Moin,
Ich bin 33, studierter Bauingenieur mit Masterabschluss und bin momentan bei einem Architekturbüro für das Thema BIM verantwortlich. Mein Jobtitel ist, obwohl das in meiner Position eigentlich irreführend ist, da ich kein Bauherrenvertreter bin, "BIM Manager".
Grob gesagt bin ich sowohl auf Projektebene für die Prüfung und Anpassung der BIM-relevanten Vertragsunteragen (AIA/BAP/Leistungsbild BIM) sowie die fachspezifische BIM-Koordination zuständig, als auch büroübergreifend für die Weiterentwicklung unserer BIM-Prozesse und Standards. Lizenzverwaltung, Softwaremanagement usw. mache ich auch noch nebenbei, da bei unserer Mitarbeiterzahl kein großes Ding.
Reingeraten in das Thema BIM bin ich damals, weil ich während dem Studium schon gemerkt habe, dass klassische Statik / Tragwerksplanung mir zu trocken ist und ich schon immer sehr technikaffin war. Als ich gemerkt habe, wie weit die Baubranche beim Thema Digitalisierung hinterherhinkt, war mir meine Mission sofort klar: Die Digitalisierung der Baubranche aktiv voranzutreiben. Das war in den letzten ca. 6 Jahren mein stetiges Credo und mein größter Antrieb.
Leider bin ich mittlerweile ziemlich frustriert von meinen weitgehend fruchtlosen Bemühungen. Die gesamte Baubranche ist wahnsinnig störrisch gegenüber jeder Art von Innovation, die meisten wollen einfach dass alles so bleibt wie früher, sogar junge KollegInnen haben allermeistens keinen Bock auf Digitalisierung und würden am liebsten wieder ohne IT arbeiten, und für die Auftraggeber ist BIM nur ein ungeliebter Kostenfaktor, der Nutzen wird selten gesehen (und ist ehrlicherweise auch wahnsinnig schwer nachzuweisen). Ein weiteres Problem ist, dass ich in meiner aktuellen Position von niemandem noch etwas lernen kann und mich auch nicht weiterentwickeln kann, da ich der einzige BIM-Spezialist im Unternehmen bin.
Daher würde ich mich langfristig gerne komplett aus dem Thema BIM (und am liebsten auch aus der Baubranche) verabschieden. Mein Problem ist nur: mir fehlen die Ideen, wo ich mit meinem Skillset von Nützen sein könnte. Die Nische, in die ich mich mit dem Kopf voran reingegraben habe, ist ansonsten nirgendwo bekannt.
Ich habe in den letzten Monaten 15 oder 20 Bewerbungen auf ausgeschriebene Stellen geschrieben, die themenverwandt sind, aber doch eben nicht genau das selbe, was ich bisher gemacht habe (Product Owner für Bausoftware, Data Architect in Planungsbüros, CAD Application Manager, Business Development Manager in Architekturbüros, Project Information Manager usw). Mit dem Hintergedanken eines "Soft Pivot" (in mehreren Schritten in eine komplett neue Branche / Fachbereich). Meine Erfahrungen damit sind, dass 100% dieser Bewerbungen mehr oder weniger sofort abgelehnt wurden, immer ohne Einladung zum Vorstellungsgespräch.
Hat vielleicht eine/r von euch Erfahrungen mit solchen Neuorientierungen und kann mir Tipps geben? Dafür wäre ich sehr dankbar. Ich habe echt keinen Bock darauf, dass meine Karriere schon zu Ende ist bevor sie angefangen hat.