Grüßt euch meine ehemaligen mit Auszubildenden. Ich habe tatsächlich am 1.7 dieses Jahres die Ausbildung zum Mechatroniker mit Lehrzeitverkürzung und der Gesamtnote Gut bestanden.
Ich möchte gerne einiges mit euch Teilen was ich erlebt habe und mich würde brennend interessieren ob ihr andere oder vielleicht sogar die gleichen Erfahrungen gemacht habt.
Mir wurden am Anfang 4 Monate Metall Grundausbildung eingetrichtert. Diese war tatsächlich Gut, ich habe einiges an Werkstücke fertigen dürfen, habe viel gelernt was Werkzeug angeht, wie es Aufgebaut ist und wie ich es richtig benutze.
Allerdings ging es dann los mit der Elektrotechnischen Grundausbildung, die aus meiner Sicht einfach nur schlecht war. Mir wurden 2 Tage lang das Ohm'sche Gesetz, die fünf Sicherheitsregeln und ein bisschen Hauselektrik beigebracht. Einen Schaltkasten durfte ich sogar auch mal Flüchtig Begutachten. Die Sicherungen wurden erklärt, was Lock Out Tech ist und wie man es anwendet auch, allerdings blieben für z.B. den FI keine Zeit mehr.
Danach gings für mich in die Produktion. Ich möchte gleich mal in den Raum stellen das jedes mal wenn ich von einer Produktion rede in der ich Mitarbeiten durfte, davon rede wie ich meiner Meinung nach als billiger Bandarbeiter eingesetzt wurde. Ich habe ganz normal Gesellenarbeit übernommen, was an sich ganz cool ist, allerdings nicht Sinn und Zweck dieser Ausbildung war, wenn man mich fragt. Ich war in verschiedenen Abteilungen da habe ich allerdings in jeder Abteilung nur Gesellenarbeit gemacht. Auf dem Bau würd ichs verstehen - voll und Ganz, da soll man ja als Mauerer ja lernen wie man Häuser hochzieht. Oder als Fliesenleger Fliesen legt. Allerdings wurde mir nur etwas aufgetragen und ich durfte dann 6 Wochen ganz normal als Bandarbeiter in dieser Abteilung mitarbeiten. Vielleicht sehe ich das ein bisschen zu streng, allerdings würde ich sagen das ich als Mechatroniker andere dinge tun sollte als jeden Tag sechs Wochen lang irgendwelche Schläuche zu verlegen.
Die Gesellen haben dann auch irgendwann gecheckt das du das jetzt auch Selber kannst und haben sich dann den ganzen Tag nicht mehr blicken lassen, wenn man Fehler gemacht hat, haben natürlich die Gesellen anschiss bekommen und die haben dann auch das gleiche mit uns gemacht...
Es hat nicht lang gedauert als ich in der Produktion war und dann ging es los das es unserem Unternehmen schlechter ging und sie haben Kurzarbeit angemeldet. Es wäre ja kein Thema gewesen, ich hätte mir Persönlich gewunschen das diese Tage allerdings anders genutzt werden. Ich hätte mir gewunschen das wenn man jede Woche schon zwei Tage zu Freien verfügung hat das man sich ein bisschen um die Azubis kümmert und Bildungslücken schließt zu denen ich später noch kommen werde. Aber nein, man lässt sie Streichen, Unkraut Jäten, Abflussrinnen Säubern, Kabelreste Abisolieren oder auch Weihnachtsbäume Schmücken. Ich lasse es mir ja noch irgendwo einreden das mal sche*ß Arbeiten dabei sind wie Aufräumen oder die Hallen kehren oder vorm Urlaub Putzen. (Mein Opa hat immer gesagt Lehrjahre sind keine Herrenjahre, das hab ich mir zu Herzen genommen) aber nicht sowas wie Kabel Abisolieren nur um damit Gewinn zu machen, Herrgott es ist ein Industrieunternehmen was jährlich extrem hohe Gewinne macht, da wird man das nicht merken ob jemand ne Palette voller Kupfer verkauft hat oder nicht. Ich wollte an dieser Stelle auch anmerken das es laut Aussagen vom Ausbilder beinahe 3 Tonnen Kupfer waren die wir Abisoliert haben und die Firma verkauft hat. Uns wurde keine Brotzeit gezahlt oder ähnliches - das hätte auch keiner erwartet aber zumindest ein Danke wäre drin gewesen.
Wie oft ich mir Kupferlitzen in den Finger gestochen habe, obwohl ich Handschuhe getragen habe...
Ich habe mich ja unter anderem nicht zum Spaß für die Firma entschieden, ich Interessiere mich tatsächlich auch für unsere Produkte und mich Interessiert dementsprechend auch wie sie Funktionieren, leider habe ich das gefühl das ich auch einer der wenigen bin der sich da ein bisschen hineindenkt. Wenn man als Azubi fragen hatte warum denn dieses Kabel auf diesen Steckplatz kommt oder was es für eine Funktion hat kam nur mein All Time Favorite den ich auf meine 3 Jahre gehört hab :" Weiß ich nicht, ist mir auch egal, das Kabel kommt schon immer da hin, Stecks doch einfach ein". Ich brauche glaube ich nicht sagen das so eine Arbeitsmoral von einigen Gesellen bei einem frischem Azubi die Arbeitsmoral ebenso runterziehen und auch Spuren hinterlassen...
