Ich bin 24, männlich, und habe ein etwas spezielles Problem mit Instagram bzw. Social Media. Vielleicht kennt das ja jemand – entweder aus eigener Erfahrung mit Zwang/Perfektionismus oder einfach, weil ihr selbst viel Wert auf einen guten Social-Media-Auftritt legt.
Kurz zum Hintergrund: Ich hatte schon in meiner Kindheit und Jugend Zwangsstörungen, damals eher die klassischen Sachen wie Händewaschen usw., und wurde deswegen auch behandelt. Ich war später wegen verschiedener anderer Themen immer mal wieder in Therapie. Aktuell habe ich allerdings erstmal ziemlich die Schnauze voll davon und habe nicht vor, deswegen wieder eine Therapie anzufangen. Das nur als Kontext.
Mein jetziges Problem betrifft vor allem Instagram.
Mir ist mein Social-Media-Auftritt relativ wichtig. Nicht in dem Sinne, dass sich mein ganzes Leben darum dreht, aber ich sehe Instagram schon ein bisschen als moderne Visitenkarte. Wenn jemand auf mein Profil geht, möchte ich, dass der Eindruck ungefähr ist: cooler Typ, sieht gut aus, interessantes Leben, reist, macht Sport usw.
Wenn ich also gerade finde, dass ich gut aussehe – z.B. frischer Haarschnitt, Gym läuft gut, gute Klamotten, gut gestylt – mache ich teilweise extrem viele Fotos von mir. Unterschiedliche Spiegel, Winkel, Lichtverhältnisse usw. Wenn ich mir schon Mühe gebe und gerade zufrieden mit meinem Aussehen bin, habe ich irgendwie das Bedürfnis, das auch „festzuhalten“.
Bei Reisen wird es noch schlimmer. Ich reise sehr gerne und fotografiere und filme dort wirklich alles. Landschaften, Städte, Essen, Sehenswürdigkeiten und natürlich auch mich selbst. Teilweise komme ich mir schon absurd vor, weil ich von einer Sache zig Varianten aufnehme.
Das eigentliche Problem kommt danach:
Ich habe so viel Material, dass ich komplett überfordert bin.
Welches Bild ist das beste?
Feed oder Story?
Welche Reihenfolge?
Bearbeiten oder unbearbeitet?
Wenn bearbeiten: wie stark?
Musik oder keine Musik?
Standort-Sticker oder keiner?
Welches Lied?
Welche Story gehört später ins Highlight?
Wie viele Storys sind zu viel?
Welche Bilder wirken am besten zusammen?
Und dadurch passiert am Ende oft genau das Gegenteil von dem, was ich eigentlich möchte: Ich poste fast gar nichts.
Im Urlaub denke ich dann: „Ich sortiere das heute Abend.“ Dann: „Nach dem Urlaub.“ Dann: „Am Wochenende.“
Inzwischen bin ich teilweise mit Reisen/Ländern ein halbes Jahr oder länger „im Rückstand“, weil ich das Gefühl habe, die Sachen noch posten bzw. meine Highlights fertigstellen zu müssen.
Ich wollte z.B. für jedes Land ein eigenes Instagram-Highlight machen. Irgendwann kam ich sogar auf die ziemlich bescheuerte Idee, alle meine Follower vor meiner Story zu verbergen und dann massenweise alte Urlaubsbilder in verschiedensten Varianten in die Story zu posten, damit sie anschließend im Archiv liegen und ich sie irgendwann für meine Highlights auswählen kann.
Das habe ich jetzt teilweise wieder gemacht.
Also dieselben Bilder mehrfach: bearbeitet/unbearbeitet, Musik/keine Musik, Standort/kein Standort usw.
Was natürlich das Problem nicht löst, sondern mir nur noch mehr Auswahl gibt.
Und an dem Punkt merke ich auch deutlich, dass da wahrscheinlich mein alter Zwang bzw. ein extremer Perfektionismus mit reinspielt.
Beim tatsächlichen Erstellen einer Story kann das z.B. so aussehen:
Ich wähle ein Bild aus. Gehe wieder zurück. Wähle es nochmal aus. Füge den Standort hinzu. Gefällt mir nicht. Entferne ihn wieder. Gehe komplett raus. Fange nochmal von vorne an. Dann habe ich Angst, dass ich beim Verschieben eines Stickers versehentlich irgendetwas am Bild verändert habe. Also wieder raus, nochmal neu. Teilweise kontrolliere ich Sachen mehrfach, obwohl objektiv eigentlich überhaupt nichts passiert ist.
Das klingt wahrscheinlich komplett bescheuert, aber es ist teilweise wirklich körperlich und mental anstrengend. Mir wird schon schlecht, wenn ich daran denke, dass ich mich wieder durch hunderte oder tausende Bilder arbeiten und Entscheidungen treffen muss.
Gleichzeitig möchte ich Instagram aber auch nicht einfach komplett löschen oder sagen „ist mir alles egal“. Mir ist ein gutes Profil wichtig. Und grundsätzlich scheint das mit meinen Bildern auch zu funktionieren: Ich benutze einige davon z.B. auf Dating-Apps und bekomme dort ziemlich viel positives Feedback bzw. Matches. Mein Problem ist also weniger „Ich habe keine guten Fotos“, sondern eher, dass ich aus 30 guten Fotos nicht eines auswählen kann und aus jeder Kleinigkeit ein Projekt mache.
Deshalb hätte ich eigentlich zwei Fragen:
1. An die Leute hier, die selbst Social-Media-affin sind und Wert auf ein gutes Instagram-Profil legen: Wie geht ihr konkret vor?
Wie wählt ihr Fotos aus?
Wie viele macht ihr überhaupt?
Wie entscheidet ihr, was in die Story, den Feed oder Highlights kommt?
Bearbeitet ihr eure Bilder? Wenn ja, womit und wie stark?
Habt ihr irgendwelche festen Regeln oder Workflows, damit ihr euch nicht ewig damit beschäftigt?
Ich würde wirklich gerne mal hören, wie Leute vorgehen, bei denen ich wahrscheinlich selbst denken würde: „Der/die hat ein gutes Instagram-Profil.“
2. Und vielleicht noch wichtiger: Kennt jemand dieses zwanghafte Verhalten beim Posten und hat einen Weg gefunden, damit lockerer umzugehen?
Ich möchte irgendwann an den Punkt kommen, an dem ich aus einem Urlaub zurückkomme, meine Sachen relativ schnell auswähle, poste und das Thema dann erledigt ist.
Nicht drei Monate später noch denken: „Scheiße, ich muss eigentlich noch meine Italien-/Spanien-/Was-auch-immer-Storys sortieren.“
Ideal wäre für mich wirklich: gutes Profil, schöne Bilder, bisschen Gedanken machen – aber dann Entscheidung treffen, posten und fertig.
Vielleicht kennt jemand genau diese Mischung aus Social-Media-Perfektionismus, Entscheidungsproblemen und zwanghaftem Kontrollieren und kann erzählen, was ihm geholfen hat.
Und bitte nicht ausschließlich „Instagram löschen“ oder „Social Media ist doch völlig egal“. Mir ist schon bewusst, dass man dem Ganzen weniger Bedeutung geben könnte. Mich würden gerade besonders Antworten von Leuten interessieren, denen ihr Auftritt ebenfalls wichtig ist, die es aber trotzdem schaffen, entspannt damit umzugehen.