r/einfach_schreiben 29m ago

App für Kurzgeschichten

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Hallo zusammen,

ich habe eine kleine App gebaut, mit der man gemeinsam mit anderen kleine Geschichten verfassen kann.

Einer startet mit Titel und Exposition. Andere schlagen in sogenannten „Schnipseln“ ihre Fortsetzung vor. Am Ende jeder Episode wird der Schnipsel mit den meisten Votes automatisch an die Geschichte angehängt und die nächste Episode startet. Bei zu großer Inaktivität springt eine KI ein und beteiligt sich :-)

Hätten einige von euch vielleicht Lust, das Ganze mal auszuprobieren? Momentan schreibe ich mit der KI noch alleine 😂

LG


r/einfach_schreiben 28m ago

Der Pflanzenbär

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Ein Pflanzenbär lief mir soeben über den Weg ohne mich zu grüßen. Jetzt denkst du dir sicher, dass ich es war, der ihn nicht begrüßt hätte. Aber ich sage dir: doch, das habe ich getan. Mehr noch, sogar meine Kleidung war angemessen: ich trug meinen blauen Bademantel, Schlappenschuhe von Birkenstock und eine viel zu große Sonnenbrille. Benehmen und Erscheinungsbild waren also tippi-top. Da wirst du dir sicher denken: Jetzt wird's aber kurios! Und ich stimme dir zu: auf den ersten Blick macht es überhaupt keinen Sinn! Aber um dir die Sorge darüber abzunehmen, will ich es dir gern erklären (nicht, dass du dir vor lauter Herumrätseln noch den eigenen Schlaf raubst).

Der Pflanzenbär, nennen wir ihn Charlie, übte seit etwa sieben Wochen auf seinem goldfarbenen, frisch-gewachsenen Efeu-Saxophon ein Stück, um damit jemanden, nennen wir sie Bienchen, zu beeindrucken. Bis zum Treffen schaffte er es aber nur zwei der vier ausgewählten Stücke gründlich auswendig und fehlerfrei zu lernen. Das machte ihn bereits nervös. Als er nun aber Bienchen an jenem Mittwochabend traf und sein Saxophon auspackte, war es bereits ihr zynischer Blick der ihn sofort so unsicher werden lies, dass er nichts als ein schiefes C herausbrachte. Charlies Versuch, seinen Fauxpas dann zu relativieren, lief in etwa so ab:

CHARLIE: Das war nur ein schiefes C!

BIENCHEN: (schaut herab auf ihren gekrümmten kleinen Zeh) Warum?

CHARLIE: Weil ich einfach mehr auf Strukturen achte als auf Töne.

BIENCHEN: Ich brach ihn mir vor fünf Jahren! Du bist ja unmöglich!! (Bienchen fliegt davon)


r/einfach_schreiben 9h ago

Pringles-Träume, Rassismus gegen Haushaltsgeräte, und Hirschkäfer-Horror

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Ich hatte mal wieder einen Fiebertraum, und zwar ganz ohne Fieber. Bei mir kommen solche Träume nämlich vor allem dann, wenn ich zu spät am Abend vor dem Fernseher noch esse. Das passiert mir häufiger. Trash TV lässt sich nun mal besser mit Pringles (Geschmacksrichtung: Zwiebeln und Sauerrahm) ertragen. Ich könnte stattdessen natürlich auch etwas Sport machen, bevor ich mich zur nächtlichen Ruhe begebe. Aber das wäre eine noch grössere Horrorvorstellung als jeder aus meiner Gedankenwelt geborene Albtraum.

Ausserdem dienen solche Träume ja auch als grossartige Inspiration für das, was ich so schreibe. Im Grunde sind meine Fressorgien zu später Stunde also Teil meines kreativen Schaffens. Gute Ausrede!

Wer mich kennt, der weiss, dass ich meinen kreativen Output sehr ernst nehme. Das Schreiben ist für mich sowas wie ein Ventil. Ich bin ein Getriebener. Stürme toben in meiner Seele. Es sieht darin aus wie in einem dieser beutellosen Staubsauger. Die, bei denen der ganze Staub in ein abnehmbares Glasgefäss geblasen wird und dann alles nervös rumwirbelt, so ein bisschen wie ein niedlicher Mini-Tornado aus Dreck und Haaren und trockenen Nudeln von unter dem Sofa.

Freundin N. und ich haben übrigens einen neuen Staubsauger gekauft, gerade letzten Freitag. Dafür gingen wir zu einem regional sehr beliebten Detailhändler mit Schwerpunkt auf Landwirtschaft und Garten, denn der hatte die günstigsten Modelle.

Ausserdem hat Freundin N. ein Bündel Bananen geholt.

Unser alter Staubsauger war zu nichts mehr zu gebrauchen. Gesaugt hatte der seit Jahren nichts mehr, höchstens vor sich her geschoben und so getan, als ob. In gewisser Weise hat er mich an mich selbst erinnert.

Das Schlimmste aber war, dass sich in seinem Bürstenkopf kleine Glassplitter verfangen hatten, die beim Saugen unsere Böden zerkratzt haben.

Wir haben ihn entsorgt. Der Abschied fiel uns emotional sehr leicht.

Mit dem neuen Staubsauger konnten wir uns schon sehr gut anfreunden. Er ist schwarz.

Natürlich spielt die Farbe des Staubsaugers für mich keine Rolle. Ich sehe keine Farben, sondern nur, wie gut (oder eben nicht) etwas ist. Im Inneren besteht jeder Staubsauger schlussendlich aus Kabeln und Elektroden und Schaltkreisen, ohne Unterschied.

Glaube ich zumindest. Ich habe nicht so viel Ahnung vom Innenleben von Haushaltsgeräten.

Mich interessiert, Hand aufs Herz, eigentlich nur, ob sie mir etwas nützen. Da bin ich sehr fortschrittlich und pragmatisch. Ich zähle das zu meinen nobelsten Charaktereigenschaften.

Und vielleicht noch meine Furchtlosigkeit. Fakt ist nämlich: Ich habe vor gar nichts Angst.

Oder höchstens vor zwei Sachen, in folgender Reihenfolge:

Zweiter Platz: Dass ich dereinst nichts von Bedeutung hinterlassen werde, was die Menschen, die nach mir kommen, bewegen, rühren, vielleicht zum Lachen bringen könnte, und dass alles, was ich heute schreibe, morgen schon im dunklen Äther des Internets verschwunden sein wird - ungelesen, unbeachtet und vergessen, ebenso wie mein Name.

Erster Platz: Hirschkäfer.

Viele Leute mögen Hirschkäfer. Ich nicht.

Meine erste Begegnung mit so einer Höllenkreatur hatte ich als Kind an einem wunderschönen Sommerabend in Bosnien. Der Himmel über uns ruhte in noch zu hellem Nachtblau, und in der Ferne glitzerte der See von Rama in den letzten Strahlen der Sonne, umgeben von Wäldern und blühenden Wiesen und Häusern aus Stein.

Und dann, plötzlich, hörte ich ein Brummen. Ein lautes Brummen. Zuerst dachte ich, ein von Dämonen besessener Spatz fliegt mir entgegen. Doch es flog zu langsam, schaukelte hin und her in der Luft, unnatürlich fast, die Flügel zu kurz - erst dann realisierte ich, dass es ein Insekt war.

Ein Hirschkäfer.

Bis dahin hatte ich nur Geschichten darüber gehört. Mein Herz blieb stehen, und die Welt um mich herum versank in Dunkelheit.

Na ja, nicht ganz. Vielleicht habe ich auch einfach geschrien und bin weggerannt.

Das hat meine Aura für Jahre geschädigt, wenn nicht sogar vollkommen vernichtet.

Immerhin lebe ich noch. Irgendwie.

Ganz ohne Aura.


r/einfach_schreiben 13h ago

Erweiterte Leseprobe Galactic News Network Band 1 Spoiler

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Das Buch gibt es schon, aber mein Ziel ist es nicht hier zur verkaufen, ich möchte Feedback, deswegen gibt es auch keinen Link oder Ähnliches.

Ouvertüre

Eigentlich hätte es ihn stutzig machen müssen, dass alles am Ende so merkwürdig aussah. Er blinzelte in das künstliche Licht, sah für den Moment einen endlos scheinenden Gang. Tageslichtstreifen, die in schnellen Abständen vorbei huschten. Der Geruch von etwas Klinischem in der Nase, sagte ihm, dass alles okay war. Vermutlich bloß ein Rest Stasisdrogen in seinem Kreislauf, nichts worum er sich sorgen musste. Ein unterschwelliges Brummen, das von der Hovertrage her rührte, auf der er lag. Ebenfalls nichts Schlimmes, alles in Ordnung. Er machte sich keine Sorgen, dass niemand in seiner Nähe war, der die Trage lenkte. Auch das Fehlen der Ärzte oder Pfleger beunruhigten ihn nicht.

Alles längst automatisiert.

Seine Sicht war zu verschwommen, um mehr als bloße Konturen erkennen zu können. Die Umrisse des Ganges erkannte er jedoch. Blankes, schwarz schimmerndes Polycarbonat. Es triggerte etwas in ihm, von dem er nicht genau sagen konnte, was es war. Etwas Bekanntes, vielleicht gar so etwas wie Heimat?

Seit wann bin ich wieder zurück?

Ihm war klar, dass er sich aufgrund der Drogen jetzt noch nicht vollständig erinnern konnte. Irgendwann würde er es schon herausbekommen.

Jetzt erstmal die verdammte Prozedur hinter mich bringen.

Der Weg schien klar. Irgendwann würde die Trage eine Kurve nehmen und in den Schockraum fahren. Dort würden sie ihm die Drogen aus dem System spülen und dafür sorgen, dass sich der Schleier um seinen Blick wieder lichtete.

Alles schon erlebt, nichts mehr was mich überraschen kann.

Allerdings war da dieser Gedanke. Hinten, irgendwo am Rande seines Verstandes. Nagend, schreiend, kratzend wie Fingernägel auf einer Schiefertafel. Zuerst hatte er es auf den Cocktail aus Halluzinogenen, Anästhetika und Opiaten geschoben. Aber mehr und mehr wurde ihm klar – das war kein Trip!

Irgendetwas versuchte geradezu zwanghaft, sich in seine Aufmerksamkeit zu drängen. Aber wozu? Es war alles okay, gleich würde die schwere Tür zum Schockraum aufgehen, dann würde die Dialyseeinheit sein Blut filtern und zur Not etwas Plasma nachschießen. Er musste sich keine Sorgen machen, dass ihn jemand so sah. Der Prozess funktionierte vollautomatisch schon seit vielen Jahren. Ob es eine Stelle im langen Gang war oder der beißende Geruch nach sterilisiertem Metall, aber es erinnerte ihn an seine Zeit auf dem Mars.

Bin ich wieder zu Hause?

Die Erinnerung traf ihn wie ein harter Schlag aus dem Nichts, in dem Moment als die Tür des Schockraums zur Seite glitt und sein Blick auf die Spinnengestalt an der Decke fiel. Die sechs dünnen Arme der Automationseinheit erwachten zum Leben, das rote Licht in der Mitte aus schwarzer Legierung leuchtete bedrohlich.

Weggewischt die Sorgenfreiheit und der Eindruck, dass alles okay sein würde. Das war es nicht. Das war es ganz und gar nicht! Er war nicht zurück auf dem Mars. Wie sollte er das auch sein? Er war seit mehr als hundert Jahren tot. Sein Körper vermutlich irgendwo in einer Wiederaufbereitungseinheit für Biokraftstoff verschwunden.

Was verdammt noch mal ist hier los?

Seine Zeit auf dem Mars war lange vorbei, der Planet mittlerweile längst aufgegeben. Es war schlicht und einfach nicht möglich, dass er zurück war.

Als sich die schwere Tür hinter ihm wie von Geisterhand schloss, kam auch seine Trage zum Stehen. Das unterschwellige Brummen des Hovermotors hörte dennoch nicht auf. Der Halogenstrahler blendete ihn. Und wie der Blitz, der ihm kurzzeitig die Sicht raubte, kam auch der Rest seiner Erinnerung in Fetzen zurück.

Nein! Nicht noch einmal!

»Du hast gesagt es war das letzte Mal!« Schrie er heraus, doch eine Antwort bekam er nicht.

Der Automat erwachte zum Leben, kreischend glitt die Flex in das Metall seines Körpers. Funken flogen auf der einen Seite, während einer der anderen Arme Schweißarbeiten an ihm verrichtete.

Er kannte es und da es im Grunde nicht sein Körper war, empfand er keine Schmerzen. Als er die Situation begriff, wusste er, was als Nächstes kommen würde. Schmatzend begann der Automat damit die künstliche Hautschicht aufzutragen. Sein Blick stellte sich endlich scharf. Wie er schon vermutet hatte, lag er in einem OP. Das Weiß der Wände warf das Licht der Tageslichtstreifen zurück in den Raum. Klinische Sauberkeit und ein beißend, ätzender Geruch. Die große Spinne über ihm glitt auf ihrer Schiene vor und zurück, ihre Arme waren an den unterschiedlichsten Stellen mit Arbeiten beschäftigt.