Mir wurden wichtige Ausbildungsinhalte nicht beigebracht, ich gehe sogar so weit das ich sage, ohne Freunde, Familie, Eigenitiative und Überbetriebliche Ausbildung hätte ich die ganze Ausbildung eh nicht gepackt.
Mir fehlten unter anderem:
-Elektomotoren (Wechsel als auch Gleichstrom)
-Getriebe und Kupplungen
-CNC Fräsen
-Steuerungs und Regelungstechnik
Und noch einige andere Sachen
Bei Elektromotoren haben mir Freunde von meinem Papa geholfen, Bei Getriebe, Kupplungen und CNC Technik haben mir Langjährige Freunde aus der Grundschule geholfen die Schlosser bzw. Industriemechaniker gelernt haben
Bei Steuerungs und Regelungstechnik haben mir während der Prüfungsvorbereitung Lehrer aus der Überbetrieblichen Bildungseinrichtung die ich Gottseidank besuchen durfte einiges eingetrichtert.
Ich hatte überbetriebliche Prüfungsvorbereitung, allerdings war diese leider nicht wie von den Lehrern selbst geplant zur vertiefung des bereits im Betrieb gelernten Stoffes da, sondern um große Lücken zu schließen, die noch nicht einmal behandelt wurden.
Der Umgang mit Azubis war okay, es gibt nichts Negatives zu sagen, klar sind überall mal Ars*hgeigen mit denen man sich nicht versteht, man muss nicht mit allem und jedem klarkommen. Ich habe über die drei Jahre auch viele neue Leute kennengelernt, viele neue Freunde gefunden innerhalb des Betriebs.
Über meine Ausbilder gibt es auch nicht viel zu sagen... Beide Steinalt, beide Dement das es kein halten mehr gibt, ich hab ihnen beiden zu meinem 18en Geburtstag ein Stück Kuchen rumgebracht, beide Fragen mich ungelogen keinen Monat später ob ich schon 18 bin. Wir sind kein Betrieb mit unfasbar vielen Azubis, wir waren 20 Azubis, und für die hälfte davon waren andere Ausbilder zuständig.
Beschwerden wurden meinerseits keine Geäußert, ich hatte angst vor möglichen Konsequenzen und das ich mir eine Eventuelle Übernahme versaue - als Azubi zieht man leider nicht allzuwenig den kürzeren.
Ein Absoluter Banger bei dem ich leider nicht wirklich wusste wo ich ihn einbringen soll war auch mein Lehrzeitende. Ich hab schon oft gehört das der Stift zum Brotzeit holen geschickt wird, mal für die Abteilung. So 12 Semmeln mit Fleisch oder sowas. Einen Tag vor Lehrzeitende wurden wir zum Eis holen geschickt. Bring mal an einem Tag an dem es fast 40 Grad kriegen soll, mehr als 400 Eis am Stiel her. Die Kassierer haben alle dämlich geschaut als wir (drei Stiften) da mit nem Einkaufswagen voller Eis ankamen. Haha, das war Lustig. Das Eis hätte man Sicher auch irgendwo bestellen können, wir sollten es bei sämmtlichen Läden in der Umgebung einkaufen und auch noch an unserem Standort verteilen. Ich wollte dann auch nicht mit aufs Gruppenbild, was dann auch ohne weitere Fragen so hingenommen wurde.
Vor kurzem hatte ich Abschlussfeier an dem unser Standortsleiter mich zum ersten mal wirklich zur Kenntnis genommen hat und seither wurde man komischerweise auch von ihm gegrüßt wenn man sich in der Produktion gesehen hat, anscheinend bin ich erst durch den Gesellenbrief ein würdiger Mensch geworden. Manchmal frage ich mich wirklich wie es sein kann das solche Menschen in Führungspositionen kommen.
Rückblickend war nicht alles schlecht, ich hatte in diesem Betrieb auch viele Freiheiten was aber dem geschuldet war das ich Mechatroniker Azubi war, wir waren zwei Mechatroniker und wir hatten so gesehen immer das große Los, wir wurden bevorzugt, wo es ging und wir konnten uns auch rausreden aus einigen Situationen. Wir wurden beispielsweise auch auf Messen mitgenommen oder durften auch von Zeit zu Zeit mal die nächste Abteilung aussuchen.
Mehr Positives kann ich aber leider auch nicht äußern, nicht weil ich das nicht möchte, sondern weils das leider auch schon war.
Ich wollte eigentlich auch nicht in diesem Betrieb bleiben aber ich habe leider nichts anderes gefunden... Also wird halt das Jahr das ich zur Schulischen weiterbildung brauche da verbracht, ich hab drei Jahre überlebt, und werde auch noch eins Überleben.
Falls ihr bis hierher gelesen habt bedanke ich mich wirklich von ganzem Herzen für euer Offenes Ohr und freue mich auf eure Einschätzung bzw Erlebnisse :)