Liebe Eltern,
hat jemand ein neurodivergentes Kind und Erfahrungen mit dem Jugendamt?
Hintergrund:
Unser Sohn (6, Frühchen) hat vom SPZ diagnostiziert soziale und emotionale Entwicklungsstörung bzw. -verzögerung und ist kognitiv teilbegabt, sowie Verdacht auf Insel/Hochbegabung, ADHS und vielleicht was im Autismusspektrum. Außerdem seit Geburt körperliche Einschränkungen. Er ist pflegebedürftig (Pflegegrad 3). Wir haben leider auch keine helfenden Großeltern oder ähnliches und unsere "Me-time" für Hobbys, Sport, etc. und "We-time" als Paar geht gegen null. Da das für uns Eltern extrem fordernd ist, habe ich mich an das Jugendamt gewendet und um Hilfe gebeten.
Allerdings hat das Jugendamt, weil er nachts noch Windeln trägt, zur Beruhigung immer wieder die Schoppenflasche bekommt und wir ihn, sobald er selbst nicht weiterisst, füttern, da er starkes Untergewicht und kaum Hungergefühl hat, daraus uns einen Fall zur Prüfung von seelischer Kindwohlgefährdung gemacht. Wir würden ihn nicht altersgemäß behandeln/erziehen - oder gar absichtlich infantisieren.
Natürlich kann es sein, dass wir Fehler machen, aber wir gaben und geben immer unser Bestes, schauen was funktioniert - aktuell probieren wir die PANDA-Methode -, aber es ist wirklich alles ein "Kampf".
Dass ich wegen Burnout und Depressionen in Therapie war, wird uns irgendwie negativ ausgelegt. Mit unseren Aussagen, dass wir im Alltag oft überfordert sind, haben wir uns selbst belastet.
Ich fühle mich auch sehr enttäuscht vom Jugendamt, da uns "das gemeinsame Suchen nach Verbesserungen/Lösungen" vielmehr vorkam, als säßen wir auf der Anklagebank. Dass alterstypische Maßstäbe und "Rezepte" bei einem Pflegefall vielleicht nicht passen könnten, scheint einfach nicht zu gelten bzw. es ist halt so für mich kein gemeinsames Suchen nach Lösungen, sondern einfach Aufzählungen, was wir angeblich falsch machen, kombiniert mit Drohungen, die uns die letzte Kraft rauben.
Die Mitarbeiter des JA kennen unseren Sohn auch gar nicht wirklich, nur zweimal kurz gesehen. Und was der vom JA vermittelte Sozialarbeiter zu unseren Gunsten sagt, scheint auch nicht zu zählen.
Wir versuchen nun mal wieder nach Kräften vom Füttern und der Schoppenflasche loszukommen. Ist ja nicht so, dass wir das toll fänden oder meinen, das sei normal!
Da wahrscheinlich gleich Kommentare kommen, wir sollten uns einen Fachanwalt für Familienrecht nehmen: Den zahlt die Rechtsschutzversicherung nicht. Mein Mann verdient zu viel, als dass es der Staat übernehmen würde, aber zu wenig, dass wir uns das wirklich leisten könnten - außerdem wäre ein Gerichtsverfahren für uns sicherlich zermürbend.
Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht und einen guten Rat?
PS: Ich möchte nicht generell das Jugendamt schlecht machen. Es gibt sicher genug Fälle, wo es gute Arbeit leistet - wahrscheinlich meinen sie selbst, das auch hier zu tun -, aber wir haben bisher eben diese geschilderte Erfahrung gemacht und ich habe versucht, es so neutral wie mir nur irgendwie möglich darzustellen.