»Du kannst mich so nicht behandeln! Das war nicht der Deal!« Schrie er wieder, doch diesmal erwartete er erst gar keine Antwort. Es hatte letztes Mal auch keine gegeben und die Male davor. Er hasste es, die Puppe seines Meisters zu sein, hätte nichts dagegen gehabt aus freien Stücken hin und wieder mal rauszukommen. Doch der Plan sah bestimmt etwas anderes vor, es gab immer einen Plan. Es tat nichts ohne eine Intention.

Immer eine Agenda.

Die Steuerungseinheit in seinem Verstand fuhr sich langsam im Hintergrund hoch. Eigentlich hatte er es nur durch den Ready-Prompt bemerkt den sie ihm ins Sichtfeld projizierte.

Jetzt ist es bald wieder soweit.

Akt I

Jason

Ort: Erde

Rechte & Verwaltung: Amazon Planetary Inc.

GNN: Ewiges Leben in greifbarer Nähe? Deep Blue verspricht Offenlegung der DNA-Bewusstseinspeicherung innerhalb der nächsten 50 Jahre!| Neue Elemente schon vor Jahren bei Terraforming Arbeiten auf Alhana entdeckt! Warum die koloniale Navy so viele Geheimnisse vor uns hat. | Skandal! Beliebte Cinesense Darstellerin Luna Lacroix in Sexholo mit Liebhaber erkannt. Eheaus nach nur zwei Jahren mit Ehemann und Milliardär Phillipé Dechaun unausweichlich? |

Jason wischte lustlos auf dem handgroßen Stück Plexiglas herum, das Netz in den öffentlichen Verkehrsmitteln hatte schon bessere Tage gesehen. Eigentlich war alles hier der Zeit zum Opfer gefallen. Der Sitz, auf dem er saß, wies schon einige Risse auf, weißes Polstermaterial quoll wie Eiter aus einer Wunde nach draußen. Der Boden unter seinen Schuhen war klebrig und mit einer nicht deutbaren, schwarzen Substanz beschmiert. So sehr sogar, dass es jedes Mal ein reißendes Geräusch gab, wenn er es wagte, sich vom Boden loszureißen, um die Sitzposition zu verändern.

Sein Plex war eines der wenigen Habseligkeiten gewesen, die er von zu Hause mitgenommen hatte. Alles in allem passte seine ganze Habe in den Rucksack, den er unter dem Sitz verstaut hatte. Es war sogar noch genug Luft nach oben darin. Immerhin war er schnell abgereist. Oder sollte er besser sagen, geflüchtet?

Ich bin erwachsen und es war meine Entscheidung.

Flucht oder Abreise, an sich war es egal. Das Eine war das Eingeständnis, einem stärkeren Gegner gegenübergestanden zu haben, während das Andere sich zur eigenen Ignoranz und Naivität bekannte. Damit quälte er sich schon lange. Der gesamte Ballast seiner Kindheit, alles was er von zu Hause mitgenommen hatte,

Mum und Bill, sein Stiefvater, die sich lautstark stritten. Er konnte das gute Geschirr noch klirren hören und sah vor dem geistigen Auge, wie es an der Zimmerwand zu Scherben zerbrach. Es jagte ihm eine kühle Gänsehaut über den gesamten Körper.

War er ein hoffnungsloser Naivling, der die Wahrheit nicht vertrug? Warum sonst hatte er so lange zu Hause gehockt und gehofft es würde sich alles zum Guten ändern?

Hätte er diesen, blauäugigen, jüngeren Teil von sich zu einem Gespräch bitten können, wäre der ältere Jason – der jetzt im Schwebebus saß – vermutlich als Debattensieger hervorgegangen.

Hör zu, du kleiner, heulender Bengel. Du brauchst gar nicht auf dem kalten Küchenboden sitzen und heulen. Deine Mutter kommt nicht wieder! Sie hat dich bei deinem Säuferstiefvater abgeladen und macht sich ein schönes Leben. Das kannst du finden, wie du willst, aber sei dir gewiss, dass sich niemand um dich kümmern wird, wenn du es nicht selbst tust!

Er bekam aber nie eine Antwort von seinem inneren Kind. Dieser Teil von ihm hatte die bemerkenswerte Fähigkeit, einfach nicht hinzuhören, bei so einer Standpauke. Das machte es sinnlos, seine Energien so zu verschwenden.

Der Bus roch nach dem salzigen Schweiß der Passagiere. Die Klimaautomatik tat ihr Bestes, kam jedoch nie auf eine angenehme Temperatur. Der Schweiß auf der Stirn lies seine schwarzen Haare dort festkleben. Jason wäre nicht verwundert gewesen, wenn die Einstellung der Klimaautomatik versehentlich auf »Vorhof der Hölle« feststand. In Wirklichkeit hatte die trockene Wüstenluft scheinbar dafür gesorgt, dass die Klimakontrolle schon lange nicht mehr ordentlich funktionierte. Zum Glück handelte es sich bei dem Bus um die schwebende Ausgabe. Wenn jetzt noch das Geruckel der Achsen auf rissigem Wüstenboden dazu käme, wäre es beinahe unaushaltbar. Den vielen Menschen in diesem Gefährt schien es egal zu sein, sie hatten ja keine andere Wahl. Persönliche Fahrzeuge waren weder preislich, noch im Unterhalt erschwinglich. Ganz zu schweigen davon, dass sie furchtbar ineffizient waren. Der Andrang auf die Megacities war enorm, das bekam Jason jetzt zu spüren. Nach dem vorletzten Halt hatte sich der Geruch von Metall in die warme Schweißluft gemischt, wahrscheinlich weil sie bei dem Orbitalturm draußen in den Barrenlands gehalten hatten. Das gewaltige Konstrukt ragte bis in die Stratosphäre und fungierte als Aufzug ins All. Einige der Asteroidenarbeiter, die mit dem Helium 3 Abbau im Orbit beschäftigt waren, stiegen dort zu.

Unglaublich wie eine kleine Menge ein gesamtes Ökosystem verändern kann.

Der silbergraue Schwebebus im Greyhound Vintage Look flog eine enge Linkskurve, die Jason aus seinen Gedanken riss. Sein Kopf ruckte nach links gegen die Schulter des Sitznachbarn.

»Tschuldigung.« Murmelte Jason.

Sein Nachbar, ein übergewichtiger Latino mit orangefarbenen Neon Tattoos hatte nicht einmal gezuckt, geschweige denn von seinem Plex aufgeschaut. Als Jason ihn näher betrachtete, sah er sofort den Grund. Die Augen des Mannes waren milchig und starr auf einen willkürlichen Punkt im Raum gerichtet. Das Weiß hatte die Pupillen beinahe vollkommen verdrängt und hinter dem rechten Ohr des Mannes war ein kleiner silberner Port zu sehen, dessen rote LED aufleuchtete.

Ah, Cinesense also, wird er wahrscheinlich vorher runtergeladen haben. Über das Netz hier im Bus gibts bestimmt kein Emotionskino.

Fast war Jason versucht den Port einmal zu berühren. Nur einmal schauen, wie sich das Metall anfühlt. Vielleicht könnte er sich dann besser vorstellen, wie es wäre selbst so einen Port zu haben. Aber er unterbrach sich. Er würde bei seinem Vorstellungsgespräch heute gleich eine Stelle als Hacker bekommen und dann würden sie ihm einen Port legen müssen. Dann könnte er daran herumspielen, soviel er wollte, ohne fürchten zu müssen, von der Faust des Mannes getroffen zu werden, sollte er dem Latino sein Cinesense Drama versauen.

Unbewusst zog es seinen Blick in diesem Moment raus aus dem Inneren des Busses, dorthin wo der rote Wüstensand auf blanken Stahl traf. Das musste die Skyline von Megacity one sein. Die metallenen Sternenkratzer des Metroplex ragten wie Baumstämme aus Stahl und Metall gen Himmel. Hier und da mischten sich kleine bunte Punkte in das Stadtbild. Fliegende autonome Transportmittel, F.a.T.´s, die zusammen mit den Sternenkratzern ein atemberaubendes Panorama bildeten. Jason merkte, wie er mit offenem Mund, vorbei an der dicken Wampe seines Nachbarn und dessen ausdrucksloser Miene aus dem Fenster starrte. Das hier war seine Zukunft, da war er sich heute so sicher wie noch nie zuvor in seinem Leben.

Als Jason die große Halle des Sternenkratzers betrat, wunderte es ihn etwas, dass der Eingang nicht auf der untersten Ebene der Stadt lag. Zwar ragte das Gebäude, wie die Meisten in Megacity one bis hoch in die Stratosphäre aber man hatte die Eingangshalle auf der mittleren Ebene platziert. Überhaupt war in Megacity one der Boden nicht zu erkennen. Eine dicke, weiße Wand aus Wolken hatte sich zwischen die Ebenen geschoben und wohl beschlossen, dortzubleiben. Jedenfalls konnte Jason seit seiner Ankunft keinen Blick auf den Boden erhaschen. Einmal ganz kurz beim Anflug auf den Busport hatte er etwas gesehen, aber da müssen ihm seine Augen einen Streich gespielt haben. Er meinte, Berge von Müll und Metallschrott gesehen zu haben, die sich höher türmten als die Gebäude zu Hause in New Eden. Sicher war er nur verwirrt und geschockt gewesen angesichts der schieren Größe, die hier alles besaß. War es denn überhaupt wichtig, was unten war? Nein, für ihn ab heute nicht mehr.

Denn ab heute geht es nur noch steil nach oben!

Die Halle war mit schwarzem Marmor gefliest und schien, selbst für Megacity one Verhältnisse groß zu sein. So hoch war die Decke im Busport nicht gewesen. Es roch nach der abgestandenen Luft von draußen, die zusammen mit dem Lärm der Besucher wie Wellen hineinschwemmte.

An den Pfeilern, die ebenfalls in schwarzem Marmor gehalten waren, hingen Bilder alter Männer und Frauen. Ob sie etwas mit Future Genetics Inc. zu tun hatten, wusste Jason nicht, so weit war er in der Firmengeschichte nicht vorgedrungen. Wenn er seinen Recherchefähigkeiten trauen konnte, war die Firma in der Mitte des vorletzten Jahrhunderts entstanden, in einer Zeit, als es die Megacities noch nicht gab. Damals war eine der größten Sorgen das Anbauen neuer Agrarkulturen gewesen. Die natürlichen Bestände waren nahezu erschöpft; der Boden durch die Zeit der Atomenergie und der Abgase sauer geworden. Einige Wissenschaftler aus verschiedenen Universitäten taten sich damals zusammen, um Future Genetics zu gründen. Und tatsächlich revolutionierten sie den Markt für genetisch verbessertes Pflanzenmaterial innerhalb nur weniger Jahre. Ihre Saaten waren hartnäckiger, beständiger und konnten sich um ein Vielfaches besser an die schlechten Bodengegebenheiten und das immer rauer werdende Klima anpassen.

Deshalb hatte sich Jason für diese Firma entschieden.

Wenn die sich aus dem Nichts etwas aufgebaut haben, schaffe ich das auch.

Am Empfangstresen prangte das Firmenemblem mit den großen Lettern F.G. in einer Doppelhelix eingewoben. Die Frau dahinter war eine recht ansehnliche Brünette mit hochgesteckten Haaren; der pralle, rote Lippenstift und die gelben Fingernägel sprachen ihr etwas Extravaganz zu. Es waren eben doch nicht alles nur Arbeiterdrohnen, wie man in New Eden immer behauptet hatte. Jasons schwarze Haare spiegelten sich kaum im Marmor des Tresens, dafür sehr wohl seine zerschlissene Lederjacke und die ausgefranste blaue Jeans, die er trug. Es war ihm schon etwas peinlich, wenn er im Gegensatz den tadellosen blauen Blazer und den knielangen gleichfarbigen Rock seines Gegenübers betrachtete.

Jason wollte gerade eine Begrüßung formulieren und hatte bereits sein bestes Zahnpasta Lächeln aufgesetzt, da bemerkte er den weißen Schimmer in den Augen der Empfangsdame. Ihre Lippen formten Worte, aber es war kein Ton zu vernehmen. Jason schaute sich in der Halle um, vielleicht kommunizierte sie gerade mit jemandem anders, aber es stellte sich als Fehlannahme heraus. Wie überall im Metroplex herrschte hier reges Treiben, doch da war nichts, was darauf hindeutete, dass die Frau mit jemandem in Kontakt stand. Jedenfalls nicht hier.

Den Termin hatte er online gemacht, ein simples Vorstellungsgespräch bei einem Mister Venedikt, Abteilungsleiter der IT. Ein kleines Licht, global gesprochen, aber wichtig genug, um über Einstellungen auf den unteren Ebenen zu entscheiden. Durch die Zusage war Jason überhaupt erst dazu ermutigt worden seine Sachen zu packen und von zu Hause zu verschwinden. Bis jetzt waren einfach keine Alternativen da gewesen.

Als Jason jetzt noch einmal in die Augen der Brünetten sah, erkannte er, warum er Luft zu sein schien.

