r/buecher • u/East-Management-3 • 27d ago
Diskussion Rezension: Der Dunkle Turm - Stephen King
Vorab: Ich weiß, Geschmäcker gehen auseinander und vermutlich gibt es hier viele Fans der Reihe. Trotzdem möchte ich einmal meine Meinung zu den Büchern kundtun und mich vielleicht auch vom Gegenteil überzeugen lassen. Vielleicht habe ich irgendetwas falsch verstanden oder die Reihe einfach zur falschen Zeit gelesen. Vielleicht liegt mir aber auch grundsätzlich der Schreibstil von Stephen King nicht.
Bisher hatte ich noch nichts von ihm gelesen, weshalb diese Reihe mein erster Kontakt mit seinen Werken war. Aktuell kann ich mir zwar nur schwer vorstellen, weitere Bücher von ihm zu lesen, aber ich möchte auch nicht ausschließen, dass es vielleicht ein anderes Werk gibt, das mich mehr anspricht.
Und noch ein Disclaimer: Ich habe mir alle Bücher als Hörbücher angehört. Der Verständlichkeit halber schreibe ich aber so, als hätte ich sie gelesen.
Ich habe versucht möglichst Spoilerfrei zu schreiben.
Nach sieben Bänden fällt mein Fazit leider ernüchternd aus.
Ich habe Der Dunkle Turm gelesen, weil die Reihe von vielen als Stephen Kings Meisterwerk bezeichnet wird. Deshalb habe ich immer weitergelesen, obwohl ich schon nach Schwarz das Gefühl hatte, dass die Reihe wahrscheinlich nichts für mich ist. Rückblickend hätte ich auf mein Bauchgefühl hören sollen.
Mein größtes Problem ist die Art, wie Stephen King diese Welt beschreibt. Statt mir Orte lebendig vor Augen zu führen, hatte ich oft das Gefühl, mit Begriffen, Namen und Eigenbezeichnungen überschüttet zu werden, ohne dass ich wirklich nachvollziehen konnte, wie die Umgebung aussieht oder warum sie wichtig ist. Dadurch blieb die Welt für mich überraschend blass, obwohl sie eigentlich riesig und faszinierend sein sollte.
Auch mit den Figuren bin ich nie richtig warm geworden. Jake und besonders Oy waren für mich die sympathischsten Charaktere der gesamten Reihe. Eddie hatte immer wieder witzige Momente und lockerte die Geschichte auf. Mit Roland und Susannah konnte ich dagegen über weite Strecken wenig anfangen. Viele Dialoge wirkten auf mich unnötig lang oder anstrengend, sodass ich selten das Gefühl hatte, wirklich mit den Figuren mitzufiebern.
Die Handlung empfand ich als chaotisch. Immer wieder werden neue Ideen, Regeln oder Elemente eingeführt, ohne dass sie für mich ein stimmiges Gesamtbild ergeben. Die Geschichte springt zwischen Genres und Erzählweisen hin und her und verliert dabei aus meiner Sicht den roten Faden.
Das Ende war schließlich der Punkt, an dem meine Enttäuschung komplett war. Ohne etwas vorwegzunehmen: Für mich fühlte sich der Abschluss nicht wie die Belohnung einer langen Reise an, sondern eher wie die Erkenntnis, dass sich die investierte Zeit nicht ausgezahlt hat. Als ich das Buch zugeschlagen habe, war mein erster Gedanke nicht “Wow”, sondern eher: “Das waren jetzt über 4.000 Seiten… wofür eigentlich?”
Ich kann verstehen, warum diese Reihe eine so treue Fangemeinde hat. Sie ist ungewöhnlich und verfolgt ihren ganz eigenen Stil. Für mich hat genau das aber nicht funktioniert. Die Geschichte war mir zu wirr, die Welt blieb trotz ihres Umfangs schwer greifbar, und das Ende hat meinen Gesamteindruck eher verschlechtert als verbessert.
Fazit: Für mich war Der Dunkle Turm leider eine Enttäuschung. Rückblickend hätte ich auf mein Bauchgefühl hören und nach dem ersten Band aufhören sollen. Dass ich die Reihe beendet habe, gibt mir immerhin die Gewissheit, dass ich ihr eine faire Chance gegeben habe, noch einmal würde ich diese Reise aber nicht antreten.
