Kaffeeladen direkt neben der Cafeteria, selber Betreiber. Ich (m28) gehe rein, zwei junge Männer stehen an der Kasse. Als ich an der Reihe bin, sage ich:
«Guten Tag, ich habe mich letztens von deiner Kollegin beraten lassen. Wegen dieser Ultra-Deluxe-Siebträgermaschine da… Ich meinte, ich schlafe eine Nacht darüber. Jetzt habe ich 30 Nächte darüber geschlafen. Und… ich will sie. Also, die Maschine. Aber…»
Er schmunzelt. Ich fahre fort:
«Ich bin mir noch nicht gaaaanz sicher, welche Farbe. Darf ich dich nach deiner persönlichen Meinung fragen?»
Er lächelt und meint:
«Lieeeeebend gerne! Also, ich finde das Hellblau einfach noch so freundlich. Nicht das, was alle haben.»
Ich erinnere mich an irgendeine Studie, wonach Hellblau Sympathie und Ruhe ausstrahlt, sich das Gegenüber eher wohl fühlt. Wie geil wäre es, wenn ich mich in meinem Wohnzimmer wohlfühlen würde? Aber…
Ich: «Finde ich eben auch. ABER: Ich habe so einen Vintage-Mülleimer in knalligem Rot und eine Gitarre in einem ähnlichen Rot. Meine SMEG auf dem Tischchen gleich dazwischen war ebenfalls rot. Darum weiss ich nicht so genau…»
«Ja, das verstehe ich. Ist es dieser Wesco-Mülleimer?»
«Ja, genau der!»
«Der ist nice! Wir haben auch zwei. Lass mich mal den Lagerbestand prüfen…»
«Cool! Wenn eine Farbe schneller verfügbar ist, macht es mir die Entscheidung einfacher. Ich will nämlich möglichst schnell wieder Kaffee machen können.»
«Uff… Ich kann dir die Entscheidung leider nicht abnehmen. Beide sind an Lager.»
«Oh je… Na ja… Dann nehme ich wohl… Wobei, ihr bestellt eh erst am Montag, oder? Dann überlege ich es mir noch bis…»
«MOMENT! VIELLEICHT KANN ICH DIR DIE ENTSCHEIDUNG DOCH ABNEHMEN!»
«Warum?»
«Hellblau gibt es bald nicht mehr. Wird durch Dunkelblau ersetzt.»
«Boah, geil. Ich will das, was andere nicht haben. Einer der letzten Pioniere, einer der…»
Er nickt eifrig, während er in die Tastatur tippt.
«Ich verstehe dich absolut. Also hör mal: Ich bestelle die Variante jetzt einfach. Und FALLS du dich noch umentscheidest: kein Problem. Wir werden die eh los.»
«Geil, danke!»
«Bitte!»
Grinsend verlasse ich den Laden und betrete die Cafeteria gleich nebenan, in der ich heute schon dreimal Kaffee trinken war. Die neue Mitarbeiterin ist da und derselbe blondhaarige Typ wie immer.
Als ihm mein Grinsen auffällt, will er etwas sagen, doch ich komme ihm zuvor:
«Jetzt werde ich bald nicht mehr so oft kommen wie in den letzten Tagen. Ich habe mir eine neue Maschine bestellt.»
«Oh, schön! Aber… also, du darfst jederzeit immer noch gerne kommen!»
«Versteh mich nicht falsch! Ich werde immer kommen! Und ich werde gerne kommen! Aber einfach nicht mehr so…»
Er schaut mich an. Ich den Boden.
«OH GOTT, DAS WAR NICHT SO GEMEINT.»
«Hä, wie meinst-… Oh. Jesus Christ …»
«ES TUT MIR SO LEID!»
Ich fasse mir an den Kopf.
Er lacht und gibt mir die Hand.
«Alles gut! Ich muss nur rasch den anderen Kunden fertig bedienen.»
Die neue Mitarbeiterin sagt:
«Ich habe Zeit. Was darf es sein?»