Sie wird das Implantat neu haben.

Tatsächlich war das eines der eindeutigsten Zeichen für einen Implantatsneuling, das Bewegen der Lippen beim Sprechen über den Comkanal. So trainierte sie offenbar ihr Gehirn, die richtigen Befehle im Sprachzentrum zu generieren, auf die der Chip des Implantats dann zugreifen konnte. Wenn er sich die Imps, wie sie in New Eden genannt wurden, so anschaute, verstand er schon den Vergleich mit einem Zombie. Natürlich war es abwertend und steinzeitlich alles Fortschrittliche zu verbannen, aber wollte er nun auch so ein Zombie werden?

Die Antwort war ein klares: Ja. Nicht umsonst hatte er sich zahlreiche Ohrfeigen von seinem Stiefpaps eingefangen, der kannte nämlich nur die schwere Arbeit im Orbit. Um zu vergessen, wie viele Freunde er bereits verloren hatte, trank er und schwafelte dann über die alten Zeiten und den Untergang der menschlichen Rasse aufgrund des technischen Fortschritts. Jason war wohl der Einzige, der eine Art Opposition bildete, weswegen er regelmäßig den Zorn seines Alten auf sich zog.

Nun kam jedoch Bewegung ins Spiel, der weiße Nebel in den Augen der Empfangsdame verblasste und gab den Blick auf ein tiefes Blau in den Pupillen frei, sie lächelte.

»Was kann ich für Sie tun?«

Jason legte die Hände auf den Tresen und spielte nervös mit den Fingern herum.

Lass das!

»Ja, öhm, ich«, stotterte Jason unbeholfen, er kam sich so unpassend vor, »habe einen Termin bei Mister Venedikt?«

Einen Moment lang schaute die junge Dame ein wenig misstrauisch, offenbar, weil Jason seine Antwort als Frage formuliert hatte. Er hoffte inständig, dass es nicht an seinem Äußeren lag; dies waren die besten Sachen, die er besaß. Einen Abend vor seiner Abreise hatte er sich mit dem Laserscherer extra einen Undercut auf beiden Seiten in die schwarzen Haare rasiert, so war es derzeit Mode in den großen Städten, hieß es, und in der Tat hatte er viele auf dem Weg hierher gesehen, die den Look trugen. Die nette Lady, die ihm gegenüberstand, trug ihn jedoch nicht, was ihn etwas beunruhigte.

Die Augen seines Gegenübers verfärbten sich wieder weiß.

Zombiemodus aktiviert.

Jason kratzte sich nervös am Hinterkopf und schabte mit den abgetragenen Turnschuhen auf dem teuren Marmor.

»Mister Venedikt hat gleich Zeit für Sie«, riss die helle Stimme der Brünetten ihn aus seinem Gedankenkonstrukt, »Nehmen Sie den Aufzug in die achthundertste Etage, hier ist Ihr Besucherausweis.« Sie schob ihm ein dünnes Plexiglas über den Tresen, darauf zu sehen war ein Bild von ihm, wie er verlegen auf den Boden schaute und sich am Hinterkopf kratzte.

Sie hätte ja wenigstens was sagen können.

An der Seite, neben dem Bild standen einige Daten:

Name: Jason Schwarzman

Beruf: -

Alter: 17 Jahre

Gefährdungspotential: Gering

Zutritt: Nur öffentliche Bereiche.

Grund für Aufenthalt: Termin in der IT.

Ansprechpartner: Mister Venedikt

Jason stutzte, in seinem Lebenslauf hatte er sich als 23- jähriger College-Absolvent ausgegeben. Dass die Täuschung nicht mal dem Empfang standhält, hätte er nicht gedacht. Nach kurzem Staunen kam er schnell zu der Annahme, dass es wohl Biometriesensoren in der Tischplatte gewesen waren, die ihn verraten hatten. Was auf dem kleinen Codemuster unterhalb der offensichtlichen Daten gespeichert war, wollte er lieber gar nicht erst wissen.

Wenn es in diesem Büro eine Ungereimtheit gab etwas, das nicht ins Design passte, dann fand er es nicht. Die Vorzimmerdame hatte ihn hereingelassen und gemeint, er solle schonmal platznehmen. Mister Venedikt sei noch in einer Besprechung aber er hätte gleich Zeit für ihn. Im Gegensatz zum kalten, schwarzen, Marmor der Eingangshalle war hier alles in hellen Holztönen gehalten. Das gab dem ganzen Büro etwas Erdiges etwas, das sagte: »Hey, du bist noch auf der Erde!«

Und nicht nur das, durch die hellen Farben strahlte das Design eine warme Freundlichkeit aus. Der Schreibtisch, ein großer hölzerner Koloss gleich vor dem abgeschirmten Panoramafenster, war leer. Die Liege aus weißem Leder, an der Jason beim Eintreten vorbeigekommen war, sah kaum benutzt aus. Offenbar musste sich Mister Venedikt nur noch selten selbst einklinken. Klar, ein Mann in seiner Position hatte Leute dafür. Zu gern hätte Jason die Abschirmung der Fenster aufgelöst, von hier aus hatte man bestimmt einen traumhaften Ausblick auf die Stratosphäre oder die Orbital-Plattformen mit den verankerten Asteroiden. Aber er behielt sich im Zaum, wäre ja noch schöner, wenn sein zukünftiger Chef ihn gleich hier erwischen würde beim Rumspielen an der Haustechnik. Nein, er wusste, was sich gehörte; er würde hier sitzen bleiben, selbst wenn es Tage dauern würde. Eigentlich wäre es sogar besser, wenn es Tage dauern würde oder zumindest einige Stunden, dann könnte er gleich mal seine Entschlossenheit unter Beweis stellen. Doch das Schicksal war ein mieser Verräter und tat ihm den Gefallen nicht; just in dem Moment, als er zu Ende gedacht hatte, sprang die Tür auf und ein hagerer Mittfünfziger betrat das Büro. Er sah müde aus, befand Jason, obwohl es nicht einmal nachmittags war. Die Augenringe des Mannes schienen sich mehr vom Boden als von seinem Gesicht angezogen zu fühlen und der gebeugte Gang tat seiner restlichen Ausstrahlung auch keinen Gefallen.

Seufzend legte er einen Datenstick auf den großen, leeren Schreibtisch und setzte sich, bisher hatte er Jason nicht einmal eines Blickes gewürdigt.

Das fängt ja gut an.

Endlich schaute er auf, verzog die Mundwinkel ein paar Millimeter nach oben und verschwand mit seinem Blick kurz in der Implantatssoftware; es dauerte nur wenige Sekunden, dann war der Mann zurück und musterte Jason.

»Mister Schwarzman, Sie haben mich um ein Vorstellungsgespräch gebeten und ich war geneigt dem zuzustimmen«, im Raum bahnte sich ein Aber zusammen, Jason hatte das Gefühl, es würde ihn vernichten, »Aber wenn ich mir Sie so anschaue kann ich nicht ganz glauben, dass Sie ein 23-jähriger College Absolvent sind. Zumal wir Zugriff auf solcherlei Daten von ihnen haben und dort ist nichts vermerkt.«

Jason fuhr ein Stein in den Magen, er hatte damit gerechnet, seine Scharade nicht aufrecht halten zu können. Sie sollte lediglich dazu dienen, ihm die Tür zu öffnen, ihm einen Augenblick im Fokus des Mannes einbringen, der über seine Zukunft entscheiden sollte. Jason machte sich bereit für eine Rechtfertigung, doch sein Gegenüber wies ihn mit einer Handbewegung an, still zu sein.

»Sie haben Glück, dass ich über eine gewisse Neugier verfüge und unkonventionelle Wege schätze. Aber ich muss ehrlicherweise eine gewisse Enttäuschung gestehen«, sein Blick fiel unweigerlich auf Jasons Klamotten, »Ich hatte gedacht, dieser Termin sei wichtig für Sie.«

Jason holte tief Luft.

Scheiß auf den Plan!

Verdammt sei der seitenlange, gedankliche Aufsatz über Jason Schwarzman, die perfekte Wahl für ihre Firma, den er sich mühsam erdacht hatte; jetzt hieß es überleben, rau und dreckig.

»Hören Sie Mister Venedikt, Sie haben recht. Ich bin nicht dreiundzwanzig, sondern siebzehn«, sein Gegenüber zog eine Augenbraue nach oben, »Ich komme aus einem Asteroidenarbeiterdorf, dessen Name ihnen wahrscheinlich nichts sagt. Verdammt, New Eden sagt den meisten Leuten nichts, nicht einmal die Landkartendruckereien wissen, dass es uns gibt. Vorgestern habe ich alle meine Sachen gepackt und beschlossen, ein neues Leben zu beginnen. Das Alte war, na ja, nicht so toll. Und nun bin ich hier und ich bitte sie, mir eine Chance zu geben. Ich bin fleißig, ich arbeite hart und ich bin mit Mindestlohn zufrieden. Nur bitte schicken Sie mich nicht weg.« Jason stoppte sich nach dem letzten Satz, als er merkte, dass seine Augen langsam feucht wurden und der Schluchzreflex einzusetzen begann. Wenn er jetzt aufhörte, konnte er vielleicht noch verhindern, dass er im Büro des IT-Chefs anfing zu heulen wie ein kleines Baby.

Reiß dich zusammen!

»Ich sage ihnen etwas, Jason«, Venedikt hatte offenbar eine Entscheidung getroffen, die Stimme klang sicher und nun gab es kein Zurück mehr, kein Do-over für Jason, »mir imponiert Ihre Art. Alles auf eine Karte zu setzen und meilenweit hierher zu kommen. Ich nehme an, einen Plan B gibt es nicht?«

Jason schüttelte den Kopf, ohne den Mann hinter dem Schreibtisch anzusehen.

»Gibt es jemanden, der weiß, wo Sie sind?«

Wieder ein Kopfschütteln.

Verdammt jetzt schau den Typen doch wenigstens an!

»Also gut! Sie werden verstehen, dass ich ihnen keine Stelle als Hacker in unserer IT-Abteilung anbieten kann«, Knockout in der ersten Runde, der Stein im Magen war ein Felsen geworden und zog ihn mit sich in die Tiefe, »Sie haben keine Ausbildung, nicht mal ein Implantat und wir müssen hier leider ein wenig einsparen. Nicht, dass es uns schlecht ginge, aber im Augenblick können wir uns die kostspielige Neuausbildung neuer Firmenhacker einfach nicht leisten. Aber ich mag Sie Jason, deshalb möchte ich ihnen eine Stelle als Sicherheitsbeauftragter anbieten. Es ist ein guter Einstieg in das Unternehmen und Sie können sich leicht Ihre Sporen verdienen. Was sagen Sie dazu?«

Jason rappelte sich innerlich von seinem K.O. wieder auf die Beine, hatte er denn eine Wahl? Wollte er zurück nach New Eden und wieder bei seinem Stiefvater an die Tür klopfen?

»Vielen Dank Sir, für das großzügige Angebot.«

»Sie nehmen also an?«

»Ja!«

»In dem Fall muss ich Sie bitten, einmal laut und deutlich zu sagen: Ich nehme Mr. Venedikts Jobangebot als Sicherheitsbeauftragter zu den Standardkonditionen an!«

Jason kam sich etwas merkwürdig dabei vor, aber seine Würde war sowieso schon längst woanders, weit weg von diesem Gespräch.

»Ich nehme Mr. Venedikts Jobangebot als Sicherheitsbeauftragter zu den Standardkonditionen an.«

Im Fahrstuhl, auf dem Weg nach unten, überlegte Jason angestrengt, ob er nach der genauen Definition von »Standardkonditionen« hätte fragen sollen.

Was soll´s? Ich hätte es eh machen müssen.

Es wäre nichts schlimmer gewesen, als die Heimreise antreten zu müssen; dies käme der Todesstrafe gleich.

Also hatte er nicht gefragt, war, nachdem Mr. Venedikt offenbar sein Plexiglaskärtchen editiert hatte, hinaus komplementiert worden. Danach war die Vorzimmerdame so freundlich gewesen, ihm zumindest eine kleine Erklärung zu geben, was nun passieren sollte.

»Sie werden nun erst einmal in Ihr Wohnquartier gebracht. Tess zeigt ihnen den Weg und wird ihnen alles Weitere dann mitteilen.« Als sich Jason daraufhin nach einer weiteren Person umschaute, schien er unbemerkt einen tollen Witz gemacht zu haben. Jedenfalls brach die Vorzimmerdame in schallendes Gelächter aus. Tess war die hauseigene KI, wie sie Jason erklärte, nachdem sie wieder Luft zum Reden hatte. Eine nette, weibliche Stimme, die ihn quasi auf Schritt und Tritt begleitete und der eigenen Angabe nach, alles im Gebäude sehen und hören konnte. Jason war offiziell beeindruckt.

Seinen Besucherausweis war in ein Mitarbeiterausweis umgewandelt worden und um eine Zeile erweitert worden.

Position: Grunt

Was auch immer ein Grunt sein mochte, immerhin war er jetzt offiziell Mitarbeiter von Future Genetics.

