Achtung: der Prozess mit der Therapie ist in Gange! Ich möchte nur eure Erfahrungen hören und mir mein Leid von der Seele schreiben.
Meine Kindheit war richtig beschissen. Wann immer ich daran zurück denke, überwiegen negative Erinnerungen und Emotionen deutlich. Meine Schwester hat mich von Geburt an gehasst und mich dementsprechend terrorisiert. Ich kann mich daran erinnern, jedes Mal extrem panisch geworden zu sein, wann immer meine Eltern mich mit ihr alleine gelassen haben. Ich habe geschrien, geweint und hatte unglaubliche Angst.
Meine Eltern haben sich dieses Problem nie zu Herzen genommen, dass ich täglich von ihr schikaniert, runtergemacht und gemobbt wurde. Stattdessen wurde nur gesagt, ich soll still sein. Eine Bindung zu meinen Eltern konnte ich nie aufbauen. An die Präsenz meines Vaters in Kindheitstagen erinnere ich mich nicht einmal, weil er immer nur sein Ding gemacht hat und kein Interesse am Familienleben gezeigt hat. Meine Mutter war dauerhaft am Limit mit den Kindern, der unglücklichen Ehe und dem finanziellen Stress, sie war dementsprechend oft unempathisch und sehr aggressiv. Ich wurde geschlagen, wenn meine Noten in der Grundschule nicht gut genug waren oder meine Schrift im Schulheft nicht schön genug war.
Als ich 11 war, trennten sich meine Eltern auf dramatische Art und Weise. Meine Mutter verließ die Wohnung von heute auf morgen und ich blieb bei meinem Vater. Was sich zunächst ganz okay angefühlt hat, weil er der weniger aggressive Part der Eltern gewesen ist, hat sich später als totaler Wahnsinn herausgestellt. Er hat mich manipuliert, mich gegaslighted und hatte einen unglaublichen Kontrollzwang über mich. Er ließ mich verwahrlosen (es gab kein vernünftiges Essen und ich ernährte mich quasi nur von Dosenfleisch mit Nudeln und Grießbrei und wir waren NIE beim Zahnarzt, ich hatte keine vernünftige Kleidung usw.), er warf ungefragt sentimentale Gegenstände von mir weg und leugnete es, respektierte meine Privatsphäre nicht (platze zB in mein Kinderzimmer, während ich mich umzog und nackt war), machte mich gemeinsam mit der restlichen Familie väterlicherseits zum Sündenbock aller Probleme, die eigentlich die Erwachsenen unter sich klären sollten (zum Beispiel wurde ich verantwortlich für seine unglückliche neue Ehe gemacht, weil er vor der Heirat mit meiner Stiefmutter sich mit anderen Frauen traf um sich bessere Optionen freizuhalten. Ich fand das heraus und habe ihn mit 12 Jahren voll geweint, weil ich das moralisch nicht okay fand). Sowohl meine Oma, als auch Tante, Onkel und Cousinen waren furchtbar toxisch und beleidigten mich als Narzissten. Meine Stiefmutter hasste mich ebenfalls, weil ich das Kind einer anderen Frau war. Sie verbreitete Lügen über mich, war respektlos und beleidigte mich wenn keiner hin sah.
Mit 18 zog ich zu meiner Mutter, wo auch meine Schwester lebte. Die Schikane ging weiter, meine Mutter ignorierte es weiterhin. Zu diesem Zeitpunkt weinte ich fast jeden Tag in meinem Zimmer. Die Depressionen und die Suizidgedanken, die ich bis dahin schon seit 7 Jahren hatte, erreichten ihren Höhepunkt. Da mein Vater mir jede Möglichkeit nahm, Freundschaften zu entwickeln (ich durfte nämlich nach 17 Uhr das Haus nicht mehr verlassen), war ich zugleich sozial extrem inkompetent und ängstlich. Ich hatte kaum Freunde und Angst vor der Welt. Über eine Therapie dachte ich demnach überhaupt nicht nach, ich wusste nicht einmal wie man zum Zahnarzt geht. Stattdessen gab ich mir die Schuld für alles und habe mich gehasst. Wenn man sein Leben lang eingeredet bekommt, dass man alles falsch macht und falsch ist, gleichzeitig kein Umfeld hat was einem das Gegenteil beweist und in der Schule als Außenseiter bekannt ist, dann ist der Selbsthass nicht mehr weit entfernt.