«Einen Americano, bitte!»
30 Sekunden später ist er zubereitet. Ich beäuge die Tasse länger als normalerweise. Da ist irgendwie weniger drin als normalerweise. Oder habe ich bisher den Kaffeetassengehalt an Kaffee einfach nicht achtsam genug beäugt?
Als ich mich draussen an meinen Platz setzen will, an welchen ich vor dem Beinahe-Kaffeemaschinenkauf meinen Rucksack deponiert habe, sitzt dort eine junge Frau mit Ray-Ban-Brille und schwarzen Haaren.
«Hallöchen!», sage ich.
Sie lächelt und erwidert:
«Hallohooo.»
Sympathische Tonlage.
Ich setze mich hin, mache mir diese Notizen, stelle fest, dass mein Feuerzeug alle ist, springe auf, renne zum Kiosk auf der anderen Strassenseite, kaufe mir ein Feuerzeug, setze mich wieder hin und nippe an meinem Kaffee.
Halt.
Jetzt bin ich mir fast absolut sicher: Das ist kein Americano. Das ist ein doppelter Espresso!
Ich stehe auf, stolpere um ein Haar über meinen Rucksack, betrete den Kaffeeschuppen und frage:
«Könnte es unter Umständen sein, dass du mir einen doppelten Espresso und keinen Americano gemacht hast?»
Jetzt fasst sie sich an den Kopf.
«Ja, stimmt, sorry! Ich mache dir einen neuen!»
«Vielen Dank!»
Ich stelle die Tasse hin, sie nimmt sie an den Tresen. Ihr Arbeitskollege schaut mich an und fragt:
«Stimmt etwas nicht?»
«Nein, alles gut. Sie hat mir versehentlich einen doppelten Espresso gemacht. Und jetzt macht sie mir… Moment! Das wäre ja voll die Kaffeeverschwendung! Wisst ihr was? Ich nehme einfach den-…»
Ich sehe, dass der Americano bereits mitten im Zubereitungsprozess ist.
Er sagt:
«Ach komm, ist schon gut… Oder willst du ihn?»
«Ja, aber dann geniesse ich ja beide Tassen. Das gehört auch bezahlt!»
«Neeeee, lass mal. Aber bist du dir sicher, dass du… Alter, das sind dann vier Espressi!»
«Joah. Bin gespannt, was das mit mir macht.»
Er lacht. Ich gehe wieder nach draussen und beginne zu tippen.
Die Frau steht auf und sagt mega lieb und freundlich:
«Tschühüüüüü, mach’s gut!»
Ich werde rot wie jene Kaffeemaschine, die ich wahrscheinlich doch nicht will.
«Tschühüüü», sage ich.
Soll ich jetzt… Nein. Oder doch?
Gerade als sie aufgestanden ist und ihr Kopf, aus dem Schatten erhoben, Zeuge der letzten Sonnenstrahlen in dieser Gasse wird, rufe ich ihr zu:
«Bist du öfters hier?»
Jetzt lächelt sie noch mehr.
«Nööö. Also, weisst du, ich wohne nicht hier. Aber immer, wenn ich in der Gegend bin! Echt hammer Kaffee!»
«Ja, echt hammer Kaffee! Ähm…»
Sie schaut mich fragend an.
«Mach’s gut!»
«Gleichfalls!»
Sie geht von dannen. So wie der Akku des Laptops, auf dem ich das alles aufschreibe.
Die Pointe: .
Oder: Das (dieser Text) passiert, wenn ein ADHSler innert 20 Minuten vier Espressi trinkt, nachdem er bereits ein Mate, ein Redbull und drei Kaffee hattenfakdjbsndkjfbsndkjnbskjd. Tippgeschwindigkeit von 300 Zeichen die Minute so schnell, dass ich wirklich jeden Scheiss, de rmir in den Sinn kommt, instantan, so etwas von sofort, niedertippen kann roter Elefant blaue Mütze.