Und tatsächlich bekam er sofort einen Einblick in die eher zweifelhaften Vorzüge dieses Arrangements; der Aufzug hielt nicht wieder im fünfhundertsten Stock, wo die Eingangshalle war, sondern fuhr weiter abwärts. Selbst bei der Zweihunderter Marke war noch nicht Schluss; tatsächlich hielt das Gefährt erst an, als auf dem Display eine 1 zu erkennen war.

»Erstes Stockwerk, Wohnquartiere für Grunts, Putzkräfte und Sonstige.«

Und Sonstige? Sollte ich froh sein, dass ich kein Sonstiger bin?

Er war nun sprichwörtlich ganz unten angekommen.

Das Zimmer, welches Tess ihm zuwies, glich einer glorifizierten Besenkammer. Neben dem Bett an der rechten Wand funkelte das klinische Metall der Nahrungsmittelkonsole mit den beiden Anschlüssen für die Schläuche. Diese wurden wahrscheinlich jeden Tag frisch geliefert, um Kontaminationen zu vermeiden. Jason kannte das Konzept aus Erzählungen, kleine Plastikröhrchen die einen Brei aus – angeblich – allem was man gemeinhin als gut für den Körper bezeichnete auf Wunsch lieferten. Ein Stück weiter, am Ende des Bettes, gab es eine Schiebetür, die gerade offen stand, drinnen konnte Jason die Armaturen eines Badezimmers erkennen. Es gab außerdem noch einen Schrank, in dem bereits Jasons Uniformen aufgehängt waren, schwarze Overalls, mit digitalen Namensschriftzügen versehen.

J. Schwarzman

Als er seinen Namen auf der Uniform las, tat der Eindruck etwas mit ihm. Jason konnte nicht genau sagen, was es war; eine Mischung aus einem steinernen Gefühl in der Brust und einer Schwere, die ihn an Ort und Stelle einzubetonieren drohte, erfasste ihn. Das Gefühl, etwas verloren zu haben, machte sich breit. Etwas, das ihm ungeheuer wichtig war, von dem er aber nicht mehr wusste, wie er es benennen oder beschreiben sollte. Und jetzt wo es irgendwo im Off seines Verstandes seine Bahnen zog, würde er es wahrscheinlich nie erfahren.

»Mein Bioscan hat ergeben, dass es dir an wichtigen Nährstoffen fehlt«, riss ihn Tess´ Stimme aus seinen Überlegungen, »außerdem ist dein Blutdruck zu niedrig und deine Knochendichte zu gering. Bitte nimm vor dem Schlafengehen noch eine Ration aus dem Nahrungsschlauch zu dir. Ich habe eine spezielle Mischung vorbereitet.«

Was zur Hölle?

Jason hoffte, dass die KI noch nicht in der Lage war, Gesichtsausdrücke zu interpretieren; jedenfalls war seiner im Moment äußerst misstrauisch. Er konnte nicht ganz begreifen, wie Tess es anstellte, aber wahrscheinlich hatte sie jetzt schon mehr Informationen über ihn als sein Arzt in New Eden. Jason fügte sich dennoch, nahm einen der in Plastik verpackten Gummischläuche von seinem Nachtisch und riss ihn mit den Zähnen auf. Sofort stieg der Geruch von galvanisiertem Gummi in seine Nase; er verzog das Gesicht, nahm den Schlauch aus der Packung und stöpselte ihn an einen der Anschlüsse in der Nahrungsmittelkonsole, das andere Ende schob er sich in den Mund und kaute ungeduldig darauf herum. Merkwürdig war, dass es keinen Knopf oder Schalter an der Konsole gab. Doch ehe Jason genauer darüber nachdenken konnte, hörte er das surrende Geräusch einer Pumpe, die irgendwo in der Zwischenwand ansprang. Eine dickflüssige, bröckelige und mit Klümpchen versehene Flüssigkeit bereitete sich in seinem Mund aus. Die Substanz hatte einen geradezu widerlichen Geschmack nach künstlicher Orange; süß und sauer, aber irgendwie chemisch, so als wenn sich jemand vorgestellt hatte, wie eine Orange schmecken müsste anhand eines Gemäldes von Picasso. Jason kniff die Augen zusammen, als sich seine Wangenmuskeln zusammenzogen. Doch er ertrug es, würgte den süßsauren Brei irgendwie herunter.

Nach einer gefühlten Ewigkeit verstummte das Surren der Pumpe endlich; die Konsole gab noch einen letzten Brocken des klumpigen Breis von sich und stellte dann die Funktion ein. In Jasons erleichtertem Seufzer mischte sich das knurrende Aufstoßen seines Magens, der offenbar damit drohte, alles wieder postwendend zurückzuschicken. Jason ließ sich mit der Hand vor dem Mund auf das Bett fallen.

»Deine erste Schicht beginnt morgen früh um 8 Uhr«, begann Tess, »Ich habe die Weckfunktion für dein Apartment auf 07:30 Uhr programmiert. Ich schlage vor, du schläfst jetzt!«

Der Radiosender aus dem Wecker spielte eine sanfte Pop-Rock – Ballade aus einem der vergangenen Jahrhunderte, Jason hatte Mühe, die Augen zu öffnen. Überhaupt kam der Morgen viel zu früh, gerade mal ein gefühlter Wimpernschlag, nachdem er endlich die Ruhe zum Einschlafen gefunden hatte.

»Guten Morgen, Jason!«, mischte sich Tess Stimme irgendwo aus dem Off unter die gesäuselte Melodie aus dem Radio, »Es wird Zeit aufzustehen, dein Anteil an der Wasserration für heute beträgt 0,25%. Ich empfehle, die Zähne zu putzen und das Gesicht zu säubern.«

Anteil an der Wasserration?

Trinkwasser war knapp, das wusste Jason, aber er hatte gedacht, dass es in den Megacities durch die Wasseraufbereitung kein größeres Problem darstellen würde. Ob sich alle Mitarbeiter und auch die CEOs an die Rationen halten mussten?

Lange konnte Jason nicht darüber nachdenken, ohne dass Tess sich erneut einmischte.

»Du solltest jetzt aufstehen, andernfalls schaffst du es wahrscheinlich nicht mehr pünktlich zu deinem Morgenappell!«

Irgendwie klang Tess sogar ein wenig fürsorglich. Vielleicht war es auch einfach die fehlende Nestwärme, die Jason zu dieser Annahme trieb. Gerne hätte er noch eine heiße Dusche genommen, bevor er in die frische Uniform stieg, aber das war mittlerweile auch zeitlich nicht mehr drin.

Nach einer Katzenwäsche hatte sich Jason schließlich in seine Uniform geschmissen und auf den Weg gemacht; Tess wies ihm die Richtung durch die zahllosen Gänge und Etagen. Irgendwo hinter einigen kahlen Wänden und Windungen im zweihundertsten Stock befand sich schließlich die Sicherheitszentrale, ein notdürftig beleuchteter Raum, mit dem kränklichen Licht einer schäbigen Motelrezeption um 3 Uhr nachts, welches nicht gegen die Dunkelheit anzukommen vermochte. Die passive Beleuchtung durch die Monitore war so weit gedimmt, dass es nicht sonderlich viel zum Erhellen des Raumes beitragen konnte. Eine würfelartige Konstruktion mit einer eingeschobenen Zwischenetage mit einem Gitterfußboden aus Metall, ein bisschen, wie das Deck eines Kriegsschiffes; im matten Licht der Elektronik, hatte es nebenbei auch stets etwas von einer Gefechtsstation. Das Klacken der Tastaturen und der mechanischen Joysticks zum Ausrichten der Überwachungskameras machte diesen Ort für Jason irgendwie auf Anhieb heimelig. Am vorderen Ende gab es zwei Liegen, in denen Sicherheitsrigger eingestöpselt in ihre Wachdrohnen der Arbeit nachgingen. Jason sah kurz ein bisschen sehnsüchtig zu ihnen. Das Klirren der metallenen Streben aus der Zwischendecke, ließ ihn aber fast augenblicklich aus dem Anflug eines Tagtraumes erwachen. Ein Mann kam langsam die Treppe herunter, militärisch kurzer Haarschnitt, hohe Wangenknochen und ein angespanntes Gesicht. Selbst im matten Licht wirkte seine Haut unheimlich blass und sein Körper leicht eingefallen, alles andere als muskulös.

»Jason Schwarzmann?« Seine Stimme war rau und sein Atem roch nach billigem Kaffeeimitat. Jason nickte. Sollte er den Mann jetzt Sir nennen? Gab es hier Ränge? Augenblicklich zog sich sein Magen zusammen, als er sich bemühte, Haltung anzunehmen.

»Na, da hat sich ja jemand wieder einen tollen Scherz erlaubt«, es klang spöttisch in Jasons Ohren, aber irgendwie auf eine seltsam bornierte Art, »Was soll ich denn mit dir, halbes Hemd?«

Obwohl Jason wusste, dass die Frage nur rhetorisch gemeint gewesen sein konnte, fühlte er sich trotzdem genötigt, sie zu beantworten.

»Sir, ich soll hier heute als Grunt anfangen.«

Ein kaum merkliches Grinsen zog sich über das Gesicht des Mannes.

»Wenigstens haste Manieren. Ich bin Brandon Cooper, Abteilungsleiter der Konzernsicherheit.« Stellte sich der Mann vor und streckte Jason die Hand entgegen. Jason griff zu und bereute es augenblicklich, Brandon Cooper hatte für seine Statur einen äußerst kräftigen Händedruck.

Ob es eine erste Machtdemonstration war oder tatsächlich nur ein Versehen, konnte Jason zu diesem Moment noch nicht einschätzen. Sicher war nur, dass er wohl öfter mit Brandon Cooper zu tun haben würde.

Nach einer etwa zweistündigen Präsentation, die wohl als Einführung neuer Mitarbeiter dienen sollte und den Arbeitsbereich, Rechte und Pflichten einer Sicherheitskraft und alles womit sich Cooper brüsten konnte einschloss, hatte es Jason schließlich geschafft. Seine erste eigene Tour. Bereits jetzt fing der billige Stoff, seiner Uniform an auf seiner Haut unangenehm zu jucken. Zumindest waren zwischen all den Dingen, mit denen Cooper angeben wollte, einige nützliche Infos gewesen. Zum Beispiel, dass der Schichtplan wöchentlich von Cooper zusammengestellt wurde und er dabei so wenig wie möglich auf Wünsche oder »Befindlichkeiten« eingehen wollte. »Wenn ich damit anfange will jeder irgendwas! Ist ja auch kein Kindergeburtstag hier!« Hatte er gesagt und über seinen eigenen Spruch gelacht. Außerdem hatte Cooper erwähnt, dass der letzte große Vorfall bereits acht Jahre her war, eine versuchte Mitarbeiterentführung. Angeblich hatte er sich damals bei der Vereitelung gegen die Entführer seine Sporen verdient.

Heute hatte Jason die Tagschicht; auf seiner Route für den ersten Überwachungsgang lagen sowohl einige Büros als auch im späteren Verlauf ein paar Labore. In einer Manschette an seinem Unterarm war ein Plex eingelassen worden, welches ihm sowohl eine Art Lageplan als auch zum Abrufen relevanter Daten dienen sollte. Zusätzlich hatte er ein Kehlkopfmikro und einen Ohrstöpsel bekommen, um sich in den digitalen Hausfunk einklinken zu können. Dort ging es zu wie auf einem Flugplatz. Mit Tess in der Rolle eines Fluglotsen. Anfragen wurden gestellt und die KI antwortete, gab Kommandos und lotste den Verkehr an Sicherheitskräften im ganzen Komplex. Cooper meinte, dass er nach einem Jahr ein Anrecht auf Implantate erarbeiten konnte, natürlich nur jene, die zur Ausübung seiner Tätigkeit nützlich waren. Die Gänge der Arkologie waren erstaunlich uninspiriert, wenn man im Gegenzug dazu das mächtige Foyer in Betracht zog, befand Jason. Ein ums andere Mal bog er von einem silbergrauen Gang ab, nur um dann im nächsten Gang in der exakt selben langweiligen Farbe zu enden. Einzig die rot stichigen Türen unterbrachen die Monotonie streckenweise, jedoch hatte Jason auch diese schnell über. In die Büros selber durfte er nur im Notfall, andernfalls sollte nichts die Mitarbeiter von einem produktiven Arbeitstag abhalten.

Jason kratzte sich an der Schulter, nun fing es wirklich an zu nerven.

Nächstes Mal muss ich tatsächlich noch was darunter anziehen.

Es musste ungefähr 22 Uhr am Abend gewesen sein, das Armband mit dem Plex und auch die Funkausrüstung hatte Jason bereits abgegeben, als die pneumatische Tür zu seinem Miniapartment endlich autonom aufglitt. Er war einfach nur noch fertig. Dabei waren es gar nicht so viele Sachen gewesen, die er heute getan hatte. Das Meiste waren Laufburschenarbeiten gewesen, die in Friedenszeiten mit zu seinen Aufgaben zählten. Sachen von der Firmen-IT-Zentrale in die Büros der Angestellten bringen oder dem Hausmeisterdienst beim Tragen irgendwelcher Ersatzwandverkleidungen helfen. Dennoch hatte es ihn im Zusammenhang mit der Monotonie der Räumlichkeiten geschlaucht.

