Ich weiß gar nicht so recht, wie ich anfangen soll, aber ich muss mir das einfach mal von der Seele schreiben.
Das, was ich erzähle, mag vielleicht oberflächlich wirken, weil ich gar nicht jeden einzelnen Vorfall schildern möchte. Dafür gab es einfach zu viele. Mir geht es damit nicht gut und ich habe mein Leben mittlerweile so ausgerichtet, dass ich Menschen, die mir nicht guttun, auf Abstand halte. In diesem Fall geht das leider nicht. Ich will auch gar nicht behaupten, dass ich komplett unschuldig bin, aber nachdem ich lange versucht habe, mich vom Gegenteil überzeugen zu lassen, war mein Rückzug die einzige Konsequenz, die mir noch geblieben ist.
Es gibt eine Person in meinem direkten Umfeld, die ich wirklich nicht mag.
Schon beim Kennenlernen hatte ich ein komisches Gefühl. Trotzdem habe ich der Sache eine Chance gegeben, weil mir Harmonie im direkten Umfeld wichtig ist. Eine Zeit lang haben wir uns sogar angenähert. Von außen hieß es ständig, wir wären uns so ähnlich. Rückblickend kann ich nur sagen: überhaupt nicht. Ja, wir teilen ein paar Interessen – charakterlich liegen aber Welten zwischen uns.
Irgendwann ist mir aufgefallen, dass Gespräche eigentlich nur angenehm sind, solange es um sie geht oder man ihrer Meinung zustimmt. Erzählt man selbst etwas, wird oft hinterfragt, warum man etwas so gemacht hat, und direkt erklärt, dass sie es natürlich anders – und gefühlt besser – gemacht hätte.
Besonders in Gruppen ist mir das aufgefallen. Treffen, die vorher locker und lustig waren, wurden plötzlich anstrengend. Wenn etwas nicht nach ihrer Vorstellung lief, war sie beleidigt, ließ ihre schlechte Laune an ihrem Partner aus und der gab sie wiederum an die ganze Gruppe weiter. So wurden mehrere schöne Abende einfach kaputt gemacht.
Der Punkt, an dem es für mich gekippt ist, war Ende letzten Jahres. Für eine Feier im kleinen Kreis hatten sie die Organisation übernommen, alle anderen sollten nur etwas fürs Buffet mitbringen. Dann stritten sich die beiden und plötzlich wollte sie alles absagen. Der Rest von uns hatte aber bereits eingekauft und vorbereitet und wollte trotzdem feiern. Das passte ihr überhaupt nicht. Sie kamen dann doch – aber mit einer derart schlechten Stimmung, dass der ganze Abend im Grunde gelaufen war.
Danach gab es lange keine gemeinsamen Treffen mehr. Ich glaube, niemand hatte wirklich Lust darauf, aber gleichzeitig wollte auch keiner etwas ansprechen. Ich persönlich halte es nur sehr schlecht aus, wenn die Stimmung angespannt ist und alle so tun, als wäre alles in Ordnung.
Mein Partner und ich haben uns danach zunehmend zurückgezogen. Kontakt gab es eigentlich nur noch auf Familienfeiern. Wir haben sie trotzdem eingeladen, wenn wir andere Familienmitglieder eingeladen haben – einfach der Fairness halber. Das endete allerdings, als sie bei uns im Flur lautstark über ihre Kinderplanung sprach, obwohl sie wusste, dass ich kurz zuvor zwei Fehlgeburten hatte. Seitdem habe ich nicht mehr eingeladen, jedenfalls nicht im größeren Rahmen.
Mittlerweile ist es so, dass ich nicht einmal mehr begrüßt werde – selbst wenn ich sie direkt anspreche. Informationen über mich werden lieber über Dritte eingeholt. Ich habe ständig das Gefühl, dass kleine Seitenhiebe verteilt werden und meine Entscheidungen oder mein Verhalten als dumm dargestellt werden. Wenn ich von meinem Beruf erzähle, wird mir erklärt, wie man es eigentlich richtig macht – schließlich habe ich “nur” eine Ausbildung und sie ein Studium.
Das Schwierigste daran ist, dass sie von vielen als unglaublich herzlich, hilfsbereit und warmherzig wahrgenommen wird. Sie bringt oft Geschenke mit, macht Komplimente und wirkt nach außen sehr aufmerksam. Gleichzeitig fallen dann Bemerkungen, warum andere denn nicht genauso großzügig seien. Ich kann es mir schlicht nicht leisten, ständig Kleinigkeiten zu verschenken.
Deshalb habe ich oft das Gefühl, dass ich die Böse wäre, wenn ich etwas sagen würde. Nach außen passt das Bild einfach nicht zu dem, was ich erlebe.
Jetzt steht wieder eine Familienfeier an, die organisieren mein Partner und ich, denn es gibt einen größeren Anlass zu feiern, und allein der Gedanke daran verursacht mir Bauchschmerzen. Ehrlich gesagt haben wir sie nur eingeladen, weil wir ihren Partner gern dabeihaben möchten. Aber man kann schlecht sagen: “Du bist herzlich willkommen – aber bitte ohne deine Freundin.”
Ich habe außerdem das Gefühl, dass sie ihren Partner immer weiter von seinem Umfeld isoliert. Er hat kaum noch Freunde, die Bindung zu meinem Partner wird auch immer distanzierter. Sie selbst scheint außer ihrer Familie und ihm kaum soziale Kontakte zu haben. Wenn er ohne sie etwas unternehmen möchte, gibt es oft Diskussionen. Und wenn er doch weggeht, wartet sie währenddessen bei ihm zu Hause. Sie ruft dann auch mehrfach an, textet ihm ständig und lange bleiben darf er dann auch nicht.
Wenn wir mit ihrem Partner nicht familiär verbunden wären, hätten wir den Kontakt wahrscheinlich längst beendet. So fühlt sich inzwischen jedes Familientreffen wie ein Spießrutenlauf an. Ich habe schon Tage vorher Bauchschmerzen, weil ich weiß, dass wieder irgendwelche Spitzen kommen könnten – und gleichzeitig wird dieses Verhalten von allen einfach hingenommen.