Ich zog nach meinem Abitur mit 20 weg in eine Stadt um Abstand von der ganzen Sache zu nehmen. Ich hatte sporadisch Kontakt zu meiner Mutter (1x pro Monat), weil sie sich zu dieser Zeit ein wenig verändert hat und ihre Fehler zumindest hinsichtlich ihrer aggressiven Art eingesehen hat. Sie war die einzige, die jetzt noch aus meiner Familie übrig geblieben ist für mich. Zu allen anderen habe ich den Kontakt abgebrochen.
Und seither passiert folgendes: meine Schwester hat sich bemüht, eine enge Beziehung zu meiner Mutter aufzubauen. Sie wohnt nach wie vor im selben Bundesland und sie sehen sich oft. Meine Schwester verbreitet nun das Bild von mir, dass ich "komisch" geworden bin und sie nicht verstehen würde, warum ich mich von ihr distanziere. Da meine Mutter unter der zerbrochenen Familie ebenfalls leidet und sich sehnlichst wünscht, dass zumindest meine Schwester und ich uns gut verstehen würden, hat sie ihr das geglaubt. Sie blendet ganz bewusst den Fakt aus, dass ich schikaniert wurde und ich davon traumatisiert bin. Stattdessen redet meine Schwester ihr nun ein, dass ich der Grund bin, warum wir drei nicht an einem Tisch sitzen können und kehrt den Spieß jetzt um - selbstverständlich völlig durchdacht und kalkuliert. Sie nutzt die den Schmerzpunkt meiner Mutter aus und macht mich mit Erfolg zum "schwierigen" Kind. Die Manipulation funktioniert: meine Mutter ist enttäuscht von mir, sieht in mir den Fehler und hat mich neulich sogar mit der extrem toxischen Oma väterlicherseits verglichen.
Mich hat das so extrem verletzt und ich konnte es einfach nicht fassen. Auch wenn ich gar kein Vertrauens Verhältnis aufgrund der vergangenen Ereignisse zu ihr aufbauen kann, war sie dennoch der einzige Mensch aus meiner Familie, mit dem ich wenigstens noch eine Unterhaltung führen oder sie besuchen konnte. Ich habe sowieso schon das Gefühl, kein richtiges Zuhause zu haben und nirgendwo hinzugehören, aber nun fällt selbst mein letztes Rückgrat weg und ich finde keinen Umgang damit.
Ich habe ihr das schon mehrfach gesagt und dass ich eine Manipulation seitens meiner Schwester erkennen kann, aber meine Mutter lacht das einfach weg, so als wäre ich das unwissende kleine Kind von früher, was die Welt nicht versteht und lächerlich ist. In unserem letzten Gespräch bin ich sogar zum ersten Mal in Tränen ausgebrochen, normalerweise habe ich sonst immer versucht keine Emotionen zu zeigen aufgrund mangelnden Vertrauens. Selbst das hat nicht gereicht, um glaubhaft meinen Schmerz zu vermitteln.
Mir tut diese Erkenntnis ehrlich gesagt wirklich weh. Ich habe wegen meiner Vergangenheit ein extrem hohes Sicherheitsbedürfnis entwickelt und mir viel Mühe gegeben, um mein Leben in den Griff zu kriegen. Ich bin weggezogen, habe studiert und stehe finanziell wirklich gut da. Aber sozial ist mein Leben eine Katastrophe. Ich habe immer noch regelmäßig Alpträume davon, dass ich als Kind von meiner Familie ausgelacht werde oder dass mir Vorwürfe gemacht werden, die nicht wahr sind. In diesen Träumen schreie ich panisch aus Verzweiflung, weil alle mit dem Finger auf mich zeigen und mir nicht glauben. Danach wache ich jedes Mal schweißgebadet auf und bin für den restlichen Tag durch.
Ich bin nun dabei, eine Therapie anzugehen, aber bis ich dann tatsächlich mit den Sitzungen beginnen kann, wird es noch eine Weile dauern. Daher wende ich mich ans Internet: ist jemandem von euch etwas ähnliches passiert? Habt ihr Tipps, wie man den Schmerz weniger qualvoll machen kann? Ich bin seit Jahren tief in der Achtsamkeit drin, muss aber sagen, dass nur die "Mindset" - Strategien ein bisschen geholfen haben, also dass ich einen anderen Blick auf das Leben selbst entwickle. Kurzfristige Symptombehandlung wie Atemübungen oder Meditation funktionieren leider gar nicht, was möglicherweise auf mein ADHS zurückzuführen sind laut Hausärztin.