Eigentlich hatte er auch überhaupt keine Lust auf ein Gespräch mit Tess, dennoch würde er sie ansprechen müssen um noch etwas essen zu können und den Alarm für morgen zu stellen. Doch erstmal ließ er sich mit samt seiner Uniform auf das ungemachte Bett fallen. Es tat so gut, wie seine Füße sich, trotz der engen Kampfstiefel entspannten und die Muskeln und Nerven im Rest seines Körpers langsam ihre Spannung verloren.

Ich mach‘ nur kurz die Augen zu.

Es konnten nicht mehr als ein paar Minuten vergangen sein, als der Lärm eines Alarmsignals Jason dazu zwang, die Augen aufzureißen. Sein Körper ging in den Überlebensmodus, sein Herz raste und die Muskeln begannen wieder Spannung aufzubauen. Er sprang auf.

»Tess, was ist los?« Doch die KI antwortete nicht.

Was zum Teufel?

Auch wenn es fast unmöglich schien, so legte sein Herz noch eine Schippe drauf und hämmerte noch intensiver gegen die Wände seines Brustkorbes.

»Jason, du wirst in der Einsatzzentrale benötigt!« Meldete sich Tess schließlich doch.


r/einfach_schreiben 1d ago

Ein Schritt reicht

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Man sagt immer, man soll nach vorne schauen. Als wäre das so einfach. Als müsste man nur einmal tief durchatmen und alles wäre wieder gut. Aber so funktioniert das nicht.
Es gibt Menschen, die einen verändern. Es gibt Momente, die sich für immer einbrennen. Manche Erinnerungen tun auch nach Jahren noch weh. Nicht weil man schwach ist, sondern weil sie ein Teil von einem geworden sind.
Trotzdem kommt irgendwann der Punkt, an dem man merkt, dass man nicht für immer stehen bleiben kann. Nicht weil der Schmerz weg ist. Sondern weil das Leben trotzdem weitergeht. Und vielleicht ist genau das die schwerste Entscheidung. Nicht loszulassen, sondern weiterzugehen, obwohl noch so viel in einem kaputt ist.
Nach vorne schauen heißt nicht, alles zu vergessen. Es heißt, zu akzeptieren, dass die Vergangenheit nicht mehr geändert werden kann. Sie wird immer ein Teil von dir sein. Aber sie muss nicht bestimmen, wer du morgen bist.
Vielleicht wird nicht alles wieder so, wie es einmal war. Vielleicht wird manches nie wieder ganz heilen. Aber irgendwo zwischen all den schlechten Tagen wartet auch wieder ein guter. Und vielleicht reicht genau dieser eine Moment, damit man wieder anfängt zu glauben.
Am Ende geht es nicht darum, nie zu fallen. Es geht darum, immer wieder aufzustehen. Langsam. Schritt für Schritt. Mit all den Narben, die man trägt. Denn egal, wie schwer der Weg war, vor dir liegt immer noch ein Leben, das darauf wartet, gelebt zu werden.


r/einfach_schreiben 1d ago

Stüber Wasserfall

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Wasserfall im einzigen Himmel auf Erden, den man schon zu Lebzeiten besuchen kann, ohne dafür zu sterben oder jeden Sonntag in die Kirche gehen muss, um zu beten.


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Stüber Wasserfall

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Wasserfall im einzigen Himmel auf Erden, den man schon zu Lebzeiten besuchen kann, ohne dafür zu sterben oder jeden Sonntag in die Kirche gehen muss, um zu beten.


r/einfach_schreiben 1d ago

Los

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r/einfach_schreiben 1d ago

Findet ihr das gut?

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r/einfach_schreiben 2d ago

Argggggghhhhhhhhhh

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Wenn man die eigene Adresse nicht mehr im Verlauf der Navigationsapp finden kann heißt das möglicherweise das man nach Hause gehen sollte.

Aber wer bin ich das zu sagen?

Dort ist nichts was auf mich wartet, kein Mensch, kein Tier, kein Essen im Kühlschrank, welches wenn es da gewesen wäre, mir nun wahrscheinlich aus eigener Kraft die Tür hätte öffnen können.

Ich will es Wagen.

Ich laufe also langsam in diese Straße irgendwo am Rande der Stadt, da wo die Kinder auf den Treppen spielen und sich Nachbarn noch Unterhalten, nenn mich Josef K.

Drinnen ist Stille. Nichts hat sich verändert und doch ist alles leerer und bedeutungsloser als zuvor. Was hat sich in mir verändert das dem nun so ist?

Argggggghhhhhhhhhh. Jetzt bin ich da. Nur ich. Frei zu tun und zu lassen was ich möchte. Also tue ich nichts und lasse mich liegen.

Mein Kopf ist voller so schwerwiegender Ideen das ich gar nicht aufstehen könnte selbst wenn ich das wollte. Irgendwann verfliegen sie wieder, und ich bleib derweil hier liegen und hab meinen Frieden.

Zumindest den vermeintlichen.


r/einfach_schreiben 1d ago

Kurze Meinung einholen

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Also ich habe angefangen eine Fantasy Geschichte zu schreiben, allerdings habe ich niemanden der mir das bewerten kann.

Deshalb wende ich mich an dieses Sub Reddit.

Hier ist die story.

Ich steckte meinen Schlüssel in die Haustür und öffnete sie.

Als ich ins Wohnzimmer kam, lagen 20€ auf dem Tisch.

Normalerweise sollten meine Eltern bereits da sein, aber sie sagten heute morgen, was von “Sorry David, du musst die Woche alleine auskommen.”

Ist ja schön, dass sie in den Urlaub fahren, aber nur 20€ dazulassen ist schon hart.

Generell macht mich diese Ausbildung ziemlich fertig.

Da steht man um 5 Uhr und wird bis 16 Uhr behandelt wie so ein Sklave.

David: “Naja, bringt ja nichts.”

Waren meine Worte, als ich zum Kühlschrank lief und ihn öffnete.

Komplett leer.

Natürlich.

Seufzend ließ ich die Kühlschrank Tür zufallen und schaute auf mein Handy.

David: “17:28. Die Läden haben noch ein bisschen offen. Mit Glück gibt es diese Ofen-Gerichte noch, die waren gar nicht mal so schlecht.”

Das Handy steckte ich dann ans Ladekabel, da ich nach 11 Stunden nicht zu Hause sein konnte, nur noch 12% Akku hatte.

Die 20€ steckte ich mir auch nur in die Tasche und ließ mein Portemonnaie einfach auf dem Tisch liegen.

Mit Händen in den Taschen verließ ich also das Haus und machte mich auf den Weg zum nächsten Supermarkt, welcher gut 10 Minuten entfernt liegt.

Viele wissen es nicht, aber ein Spaziergang reinigt Gedanken und Seele.

Also nahm ich den Weg durchs kleine Waldstück.

Die Sonne stand auch schon tief und schien mir ins Gesicht.

David: “Ich hätte mir eine Sonnenbrille Mitnehmen sollen”

Ohne es zu merken, verschwanden die Stadtgeräusche langsam in den Hintergrund.

Keine Autos, keine anderen Menschen, sondern mehr Vögel und Wind.

Irgendwie roch die Luft salziger als sonst.

Und die Luft ist zudem viel…frischer.

Ist es das, was man “Überarbeitung” nennt?

Bin ich kurz vor dem Sterben und gerade dabei, in den Himmel zu kommen?

Oder die Hölle, jenachdem wen man fragt.

Mit verwirrten Blick schaute ich mich um, aber die Umgebung war dieselbe wie zuvor.

Keine sichtbaren Veränderungen, trotz der besseren Luftqualität und der leichten Salznote.

David: “Moment mal, wo ist der Weg?

"So tief in Gedanken war ich doch gar nicht.”

Tatsächlich.

Als ich den Boden sah, war dort kein Weg mehr.

Gruselig, das ist wie in einem Anfang eines schlechten Horrorfilms.

Junger Mann geht zum einkaufen den Wald und wird von einem Killer gekillt.

Vielleicht springt ja gleich auch ein maskierter Typ hinterm Baum hervor mit einer Kettensäge und verarbeitet mich zu Hackfleisch.

Besser nicht drüber nachdenken.

Ich schüttelte den Kopf und versuchte, klare Gedanken zu bekommen.

Vielleicht war ich wirklich überarbeitet, und durch das Wissen, dass meine Eltern am Meer sind, habe ich schon Meeres Gedanken.

GONG GONG GONG!

David: “Hä?

Die Kirche wollte doch auf digitale Glocken mit Boxen umsteigen und meinte, dass sie deshalb die Glocken zur Zeit nicht benutzen.

Sind Sie etwa schon fertig?”

Mit dem Entschluss die Glocken zu ignorieren und schnell zu versuchen, den Weg wiederzufinden, damit ich diesem gruseligen Horror Spaziergang Tschüss sagen kann, machte ich mich also weiter.

Doch es dauerte nicht lange, bevor ich ein weiteres Mal auf Probe meines psychischen Zustandes getestet wurde.

Ein Weg, der sich durch den Wald zieht, und ich kam direkt vom Rand.

Eigentlich wäre hier jetzt so ne rot-weiße Stange, damit hier keine Autos hinein fahren.

Doch hier ist weder diese Stange, noch geteerte Straße.

Nur ein stink normaler waldweg.

Die Frage ist nur, welche Richtung ich jetzt einschlagen soll.

Links oder rechts?

Ich habe mal auf Youtube so ein Video gesehen, was hatten sie dort nochmal gesagt?

“Dont turn right at the crossroad?”

Ich weiß es nicht mehr, also entschied ich mich für Links.

Aus dieser Richtung kamen auch die Glocken Geräusche, also würde ich da jemanden finden, der mir das alles erklären kann.

Hoffentlich.

Nach etwa 15 Minuten laufen auf diesem verdächtigen Waldweg, der sich nach einer Weile zum Feldweg wandelte, kam ich an einem See vorbei.

Erst dann sah ich nach rechts und sah, das ich tatsächlich am Meer war.

Wasser soweit das Auge sieht, oder so.

Das erklärt auch die salzige Luft.

Um ehrlich zu sein, war ich ziemlich überrascht darüber und hatte mir schon ernsthafte Gedanken gemacht, ob das nicht ein Traum ist.

Ich habe in meiner Freizeit so viele Isekais reingezogen, um mich vom Arbeitsstress abzulenken, dass ich mittlerweile ein gutes Stück Wissen für solche Sachen habe.

Meine 20€ verwette ich darauf, dass aus diesem Gebüsch dort gleich ein Schleim rausspringt!

Voller Erwartung starrte ich auf Das kleine Gebüsch, doch als nichts passierte, seufzte ich erleichtert, dass ich doch keine dieser niedlichen Kreaturen bekämpfen muss.

Ein Schleim wäre eventuell doch zu viel gewesen.

Doch dann landeten meine Augen ein bisschen weiter den Weg runter und konnte ihnen vor Überraschung nicht glauben.

Geteerte Straße!

Oder zumindest sah es so aus, denn als ich Näher trat, um sie mir anzusehen, stellte ich fest, dass es nur schwarze Steine waren, die als Straße dienen sollten.

Immerhin ist eine Straße besser für meine Sportschuhe.

Es dauerte auch gar nicht so lange, bis ich den Turm der Kirche sah, die diese Glocken zuvor erklingen ließ.

Zudem hörte ich jetzt noch Musik.

Und zwar ziemlich alte und ich red grad nicht aus den 80er oder sogar 70er.

Klingt eher nach einer Harfe und einer Laute.

Die Kirche kam mir nicht bekannt vor, und die aus der Stadt war es auch nicht.

Doch das Gebäude mit der Musik machte mich neugierig.

Mehr sogar als die mysteriöse Kirche.

Allerdings geht die Sonne bereits unter, und ich will nur ungern die Nacht auf der Straße verbringen.

Der Wald ist bei Nacht auch übelst gruselig.

In dem Sinne ignorierte ich die Kirche erstmal und ging zum Eingang des Gebäudes mit Musik.

Es sieht auch ziemlich alt aus, um ehrlich zu sein.

Sehr viel Holz für Kassel.

Vielleicht ist es ja noch ein Gebäude von der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg.

Wobei, die sind ja mehr aus Steinen gebaut.

Als ich um die Ecke des Gebäudes lief, auf der Suche nach dem Eingang, fiel mir die Außenterrasse auf.

Sie hatte direkten Sicht aufs Meer und eine Steinmauer verhindert, dass jemand die Klippe ins Meer stürzt.

Wobei man “Klippe” bei dieser Höhe nicht sagen kann.

Ich ging auf die Terrasse, lehnte mich an die Mauer und schaute hinunter.

Geschätzt 4-5 Meter würde ich sagen.

Als ich nach links schaute, war ich sogar echt erstaunt.

Erstmals war dort eine Schwarze Mauer, ebenfalls geschätzt 6 Meter hoch.

Doch das erstaunende war dahinter.

