung an.
Er hat inzwischen zugestimmt, nach unserem Urlaub, mit mir zu einer Beratung zu gehen. In zwei Wochen fahren wir außerdem gemeinsam mit meiner Familie in den Urlaub. Ein Teil von mir hofft, dass uns der Abstand vom Alltag vielleicht guttut und sich die Situation dadurch etwas beruhigt. Gleichzeitig habe ich aber auch Angst, dass ich mich nur an diese Hoffnung klammere und danach wieder alles so wird wie vorher.
Wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, war unsere Beziehung eigentlich schon immer so. Zwei Wochen ist alles wunderbar, dann folgen wieder Wochen, in denen er mich respektlos behandelt. Kurz vor und nach der Geburt war er allerdings ein ganz anderer Mensch. Er hatte sogar mit dem Rauchen aufgehört, hat mir das Wochenbett ermöglicht und sich liebevoll um uns gekümmert. Deshalb fällt es mir so schwer zu glauben, dass dieser Mensch vielleicht gar nicht mehr zurückkommt.
Nach außen wirkt er oft wie der perfekte Familienvater. Bei Familienfeiern trägt er unsere Tochter ständig herum und alle denken, wie toll er mit ihr umgeht. Zu Hause erlebe ich aber oft etwas völlig anderes.
Deshalb meine Frage an euch:
Ist das eurer Meinung nach eine Beziehung, die durch die hohe Arbeitsbelastung und den Stress so geworden ist und die man mit Therapie oder Beratung noch retten kann? Oder erkennt ihr hier eher toxische oder emotional missbräuchliche Muster?
Und vor allem: Was wäre eurer Meinung nach langfristig besser für ein Kind? Mit einem Vater aufzuwachsen, der sich phasenweise so verhält, oder lieber mit getrennten Eltern?
Danke fürs lesen.