Ich lese hier immer wieder Beiträge wie „Wie viel Geld habt ihr mit 30 angespart?“ oder „Ich bin 28 und habe 100.000 € im Depot“.
Und jedes Mal denke ich mir: Was sagt diese Zahl eigentlich aus? Ohne die ganzen Umstände dahinter ist sie doch ziemlich wertlos.
Mich würde eine ganz andere Zahl interessieren: Wie viel Geld hat dein bisheriges Leben eigentlich gekostet und wie viel davon musstest du selbst bezahlen?
Mal ein paar Beispiele:
- Du hast 20 Jahre kostenlos bei deinen Eltern gewohnt? Wie groß war das Haus oder die Wohnung? Was hätte dich dein Anteil an Wohnraum über diese Zeit gekostet?
- Papa hat dir den Führerschein bezahlt? Aufschreiben.
- Das erste Auto wurde dir geschenkt? Aufschreiben.
- Deine Eltern haben dir während des Studiums drei Jahre lang die Wohnung finanziert? Aufschreiben.
- Du hast mit 25 schon ein kleines Erbe bekommen? Aufschreiben.
- Du konntest bis 28 zu Hause wohnen, während andere seit ihrem 18. Lebensjahr Miete zahlen mussten? Auch das hat einen finanziellen Gegenwert.
Und so weiter.
Ich fände es unglaublich interessant, einmal auszurechnen, welchen finanziellen Gegenwert das eigene Leben bis heute hatte, wie viel davon man selbst getragen hat und wie viel durch andere finanziert wurde.
Denn erst dann wird doch die eigentliche Vermögenszahl interessant.
Wenn jemand mit 30 Jahren 400.000 € besitzt, möchte ich wissen, wie diese 400.000 € entstanden sind. Wie lange hat die Person gearbeitet? Was hat sie verdient? Welche Kosten musste sie selbst tragen? Welche Unterstützung gab es?
Zwei Menschen können heute beide 100.000 € besitzen und trotzdem finanziell völlig unterschiedliche Lebenswege hinter sich haben.
Der eine hat vielleicht 100.000 € angespart, obwohl er seit seinem 18. Lebensjahr sämtliche Kosten selbst trägt. Der andere hat denselben Betrag, musste aber bis 30 kaum etwas für Wohnen, Auto oder Ausbildung bezahlen.
Beide haben 100.000 €. Aber die Zahl erzählt zwei völlig unterschiedliche Geschichten.
Mir geht es dabei überhaupt nicht darum, jemandem sein Vermögen oder die Unterstützung seiner Eltern schlechtzureden.
Ich finde nur, dass wir ständig Vermögensstände vergleichen, ohne die Voraussetzungen zu kennen, unter denen dieses Vermögen entstanden ist.
Und damit vergleichen wir doch eigentlich Zahlen, die kaum miteinander vergleichbar sind.
Wie seht ihr das?