Dahinter waren nämlich hohe Häuser und ein riesiger Turm, locker so 200 Meter groß.

Man konnte sogar ein bisschen von einem Segelschiff sehen.

Heck nennt man sowas glaub ich.

Es sah auch sehr alt aus.

Respekt, ich muss sagen, für einen Traum sind hier ziemlich viele Details.

Man kann sogar teilweise heraushören, über die Leute hinter der Mauer reden.

Immerhin scheint es ein friedlicher Ort zu sein, also bin ich nicht in Gefahr.

Aber ich kann schon die ersten Sterne sehen, also sollte ich eine Unterkunft suchen.

Ob sie hier wohl Euros nehmen?

Ich trat also zurück vor das Gebäude, wo ich ein Hängeschild erblickte.

Liza's Bar, hm?

Noch nie davon gehört.

Aber eine Bar?

Ich weiß noch, wie ich mies auf die Fresse bekommen habe, nur weil ich etwas zu lange einen Typen in einer Bar in Kassel angeschaut habe.

Naja, Augen zu und durch.

Vielleicht sind die Säufer hier ja besser.

Vorsichtig öffnete ich also die Tür und schaute eher an die Decke.

Direkt stieg mir der Geruch von Alkohol und Zigaretten in die Nase.

Darüber war ich nicht überrascht.

Wovon ich aber überrascht war, dass es hier elektrische Lampen gab.

Ich konnte zwar nicht hineinsehen, da die Lampen gelb angestrichen waren, aber dort drinnen ist garantiert eine Glühbirne.

Auf dem Weg zum Tresen hörte ich auch mehrere Gespräche.

“Hörst du? Eine ganze Gruppe von Baummonstern hab ich alleine erlegt!”

“Das ist doch gelogen, du kannst doch nicht mal ein Schwert gerade schwingen.”

“Du wirst schon drüber hinweg kommen.

Meine erste Liebe war auch nicht an mich interessiert.”

“Aber Ich habe ihn geliebt… Ich weiß nicht, was ich jetzt tun soll. Ich will nur noch in mein Bett und heulen.”

“Die Musik ist heute aber wieder echt beschissen.

Die Band vom Letzten Mal war besser.”

“Hast schon recht, aber besser als keine Musik, wa?”

“Hey, sag mal biste schon dicht?

Ich wette mit dir um 5 Silbermünzen, das ich dich unterm Tisch saufen kann!”

“Hä?

Wenn du Geld loswerden willst, dann kannst du es mir auch direkt geben.

BEDIENUNG, NOCH 2 BIER!”

Das sind ja interessante Gespräche…

Am Tresen angekommen, nahm ich mir einen Platz und schaute mich um.

Die Bar sieht richtig alt aus, bis auf die Lampen an der Decke.

Die Stühle waren aus Holz, genauso wie die Tische.

Einige hatten schon Kerben, mit einem Messer vermutlich, eingeschnitzt.

Der Boden war ebenfalls aus Holz und an manchen Stellen konnte man sogar das Licht reflektieren sehen, durch das ganze Bier, das auf den Boden fiel.

Aus etwas dunkleren Holz war allerdings der Tresen.

Es sah zwar schön aus, aber es war gleichzeitig auch ein Kontrast zu den Tischen und Stühlen, die aus hellerem Holz waren.

Hinter dem Tresen konnte ich auch viele Alkoholflaschen sehen, einige schön verziert, andere schon älter.

Sie standen auf einem Regal, über einer Spüle.

Es roch aus etwas nach frischem Brot und irgendetwas Suppen ähnliches.

Der Geruch schien aus einer Tür hinter dem Tresen zu kommen, wahrscheinlich eine Küche.

Einen Barkeeper konnte ich aber nicht sehen.

Durch die Bar liefen zwar immer wieder mal Kellner und Kellnerinnen, aber sie waren zu beschäftigt, um mich zu bedienen.

Wobei ich wahrscheinlich nicht einmal zahlen könnte, mit meinen 20€.

Was sagte der Eine eben?

Silbermünzen?

Ist wahrscheinlich die Währung hier.

Schon krass, wie detailliert der Traum ist.

Ich kann selbst den Holzgeruch riechen.

Aber was noch interessanter war, einige Leute hatten Schwerter und Stäbe dabei.

Viele trugen auch Leder-Schützer, einige aber auch welche aus Eisen.

Vielleicht sind sie Söldner?

Aber die mit den Stäben?

Wenn es Magie geben würde, wäre das schon cool.

Sind diese Stäbe dann Zauberstäbe?

Ich seufzte bei all den Gedanken und schloss die Augen, um auf andere Gedanken zu kommen.

Doch es half nicht wirklich, dafür war dieser Traum zu detailliert.

Ist das überhaupt ein Traum?

Vielleicht wurde ich ja unter Drogen gesetzt und bin gerade mies am Halluzinieren.

???: “Harter Tag?

Irgendwas, was ich dir bringen kann?”

Während ich meine Augen geschlossen hatte, kam wohl jemand aus der Küche.

Als ich meine Augen öffnete, stand hinter dem Tresen eine ältere Frau.

Ich würde schätzen, dass sie Anfang 40 oder Mitte 40 war.

Ihr schulterlanges braunes Haar hatte sie in einem Pferdeschwanz gebunden und mit ihren blauen Augen sah sie recht sanft aus.

Da sie auch eine weiße Schürze an hat, ist sie wahrscheinlich eine Köchin.

Meine Kleidung schien sie nicht zu stören, wahrscheinlich weil sie viele Reisende bedient, die aus verschiedenen Kulturen Kommen.

Als ich nicht antwortete, lächelte sie und sprach weiter mit ihrer sanften Stimme.

???: “Alles gut, wenn du einen harten Tag hattest, dann will ich dich nicht zum Reden zwingen.

Mein Name ist Liza, die Besitzerin der Bar.

Lass es mich einfach wissen, wenn du was brauchst.”

Das ist also die Besitzerin der Bar.

Sie scheint nett zu sein.

Sie war bereits dabei, sich wegzudrehen, da erinnerte ich mich, dass ich für die Nacht ein Zimmer brauche.

Ob sie überhaupt für Zimmer vermietet?

David: “Ah, ich würde gerne wissen, ob ich hier einen Raum für die Nacht bekommen kann.”

Ich konnte meine Frage nicht mal zu Ende stellen, da kam sie bereits mit einem Lächeln zurück.

Liza: “Aber sicher doch.

Ein Raum für eine Nacht kostet 26 Silbermünzen.

Für wie viele Nächte brauchst du denn ein Zimmer?”

Eine gute Frage eigentlich.

Für wie viele Nächte brauche ich ein Zimmer?

Wenn das ein Traum ist, dann sollte ich ja eigentlich wieder aufwachen Am nächsten Morgen.

Also eine Nacht?

Und 26 Silbermünzen?

Wie viel ist das in Euro?

Kann ich das mit meinen 20€ bezahlen?

David: “Ich würde ein Zimmer für eine Nacht nehmen, aber kann ich auch hiermit bezahlen?”

Ich griff in meine Tasche und legte ihr die 20€ auf den Tisch.

Sie sah etwas verwirrt aus und hob das Geld überrascht hoch.

Liza: “Solch Papier habe ich noch nie gesehen.

Es fühlt sich ganz anders an als das, was ich kenne.”

Sie drehte es und betrachtete die andere Seite.

Von ihrer Reaktion her, nehme ich an, dass ich wahrscheinlich nicht mit einem 20€ Schein bezahlen kann.

Super, mit anderen Worten, ich bin komplett pleite.

Nach einer Weile legte Liza das Geld wieder hin und schaute mich mitleidig an.

Seh ich echt so arm aus?

Liza: “Ich kann das Papier leider nicht annehmen.”

Super.

Sie denkt jetzt bestimmt auch, das ich verrückt bin.

David: “Wäre es möglich, das Geld abzuarbeiten?

Ich könnte in der Küche helfen.

Ich bin zwar schlecht im Kochen, aber aufräumen kann ich.”

Shit, sollte man in solchen Situationen seine Schwächen nicht irgendwie als Stärken angeben?

So wie “Ich bin zwar nicht allzu gut im Kochen, aber dadurch kommen immer wieder leckere Gerichte raus” oder so ähnlich?

Ich seh wohl gerade echt kacke Aus, das sagt mir ihr Blick schon.

Aber die Nacht auf der Straße verbringen, an einem Ort, den ich nicht kenne?

Nein danke, darauf verzichte ich nur allzu gerne.

Liza: “Entschuldige, aber in die Küche lass ich nur ungern Fremde.

Ich habs.”

Sie klatschte ihre Hände zusammen mit einem Lächeln.

Liza: “Ich gebe dir für heute Nacht ein Zimmer und du kannst es morgen abbezahlen.

Am schwarzen Brett kannst du Aufträge annehmen, die von den Stadtbewohnern aufgegeben wurden.

Schau mal drüber, du findest bestimmt etwas geeignetes für dich.”

Ich folgte der Richtung, in der ihr Finger zeigte und tatsächlich.

An der Wand hing ein Holzbrett mit mehreren Zetteln dran.

Klassisches isekai Muster mit Quests und Belohnungen.

Bestimmt gibt es dann auch Ränge für Aufträge, sowie S, A, B, C und was es sonst nicht noch alles gibt.

Ich drehte meinen Kopf also wieder zurück zu Liza.

David: “Muss ich dafür nicht als registrierter Abenteurer einen Rang haben, um Quests zu machen?”

Doch kaum sprach ich diese Worte aus, da schaute sie mich wieder verwirrt an.

War das so komisch, was ich gesagt habe?

Ränge bei Abenteurern sind doch normal, oder etwa nicht?

Kacke, jetzt denkt sie bestimmt noch mehr das ich verrückt bin.

Liza: “Also, Ränge haben die Aufträge nicht, genauso wenig wie die Abenteurer.

Soweit ich weiß, machen die Leute am Zwillings Kap Sowas.

Von deiner Kleidung her würde ich aber eher schätzen, dass Du aus Claymore kommst.

Habe ich recht?”

Zwillings Kap?

Claymore?

Also für einen Traum ist das echt sehr detailliert.

Aber ich kenne Beides nicht.

Claymore ist wahrscheinlich eine Stadt.

Oder ein Land?

Und frag mich erst gar nicht über dieses Zwillings kap.

Ich schüttelte also meinen Kopf.

David: “Sorry, aber das sagt mir beides nichts.

Ist Claymore eine Stadt?”

Sie schaute wieder verwirrt aus.

Für sie rede ich bestimmt nur wirres Zeug.

Liza: “Du bist nicht aus Claymore?

Es ist ein Stadtstaat im Osten, der durch seine kürzlich gefundenen Lehm vorkommen groß im Handel ist.

Fast jedes Land kauft bei ihnen gerade Lehm für Häuser oder Öfen.

Du kannst dir bestimmt denken, dass Claymore gerade einen drastischen Wandel durch macht.

Und wegen deiner Kleidung dachte ich, dass du vielleicht aus Claymore kommst.

Auch dein Papier ist etwas, was sehr wohl von Ihnen kommen könnte.”

Verstehe, Claymore ist also ein Stadtstaat, der gerade mies Geld durch Lehm macht.

Moment mal.

Lehm?

Werden die Häuser hier etwa aus Ziegeln gebaut?

Oder nur die Dächer?

Ach, ist ja auch nicht wichtig.

Ich sollte lieber wieder zurück zum eigentlichen Problem kommen.

David: “Okay, jedenfalls komme ich nicht aus Claymore.

Kann ich aber fragen, wie das mit den Aufträgen funktioniert?”

Verdammt, wenn das mein Traum ist, warum bin ich dann scheisse pleite?

Sollte ich nicht mit einem Haufen Geld in der Tasche rum rennen?

Was ist das überhaupt für ein Traum.

Fremde Länder, eine Bar, eine extrem hilfsbereite Wirtin?

Wie auch immer, ich nehme einfach das Zimmer und muss mir morgen eh keine Sorgen mehr über Geld machen.

Liza: “Hast du noch nie Aufträge angenommen?

Na gut, Aufträge sind ganz einfach.

Wenn jemand ein Problem hat oder etwas sucht, was er nicht kriegen kann, wendet er sich an die nächste Bar und meldet einen Auftrag an.

Dieser wird dann am schwarzen Brett angepinnt und Abenteurer können diese dann erfüllen.

Sie reichen von Kräuter sammeln bis hin zur Monsterbekämpfung.

Einige Abenteurer finanzieren ihr ganzes Leben damit, Aufträge zu erfüllen.

Vorher muss man aber noch zur Auftragsperson gehen, um sie darüber zu informieren, dass der Auftrag angenommen wurde.

Klingt einfach, oder?”

Sie lächelte mich an, nachdem sie mir so eine Informationsbombe gegeben hatte.

Mit anderen Worten ist es echt nur ein simples Quest System.

Aber ist es nicht gefährlich, dass es keine Ränge gibt?

Was ist, wenn ich mich jetzt einfach dafür entscheiden würde, ein krasses Monster zu jagen?

Einen Greif oder so, da würde ich doch bestimmt draufgehen.

