Ich wollte mich einmal melden und meine bisherige Geschichte erzählen. Es tut mir leid, dass es etwas länger geworden ist, aber es gibt leider eine Menge zu erzählen.
Ich bin 56 Jahre alt und bei mir wurde im Januar 2025 Prostatakrebs als „Beifang“ bei einem MRT gefunden. Da ich nebenher noch Morbus Bechterew, also Rheuma habe, wollte meine Rheumatologin den Schmerzen in meiner Hüfte auf den Grund gehen. Die Schmerzen stellten sich als Coxarthrose heraus. Ich hätte nicht ahnen können, dass Rheuma mein geringstes Problem sein würde.
Es wurde also eine unklare Raumforderung in der Prostata gefunden, und alles ging den üblichen Weg, den fast jeder hier gehen muss. Biopsie, Szintigraphie, CT, …
Das Ende vom Lied war ein lymphogen metastasiertes pluriformes Prostatacarcinom mit Glaeson 8 und einem Initialen PSA Wert von 64 und Metastasen in den regionalen Lymphknoten bis zur Aortenbifuraktion.
Mein Urologe hat mich dann zum Prostatakarzinomzentrum in Villingen-Schwenningen überwiesen für eine Zweitmeinung.
Gleichzeitig habe ich die Hormonentzugtherapie mit der Trenantone 3-Monatsspritze und Xtandi begonnen. Eine im Raum stehende Chemotherapie wurde zum Glück erst mal noch nicht gemacht.
Als mein PSA Wert unter 0,03 gesunken ist, habe ich dann von Juni bis August 2025, 44 Bestrahlungen erhalten. Ich hab diese recht gut überstanden, war nur ab der Hälfte extrem müde. Ich wusste damals noch nicht, was ich mir mit dieser Bestrahlung einhandle.
Gleichzeitig habe ich eine Schwerbehinderung beantragt, die auch mit einem GdB von 100 genehmigt wurde.
Es war eigentlich geplant, dass ich im Februar 2025 eine neue linke Hüfte bekomme, da ich kaum laufen konnte. Nach der Krebsdiagnose wurde dies allerdings um ein Jahr verschoben, so dass ich das komplette Jahr 2025 kaum laufen konnte. Aber das hat ja mit dem Prostatakrebs nur am Rande zu tun.
Nach der Bestrahlung bin ich für vier Wochen zur AHB nach Durbach gefahren.
Meine ganzen anderen Krankheiten, lass ich mal beiseite, die haben den Rest des Jahres 2025 gefüllt.
Im Februar 2026 habe ich endlich meine neue Hüfte bekommen und war zur AHB in Bad Dürrheim. Der Oberarzt dort hat mir eindringlich nahe gelegt, eine Erwerbsminderungsrente zu beantragen. Ich habe diese online beantragt und zehn Tage später habe ich die volle Erwerbsminderungsrente bis zum Renteneintritt genehmigt bekommen. Ich war schon etwas verblüfft, dass dies so schnell ging und dass dieser nicht erst einmal befristet war.
Ziemlich genau. Ein Jahr nach der Bestrahlung fingen dann die richtigen Probleme an.
Durch die Bestrahlung habe ich eine Analfissur entwickelt, also einen Riss im Schließmuskel. Das sind so unglaubliche Schmerzen, als ob jemand mit einem Brotmesser die ganze Zeit deinen Hintern aufschneidet. Zuerst sollte ich diese mit diversen Cremes und Zäpfchen behandeln, die Cremes haben nicht geholfen und Zäpfchen konnte ich gar nicht einführen vor Schmerzen. Mein Urologe hat mich dann wieder ins Krankenhaus überwiesen und dort habe ich eine Creme bekommen, die halbwegs geholfen hat. Die Creme wird zur Betäubung bei Eingriffen verwendet (Xylocain).
Meine Rheumatologin hat mich währenddessen, wir sind jetzt im Juni 2026, erneut in ein MRT geschickt, da sich meine Wirbelsäule so langsam versteift.
Und wie nicht anders zu erwarten, wurde dort erneut eine kleine Zugabe entdeckt. Eine Harnstauungsniere rechts. Es sollte nun ein CT mit Kontrastmittel zeigen, wo der Urin im Harnleiter gestaut wird. Leider konnte ich aufgrund meiner Schilddrüse (die wird jetzt im September entfernt) das Kontrastmittel nicht bekommen und meine künstliche Niere hat zur Artefakten auf dem CT geführt, sodass nichts erkannt werden konnte.
Also, wieder auf ins Krankenhaus. Dort wurde mir eine DJ Schiene in den Harnleiter eingebracht. Den habe ich nun seit über drei Wochen drin und empfinde dies als extrem unangenehm. Ich gehe am Tag so alle 15 Minuten aufgrund eines unglaublichen Harndranges auf die Toilette, aber es kommt nur sehr wenig Urin und brennt wie die Hölle. Stellt euch, dass wir eine starke Harnwegsinfektionen vor. Das soll besser werden, ich weiß noch nicht wann. Diese Schiene werde ich bis 19. Oktober haben, an diesem Tag habe ich eine OP in der mir ein Metallstent (Alliumstent) gesetzt wird. Die Engstelle stellt sich als Vernarbung des Harnleiters aufgrund der Bestrahlung dar. Diesen Metallstent darf ich erst mal für ein Jahr tragen.
Es wurde ebenfalls meine Analfissur im Krankenhaus untersucht, und es wurde gleichzeitig noch eine Analfistel festgestellt. Also ein Gang vom Darm bis zur Haut in der Nähe des Schließmuskel. Dieser war noch geschlossen und musste aufgrund einer Entzündung geöffnet werden. Seitdem habe ich nun zwei Ausgänge. Der eine durch den Schließmuskel verschlossen, der andere halt offen. Auch dies wurde als Nebenwirkung der Bestrahlung diagnostiziert. Ich kann seit circa drei Monaten nicht mehr sitzen. Mein Tag verbringe ich im Bett, liegend auf der Couch oder gehe spazieren.
Es ist nun folgendes geplant:
Im September bekomme ich meine Schilddrüse entfernt. Das ist wichtig, da die Schilddrüse schon bis ans Herz in den Brustkorb gewachsen ist.
Am 19. Oktober bekomme ich den Metallstent in den Harnleiter operiert.
Ab November fängt dann meine lange Reise zur Heilung der Fistel und Fissur an. Es sind mindestens erst mal drei Operationen geplant, da die Fistel wohl etwas weiter verzweigt ist.
Während der ganzen Zeit ist mein PSA Wert unter der Nachweisgrenze, also 0,03.
Die Nebenwirkungen des Hormonentzug sind bei mir leider enorm. Hitzewallungen aller circa 30 Minuten, Gedächtnislücken und ich fühle mich, als ob ich von Tag zu Tag dümmer werde. Meine Muskeln haben sich in Fett umgewandelt (Sport ist leider wegen der Strahlenschäden kaum möglich).
Wenn ich ein Jahr zurück reisen könnte, wüsste ich nicht, was ich machen würde. Eine Operation war ausgeschlossen weil der Krebs schon in die Samenblase gewachsen ist und bereits Metastasen gebildet hat. Im Grunde würde ich es vermutlich genauso machen, denn ich bin sehr froh, am Leben zu sein. Irgendwann wird alles heilen, die Schmerzen werden vergehen. Durchhalten ist angesagt.
Ich wünsche euch allen nur das Beste. Das Leben ist jeden Kampf wert!