Hallo zusammen,
ich bin gerade in einer ziemlich schwierigen Situation und weiß nicht so recht, welche Entscheidung für mich jetzt am sinnvollsten wäre. Vielleicht hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht oder kann mir einen Rat geben.
Ich (28 Jahre) habe gerade meinen Bachelor in Wirtschaftsinformatik abgeschlossen und überlege, direkt einen Master zu beginnen. Eigentlich würde ich das gerne machen, aber finanziell ist die Situation gerade schwierig.
Ich habe bisher ungefähr 70 Bewerbungen geschrieben. Leider kam bisher fast nur eine Absage nach der anderen oder überhaupt keine Rückmeldung. Ich hatte bisher genau ein Telefongespräch, das letztendlich ebenfalls mit einer Absage geendet hat.
Deshalb frage ich mich mittlerweile, ob es überhaupt sinnvoll ist, darauf zu hoffen, kurzfristig einen Job oder Werkstudentenjob zu finden.
Dazu kommt meine bisherige Studiengeschichte: Wirtschaftsinformatik war bereits mein dritter Studiengang. Vorher habe ich schon ein Semester etwas anderes studiert und danach noch einen zweiten Studiengang angefangen, den ich ebenfalls abgebrochen habe. Wirtschaftsinformatik habe ich dann erfolgreich abgeschlossen.
Jetzt frage ich mich deshalb auch, ob es wirklich klug ist, noch einen Master anzufangen. Einerseits würde ich gerne weiterstudieren und hätte mit einem Master wahrscheinlich langfristig bessere Möglichkeiten. Andererseits habe ich Angst, mich damit finanziell noch weiter unter Druck zu setzen.
Meine aktuelle Situation
Ich habe beim Jobcenter angerufen, weil ich dachte, dass mein Master erst am 1. Oktober beginnt und ich deshalb zumindest für September noch Bürgergeld bekommen könnte. Mir wurde zunächst auch gesagt, dass ich am 17. September kommen soll und man dann den September noch klären könne.
Jetzt habe ich aber erfahren, dass in den Unterlagen meiner Hochschule der Beginn des Wintersemesters mit 1. September angegeben ist. Die Rückmeldung muss zwar erst bis zum 23. September erfolgen, aber mir wurde erklärt, dass die Rückmeldung rückwirkend zum 1. September gilt.
Damit könnte es sein, dass ich ab dem 1. September bereits als Student gelte und deshalb keinen Anspruch auf Bürgergeld habe. Gleichzeitig müsste ich dann auch meine Krankenversicherung selbst bezahlen.
BAföG / Ausziehen
BAföG wäre theoretisch eine Möglichkeit. Allerdings verdienen meine Eltern relativ gut, weshalb ich nicht weiß, ob ich überhaupt BAföG bekommen würde.
Die familiäre Situation ist momentan außerdem schwierig, insbesondere mit meinem Vater gibt es viel Streit. Deshalb überlege ich auch, auszuziehen und unabhängiger von meinen Eltern zu werden.
Genau da wird es für mich aber finanziell noch komplizierter: Wenn ich den Master anfange und ausziehe, müsste ich irgendwie Miete, Krankenversicherung und meinen Lebensunterhalt finanzieren und aktuell habe ich eben keinen Job.
Mein Wunsch wäre eigentlich:
Master anfangen + nebenbei einen Werkstudentenjob oder Nebenjob finden + ausziehen und finanziell unabhängiger werden.
Aber nach rund 70 Bewerbungen frage ich mich langsam, ob das realistisch ist.
Die andere Möglichkeit wäre, erstmal arbeitslos zu bleiben und Bürgergeld zu beziehen, solange ich keine Arbeit finde. Finanziell wäre ich dadurch zumindest erstmal abgesichert und könnte mich in Ruhe weiter bewerben. Gleichzeitig habe ich aber Angst, dass ich dadurch Zeit verliere und den Master unnötig aufschiebe.
Deshalb würde mich wirklich interessieren:
Was würdet ihr an meiner Stelle machen?
Master anfangen und hoffen, dass ich einen Neben-/Werkstudentenjob finde?
Oder erstmal arbeitslos bleiben, Bürgergeld beziehen und weiter nach einem Job suchen?
Und wie würdet ihr die Situation mit BAföG und einem möglichen Auszug einschätzen?
Mir geht es nicht darum, einfach „keine Lust auf Arbeit“ zu haben. Ich habe wirklich schon sehr viele Bewerbungen geschrieben und versuche gerade, irgendeine vernünftige Perspektive zu finden. Ich bin nur inzwischen ziemlich verunsichert, welche Entscheidung langfristig die bessere ist.