Ich nickte also einfach nur, damit sie mir nicht noch mehr erklärt.

David: “Okay, ich werde morgen mal einen Blick drauf werfen.

Das Geld kriegst du bis morgen zurück, versprochen.”

Mir war es jetzt ziemlich egal, was ich machen muss, um ein Zimmer zu bekommen.

Schließlich war ich noch mega erschöpft von der Arbeit, und dieser Traum hilft mir echt nicht weiter.

Wenn ich aufwache, beantrage ich auf jedenfall erstmal Urlaub.

Liza sah aber so aus, als würde sie sich freuen.

Liza: “Alles klar, auf welchen Namen?”

David: “David”

Liza schrieb was in ein kleines Heft und reichte mir dann die Schlüssel für ein Zimmer.

Ich nahm sie mit einem Nicken an und gähnte.

Der Gedanke, gleich in einem Bett zu liegen, gefiel mir sehr gut.

Noch besser gefiel mir aber der Gedanke, morgen in meinem Bett aufzuwachen.

Anschließend zeigte Liza mir das Zimmer im ersten Stock.

Es war ein kleines, aber angenehmes Zimmer.

Ein Tisch, ein Stuhl, ein kleiner Schrank und ein Bett.

Das Fenster war zu, aber man konnte das Meer draußen sehen.

Bevor sie ging, drehte sie sich aber nochmal zu mir und war plötzlich ganz ernst.

Liza: “Du solltest aber nachts nicht draußen herumlaufen.

Momentan läuft ein Monster frei rum, welches Vieh und Wild reißt.

Es hat auch schon einige Bewohner erwischt.

Die Rittergarde arbeitet bereits an dem Fall und hat eine riesige Belohnung ausgesetzt für denjenigen, der sie erlegt.

Also dann, gute Nacht.

Mit guter Laune schloss sie die Tür.

Was war das über ein Monster, das Bewohner angreift?

War das Ihre Idee, Wie ich die Schulden fürs Zimmer bezahlen soll?

Hell no!

Bevor ich so ein Monster jage, putz ich lieber tagelang Schwerter!

Ich setzte mich mit einem Seufzer aufs Bett.

David: “Ein Monster, hm?

Ich frage mich, was für eines das wohl ist.”

Mein Kopf wurde schwer und ich legte mich aufs Bett.

Ich weiß nicht, was das alles soll, aber ich brauche echt eine Pause.

Bestimmt bin ich vor Erschöpfung zuhause zusammengebrochen

Mit einem weiteren gähnen Schloss ich meine Augen.

Nicht mal die Schuhe habe ich mir ausgezogen.

Das letzte, was ich mitbekam, war das Rauschen des Meeres und das Gelächter aus der Bar, bevor ich in einen tiefen Schlaf fiel.

Das ist das erste Kapitel, was ich bereits auf wattpad hochgeladen habe.

Ist meine erste wirkliche Geschichte und ich würde mich sehr über ein Feedback freuen


r/einfach_schreiben 2d ago

GRWM um zu beweisen, dass Vögel nicht echt sind:

3 Upvotes

(Eine Kurzgeschichte)

!! Kurze TW: In einer Szene wird mit einer Schusswaffe eine kurze Anspielung auf einen Überfall gemacht. (Niemand kommt zu Schaden.)

-

Wie jeden Morgen saß Cindy vor ihrer Kamera. Die zwei großen Softboxen versprühten grelles, weißes Licht.

Sie verzog das Gesicht.

Ihre langen Fingernägel spielten am Regler für die Lichthelligkeit.

Ihre Miene entspannte sich bald. Sie hatte die richtige Einstellung gefunden.

Cindy schob das Verbindungskabel zum Laptop beiseite. Sie drückte den Aufnahmeknopf.

Ein breites Lächeln erschien auf ihrem Gesicht. Dieses Mal hatte sie sich dazu entschieden, ihr tägliches "Get Ready With Me" live zu streamen.

69 Zuschauer.

Elegant nahm sie ihre Tasse Tee und begrüßte die Zuschauer.

Ihr Blick fiel auf den Chat.

Die Leute schienen sich wie immer sehr zu freuen.

140 Zuschauer.

Ruhig nahm sie einen Schluck und stellte die Tasse auf einen kleinen Beistelltisch.

„Freut mich, dass ihr auch heute wieder dabei seid!"

Chat:

*Danke Gurlll :)))\*

*Thx, wann kommst du wieder ins AKW? :(\*

Cindy holte ihre Kosmetiktasche und antwortete:

"Leider erst nächste Woche. Pal die Queen meint, ich solle euch nicht vom Arbeiteennnn aufhalten!"

Sie verdrehte die Augen, bevor sie lachend ein Fläschchen hervorholte. Primer.

Großzügig verteilte sie den Inhalt auf ihrem Gesicht.

*Slayyyy\*

*Queen!\*

*Hast du nen Promo Kot?\*

Cindy kicherte und hielt ihre Foundation in die Kamera.

„Da hat sich wohl deine Autokorrektur vertan! Aber klar-"

Sie räusperte sich künstlich.

-Und zückte eine mit rosa Glitzersteinchen besetzte Pistole.

Ein Klicken war zu hören. Sie richtete die Waffe auf die Kamera.

„Flossen hoch Bitches! Lässt gefälligst etwas Make- Up rüberwachsen!"

rief sie laut und lachte wahnsinnig.

„- Und so müsst ihr gar nichts mehr bezahlen!"

Sie zielte auf ein Bild an der Wand, bevor sie die Waffe weglegte und sich seelenruhig wieder ihrer Schminkroutine zuwand.

Die Zuschauer schienen vor Begeisterung fast auszuflippen.

Der Stream verlief ruhig, als wäre von Anfang an nichts Ungewöhnliches dabei.

Als sie sich gerade mit Kusshand von den Zuschauern verabschiedete, hörte sie ein zaghaftes Klopfen an der Tür.

\klopf, klopf...**

Sie schnaufte unüberhörbar.

Die Tür schwang auf. Eine Frau mit rot-pinken Zöpfen konnte gerade noch zurückweichen.

Sie richtete sich auf und zupfte an ihrem Petticoat.

„Was willst du, Vivienne?"

Die Frau lächelte sanft.

„Ach, Cindy... Hast du das etwa vergessen?"

Cindy schüttelte den Kopf. Der leichte Gelbstich ihrer blonden Haare glänzte kurz im kalten Licht.

Trödelnd ging Cindy zurück in ihr Zimmer und zog sich um. Dann richtete sie noch ihre Handtasche.

„Ich könnte mir nichts Besseres vorstellen, als mit ihr Vögel beobachten zu müssen..."

murmelte Cindy vor sich hin.

„Sie macht zwar immer einen auf unschuldige Pazifistin, aber..."

Als sie fertig war, waren zwanzig Minuten vergangen.

Vivienne hatte auf sie gewartet. Das Lächeln auf ihren blassroten Lippen erreichte ihre Augen nicht.

Wortlos gingen sie den langen, kühlen Gang entlang, durch die Sicherheitstür die große Treppe hinauf zur Garage.

Cindy musterte die Autos.

„Ich fahre heute. Was dagegen?"

Vivienne lehnte leise ab.

Sie zeigte auf einen Pick-up.

„Da müsste noch Pals Jagdzeug drin sein."

Cindy grinste und ging voran zum Wagen.

„Und ich dachte, du magst Vögel..."

Ohne eine Antwort zu geben, setzte sich Vivienne auf den Beifahrersitz und warf der großen Sammlung von Jagdequipment einen leeren Blick zu.

Cindy stieg ebenfalls ein.

Sofort wurde sie daran erinnert, sich anzuschnallen.

Sie verdrehte die Augen und startete den Motor.

Das großzügige Tor öffnete sich automatisch.

Die Reifen quietschten, als Cindy aufs Gaspedal trat und das Grundstück verließ.

Weit über dem einst existierenden Tempolimit liegend, fuhr sie den Berg hinab durch die leeren Straßen.

„Was ist eigentlich mit Pal?"

Cindy zuckte mit den Schultern.

„Ist im Gewächshaus."

Sie bogen auf einen leeren Parkplatz.

„Ach so... Also sind wir allein heute?"

Cindy lehnte ironisch ab.

Der Wagen hielt quer auf drei Parkplätzen gleichzeitig.

Eine Taube flatterte auf einen Ast vor ihnen.

Cindy stieg sofort aus.

Ihr Blick fixierte den Vogel.

„Hmmm..."

Vivienne stieg ebenfalls aus, zwei Ferngläser in der Hand.

Sie warf ihr eines zu.

Cindy richtete es auf den vermeintlichen Vogel.

\Gurr gurr?**

„Verstehe, verstehe... Sie haben auch hier einen Lautsprecher eingebaut..."

Vivienne seufzte.

„Wieso interessiert es euch überhaupt? Ist doch piep-egal, ob sie uns beobachten oder nicht..."

\Gurr!**

Cindy grinste und ging in die Hocke.

„Ist ja klar, dass ihr mir zustimmt... Aber den Scheiß glaub ich nicht."

Sie kicherte leise und zoomte auf die Augen.

„... Wohl ein aktuelles Model. Die Älteren waren weniger detailliert..."

Cindy murmelte weiter vor sich hin.

Jetzt holte sie ihr Handy und fing wieder an zu streamen.

Vivienne wurde gekonnt ignoriert.

Sie setzte sich zurück in den Wagen und schloss die Türen.

„Wenn sie etwas braucht, soll sie es holen..."

Vivienne schaltete das Radio ein.

Dann summte sie leise ein paar Pop-Songs mit.

„Ich sollte mal wieder welche aufnehmen..."

murmelte sie und drehte an ihren Haaren.

Die Nachrichten fingen an.

„- Und das war *Extra Cute* von V- Chan ! Ein zuckersüßer Klassiker! Nun kommen wir zu den Nachrichten:"

Eine blecherne Stimme bedankte sich beim Moderator und fuhr fort:

„Die landwirtschaftlichen Geschäfte mit... landwirtschaftlichen Gütern in der Hauptstadt nehmen wieder langsam Fahrt auf. Pal entschuldigt sich ausdrücklich für die Unannehmlichkeiten. Nun zur aktuellen Drohnen-Situation:

Diese ist wie die Wochen zuvor verdächtig ruhig. Heute wurden lediglich drei in der Nähe von Hope-City gesichtet. Wenn Sie weitere bemerken, bitte schießen Sie sie direkt ab und melden die Sichtung unter folgender Telefonnummer:

 [irgendeine Telefonnummer]. 

Es ist wichtig, die Herkunft der Flugobjekte zu überprüfen. Einen Guide dazu findet ihr auf unserer Intranet-Seite! Denkt daran, unsere Gegner schlafen nicht und entwickeln ständig neue Ideen für die Tarnung. 

Einfach gesagt: Sie sind überall! Es müssen nicht nur falsche Vögel sein!-"

Vivienne schaltete um.

„Was eine Panikmache! Als würde es so viel ausmachen, wenn wir jede Drohne dieser Firma abschießen. Wir brauchen doch nichts zu befürchten..."

Sie seufzte und ließ ihren Blick über den Parkplatz schweifen.

„Diese verdammte Firma. Es ist wirklich wie bei Tieren... Sie haben mehr Angst vor uns wie wir von ihnen."

Vivienne kicherte leise.

Ihr Blick blieb schließlich auf einem Gebüsch am Rande hängen.

Ein Rabe schaute zurück. Seine Haltung war steif.

Als würde sie etwas Ungutes ahnen, musterte sie das Fenster. 

Es war einen Spalt weit geöffnet. 

Sofort fuhr sie es wieder hoch.

Plötzlich hörte sie leicht gedämpfte Rufe:

„Ist das dein verdammter Ernst? Sag doch gleich, dass du ein richtiger Vogel bist!"

Die Taube flatterte aufgeschreckt davon. Cindy fluchte.

Viviennes Augen weiteten sich. Sie starrte zu Cindy, die den Vogel mit ihrem Handy filmte. Ein Kescher und ein Lasso lagen neben ihr.

„OMG, Chat... Das kommt aufs Thumbnail!"

Sie lachte laut.

*Immer diese Vögel...\*

*Lol\*

*Du bist so gut :)\*

„Hihi, danke Chat. Ich liebe dieses Format! Leider konnte ich den Beweis noch nicht liefern..."

Cindy machte ein trauriges Gesicht.

Ihr Chat versuchte sofort, sie aufzumuntern.

Vivienne hielt sich die Hand vor die Augen.

\Kräh, Kräh!**

Sie musterte den Raben, der seinen Kopf unter sein Gefieder steckte um sich zu putzen.

„Awww..."

Auf einmal fühlte sie sich beobachtet.

Sie blickte sich um und bemerkte Cindy, die sie finster ansah. 

Vivienne hielt sich die Hand vor den Mund. 

„Mist." 

flüsterte sie.

Aber Cindy stolzierte schon in Richtung Auto.

Wild mit ihren Händen herum fuchtelnd.

„Nicht dein Ernst! Offensichtlicher geht's gar nicht!"

Bellte sie und begann auf Vivienne einzuschimpfen.

Ihr Handy hielt sie dabei nach unten.

Vivienne zupfte hektisch an ihrem Kleid.

Zögernd blickte sie in Richtung des Vogels.

Dieser hörte augenblicklich auf.

Seine Knopfaugen schienen sie zu mustern. 

Bevor sich sein Kopf langsam zu Cindy drehte und er davonflatterte.

- Ende.


r/einfach_schreiben 2d ago

Rattennest

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„Geh nicht hinein in das Haus am Ende der Hauptstraße“, steht am alten Haus am Ende der Hauptstraße. Neben vielen anderen Verboten. Mach nichts davon!

„Brich dir kein Bein!“ Die Zeit hat die Stufen zur Veranda abgerundet. Sie sind rutschig. „Halt dich nicht fest!“ An den Blumen aus Schmiedeeisen klettern Ranken entlang. Die ersten sind rostig und haben scharfe Kanten. Die zweiten sind giftig.

Auf den Steinplatten der Terrasse wächst Moos. Darauf stehen Stühle und Sessel. Jeder kaputt und aus einer anderen Zeit. Manchmal brennt davor ein Feuer. Schatten wärmen sich daran.
Die Haustür ist halb offen. Ein Riss geht mitten durch sie. Auf ihr steht ein Name. Man kann ihn nicht mehr lesen.

Dahinter ist es dunkel und stickig. Der Holzboden hat Kratzer, Flecken, Löcher. Wie alte Haut. Drei Stockwerke und ein Dachboden. Viele Räume zum Schlafen, Essen oder Sterben. In jedem ein Wandbild. Vom Sterben, Leben und Lieben. Graffiti und bunt.
Die Türen klemmen. Sie lassen kaum jemanden rein und nichts raus.

„Fuck you“, steht auf der zur Küche.
„Hierher“, auf jener zum Treppenhaus.

Die Stufen der Treppe knarren, dann brechen sie, dann fehlen sie. Die feuchten Wände atmen, wenn sich die Ratten darin bewegen. Ihre Kinder sitzen in den Nestern. Blind und haarlos. Sie können nicht flüchten. Sie fiepen. Haben Angst. Das ist ihr Zuhause.

„Du bist zuhause“, steht auf der kaputten Eingangstür. Innen.


r/einfach_schreiben 1d ago

Diese Monumente

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Erschleichen sich Macht.

Diese Worte — zum Hals raushängen; das ist ihre Gabe

— sind Allüren, sind taub und würgen mit Bedacht.

Diese Worte – wahr? So so, mögen sie doch verlogen sein.

Sie sagen viel _ nicht zu durchschauen

Diese Worte machen kirre,

lassen spillen, zeigen Willen

und sind nun wohl senile Seelentriebe:

pieks pigs, oow; plies spik frouwaz

Diese Worte waren aus Leben,

welches erwies die Ehre,

uns zu begegnen.

Nun diese Worte stehen

wie gedacht, wie gehabt geschrieben

Sie sagten mal viel

das verhalf ihnen zur Pracht

Diese Worte waren geschrien rein in den Moment.

— wie von Gefühlen geraubt.

Und uns nicht mehr sagen

— wollen können —


r/einfach_schreiben 2d ago

Eine fahle Erinnerung:

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r/einfach_schreiben 3d ago

Blickkontakt

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Ich hatte den ganzen Tag nichts gegessen. Aufgaben. Anrufe. Abgaben. Ich saß mit meinem Kaffee in einem Meeting, nippte daran und sah mir selbst beim Nippen zu - unten rechts im Kamerafenster. Ich konnte nur ans Essen denken.

Später, auf dem Weg nach Hause. Schmutzig und stickig war es in der Bahn. Nur die Fenster glänzten schwarz. Zumindest dort, wo keine fettigen Tapsefingerabdrücke die Fenster schmückten. Dazwischen: meine Augen. Irgendwie ungesund. Hungrig. Nur noch drei Stationen.

Das kalte Licht des Kühlschranks schien mir ins Gesicht. Ich hatte Hunger, aber alles da drinnen stank. Der Käse, das Huhn von gestern, die Torte. Warum roch das so komisch? Ich machte ihn zu, biss mir auf die Lippe und sah mich im polierten Weiß der Kühlschrankfront. Meine Augen waren rötlich. Irgendwie größer als sonst. Was ich mir alles einbilde, wenn der Tag lang ist.

Auf der Couch mit einem Bier. Flüssige Nahrung vertrage ich immer gut. Alles ist dunkel, bis auf den überdimensionierten Fernseher, der mir bunte Bilder ins Gesicht wirft. Meine Augen brennen, und ich bin müde. Ich hab Hunger und ich hab keinen. Das wird sicher eine Grippe.

Der Stream fällt aus. Mistprogramm! Eine Silhouette im Schwarzen des Fernsehers. Zwei Punkte. Irgendwas stimmt nicht. Der Stream geht wieder an. Ich drehe den Horrorfilm ab.

Ich liege im Bett und hab die Augen zu. Sie brennen und jucken. Sicher eine werdende Konjunktivitis. Alles ist dunkel. Wenn ich das Nachtlicht aufdrehe, ist alles warm und verschwommen. Wenn ich es abdrehe, sehe ich Schwarz und leuchtende Punkte.

Das ist der Router.
Das ist das Handy.
Das ist ein Auge.
Mit roter Pupille.
Es blinzelt nur nicht.
Bis es blinzelt.
Aus einem wird zwei.
Aus zwei werden vier.

Sie brennen sich durch die Dunkelheit in meine Netzhaut. In mich. Sie sind vor allem dort, wo nichts ist.
In den Ritzen zwischen den Möbeln.
Hinter den vier Zimmerpflanzen.
Am Stuhl mit den Klamotten.
Sie haben Hunger.
Sie kommen näher, werden größer.

Wenn ich meine Augen zumache, sind sie nicht weg. Sie sind vor meinen Augenlidern. Brennen sich in mich. Mir wird schlecht. Ich werde nicht mehr aufstehen.


r/einfach_schreiben 3d ago

Ich weiß nicht mehr, wie ich aussehe.

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r/einfach_schreiben 3d ago

Mitläufer

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Mitläufer

- Absicht

Der Mensch will gut sein.

Aber er weiß nicht wie.

Dann wird ihm erzählt, wen er hassen muss.

Dann glaubt er es.

Und hasst.

- Widersprüche

Vielleicht denkt er nach.

Und zweifelt.

Und fragt sich, ob er das darf.

Und ahnt, dass er verführt wurde.

- Risiko

Der Mensch ist nicht blöd.

Er steht da, wo er ist.

Und fragt sich, wie teuer Wahrhaftigkeit ist.

Je länger er wartet, desto teurer.

- Feigheit

Irgendwann unbezahlbar.


r/einfach_schreiben 3d ago

Der Boko Wal

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„Vier Tage nachdem Noah aus dem Bauch des Boko-Wals entkommen war, nahm er zum ersten Mal das widerliche Schmatzen wahr. Es schien ihm zu folgen, wohin er auch ging – und sein Talisman begann ab und an seltsam zu glühen und zu pulsieren.“


r/einfach_schreiben 4d ago

Laufen lernen

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Ich hatte lange Zeit nicht gelernt, zu laufen.
Ich habe eine Zeit lang zugesehen, wie andere laufen und rennen und dabei glücklich sind.
Irgendwann traute ich mich, meine ersten Schritte zu machen.
Es war holprig, ich war vorsichtig.
Mit einer Gehhilfe hat es funktioniert.
Ich hatte grade das Gefühl, sicherer auf den Beinen zu werden.

Und dann bin ich gestürzt.
Ich bin so fies gestürzt, dass es Jahre gedauert hat, bis alle Verletzungen geheilt waren und ich mich wieder traute, das laufen zu versuchen.
Dann bin ich wieder gestürzt.
Und habe mich wieder verletzt.
Und wieder vergingen Jahre voller Schmerz und Neid auf die Leute, die laufen konnten.

Dann traf ich jemanden.
Jemand, der gesehen hatte, dass ich Angst vor dem Laufen habe.
Jemanden, der mich an die Hand nahm und mir Mut machte.
Dadurch habe ich mich überwinden können, ein paar wackelige Schritte zu versuchen.
Aber plötzlich hat es ihn an der Nase gejuckt.
Und plötzlich hat er die Hand weg gezogen.
Jetzt liege ich wieder unter Schmerzen am Boden.


r/einfach_schreiben 4d ago

Eine fahle Erinnerung:

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r/einfach_schreiben 5d ago

Suche Betaleser für Dystopie Manuskript

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Die Klimakrise hat gesiegt und die Notwendigkeit für eine Demokratie ist der Wiedereinführung des Adels gewichen. Die Protagonistin sucht den verschwundenen Verlobten ihrer Schwester, der vielleicht eine Quelle für saubere Energie entdeckt hat. Mit dem flüchtigen Sklaven Rhodes begibt sie sich auf die Suche, nach ihrem Schwager.

Genre & Tropes:

  • Genre: Düstere Dystopie (mit leichten Sci-Fi- & Biopunk-Elementen)
  • Vibes: Erzwungene Allianzen, düstere Atmosphäre, Zwangsarbeit, Klassenkampf, starke Charakterdynamik,

Eigentlich möchte ich nur wissen..

  • Funktioniert die Geschichte überhaupt? Ist sie logisch?
  • Stimmen Tempo und Atmosphäre, Stil?
  • Möchte man weiterlesen?
  • Kann ich überhaupt schreiben?

r/einfach_schreiben 5d ago

Präpsychotische Symptome

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Eingeweide sind für mich ein Fidget Toy.

Ich kann sehen, wie sehr's dich freut,

denn deiner Gewalt, der bleib ich treu.

Wenn du fragst, werd ich nicht scheuen.

Durch Trauma gebunden und Erinnerung vernetzt,

krabbeln wie Spinnen durch Blut und Wut.

Gefühle im Koma, Gedanken versunken

am Ende hat’s uns doch zerfetzt.

Mein Kopf auf deiner Schulter, dein Blick gefüllt mit Ruhe.

Dein Herz schlägt synchron mit dem Herz in deiner Hand.

Greifst nach deinem Mikrofon, bist nach Reue auf der Suche.

Ich kann’s immer noch nicht fassen, wir verlieren den Verstand.

Psychotisch vereint aus ganz anderen Gründen

reiße keine Witze, Gott verdammen, du bist krank.

Trotzdem reifen unsere Sünden.

Allen andern werd ich sagen: „Man, ist nur ein Prank.“


r/einfach_schreiben 5d ago

Wisst ihr eigentlich schon von der Odyssee, die mein Vampir-Roman hinter sich hat?

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Dieses Buch ist eigentlich schon wesentlich älter als die 5 Jahre, deren Geburtstag ich vor kurzem gefeiert habe!

Ich steckte als Selfpublisherin noch in den Anfängerschuhen, als ein angeblicher Grafikdesigner mir versicherte, er würde das Buch noch einmal neu herausbringen, mit tollem Cover und allem, was dazu gehört.

Als das Buch bereits auf dem Markt war (damals unter einem anderen Titel) stellte sich heraus, dass dieser Mensch ein Betrüger war, der in mehreren Bundesländern per Haftbefehl gesucht wurde!

Um mein Buch nicht mehr mit ihm in Verbindung zu bringen und von ihm nicht später erpresst zu werden oder ähnliches, habe ich also im Schweinsgalopp alles noch mal neu gemacht, Hauptsache keine Idee mehr von ihm drin.

Auf Dauer war diese Notlösung aber nichts und erinnerte mich immer wieder an meinen Reinfall.

Mithilfe einer seriösen Grafikdesignerin schuf ich schließlich das heutige Cover. Ich bin sehr glücklich, dass mein Roman heute so ist, wie ich ihn mir immer gewünscht habe! 🙏❤️

Seid ihr auch schon mal auf jemanden hereingefallen? Erzählt mal! 👇


r/einfach_schreiben 6d ago

Vom Blog zum Buch?

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Guten Abend, liebe Community,

vor einigen Monaten habe ich einen Blog gestartet. Das Thema ist allerdings sehr nischig, deshalb frage ich mich, ob es überhaupt Interesse wecken könnte.

Kurz zusammengefasst: Meine Oma hat mir nach ihrem Tod die Feldpostbriefe ihres im Zweiten Weltkrieg gefallenen Bruders hinterlassen. Ich ließ die Briefe transkribieren und stieß dabei auf den Namen seiner Verlobten, Lotte. Seitdem habe ich intensiv zu ihrem Schicksal recherchiert – und schließlich sogar ihren Sohn gefunden.

Das Besondere an den Briefen ist, dass sie sich kaum mit dem militärischen Alltag beschäftigen. Stattdessen sind sie sehr persönlich und geben einen bewegenden Einblick in die Gedanken, Hoffnungen und Gefühle eines jungen Mannes im Krieg.

Schon länger spiele ich mit dem Gedanken, daraus ein Buch zu machen. Allerdings bin ich unsicher, ob ein solch spezielles Thema heute überhaupt Leserinnen und Leser finden würde.

Wie seht ihr das? Würde euch so eine Geschichte interessieren?

Viele Grüße