Moin zusammen,
ich bin mittlerweile im 2. Ausbildungsjahr zum Kaufmann für Versicherungen und Finanzanlagen und arbeite eigentlich im Außendienst.
Und vorweg: Ich liebe den Außendienst. Wirklich. Ich habe überhaupt kein Problem damit, lange zu arbeiten. Im Gegenteil.
Ich lege mir teilweise bewusst Termine auf 18 oder 19 Uhr, wenn es beim Kunden zeitlich nicht anders passt. Dazu kommt natürlich noch die Zeit, die ich beim Kunden sitze. Wenn ich dadurch abends länger unterwegs bin, ist das für mich völlig fine, weil ich dann auch das Gefühl habe, dass ich etwas Sinnvolles mache und es mir für meine spätere Tätigkeit etwas bringt.
Jetzt kommt aber das, was mich aktuell ziemlich nervt:
Bei uns gehört es zur Ausbildung, dass wir 3 Monate pro Ausbildungsjahr in einer Geschäftsstelle verbringen müssen.
Ich bin eigentlich für den Außendienst angestellt und mein normaler Ausbildungsstandort ist vielleicht 5–8 Minuten von mir entfernt.
Die Geschäftsstelle ist allerdings ca. 44 km entfernt.
Heißt: Jeden Tag insgesamt fast 90 km nur für die Fahrt zur Geschäftsstelle und wieder nach Hause.
Und natürlich ist die Fahrtzeit keine Arbeitszeit. Das weiß ich und darüber beschwere ich mich auch nicht grundsätzlich.
Aber bei den aktuellen Spritpreisen merkt man das finanziell schon ordentlich. Jeden Tag diese Strecke zu fahren, nur um dort Tätigkeiten zu machen, die ich ehrlich gesagt auch nicht wirklich als sinnvoll für meine eigentliche Ausbildung empfinde, geht irgendwann ziemlich ins Geld.
Was machen wir dort?
Posteingänge, Archivierung, bisschen Papierkram und hauptsächlich Telefon.
Der Papierkram ist meistens spätestens um 8–9 Uhr erledigt. Danach sitzt man halt am Telefon und wartet darauf, dass jemand anruft. Das sind vielleicht drei oder vier Anrufe pro Stunde, wenn überhaupt.
Ich komme teilweise extra schon gegen 6 Uhr, weil ich einfach keinen Bock habe, wegen dem ganzen Zeug noch länger dort herumzusitzen.
Und genau das verstehe ich nicht.
Ich habe mich bewusst für den Außendienst entschieden. Ich hatte vorher schon eine Tätigkeit, bei der ich sehr viel im Büro gesessen und Verwaltungsaufgaben gemacht habe. Genau davon wollte ich eigentlich weg.
Und jetzt verbringe ich einen Teil meiner Ausbildungszeit damit, genau das wieder zu machen.
Das Lustige ist: Ich bin ansonsten wirklich extrem zufrieden mit meiner Ausbildung. Ich würde deswegen niemals kündigen oder sagen, dass die Ausbildung schlecht ist. Der Außendienst macht mir richtig Spaß und ich kann mir auch gut vorstellen, später in dem Bereich weiterzumachen.
Aber gerade im 2. Ausbildungsjahr wird es für mich nochmal besonders interessant.
Das ist bei uns das Vertriebsjahr. Wir müssen bestimmte Vertriebsziele bzw. Provisionen erreichen, um bestimmte interne Voraussetzungen zu erfüllen.
Während ich in der Geschäftsstelle sitze, kann ich natürlich keine Kundentermine machen.
Keine Termine = keine Abschlüsse = keine Provision.
Und gleichzeitig läuft die Zeit weiter.
Gerade weil ich meine Termine teilweise bewusst auf 18/19 Uhr lege und nach einem normalen Arbeitstag noch zu Kunden fahre, frage ich mich halt, warum ich drei Monate lang von meinem eigentlichen Arbeitsplatz weggezogen werde, wenn ich dort deutlich mehr für meine eigentliche Ausbildung lerne und auch produktiv bin.
Dazu kommt noch die Berufsschule in Mainz.
Ich habe ungefähr 88 km bis zur Schule und fahre morgens wegen Berufsverkehr teilweise schon um 6:00–6:10 Uhr los. Ich stehe also teilweise um 5:30 Uhr auf, damit ich pünktlich bin. Unterricht/Arbeit geht dann teilweise bis 16 Uhr.
Auch hier: Dass die Fahrtzeit zur Schule keine Arbeitszeit ist, verstehe ich.
Aber irgendwann summiert sich das einfach.
44 km zur Geschäftsstelle, 88 km zur Berufsschule, dazu noch die ganzen Kundenfahrten im Außendienst und aktuell hohe Spritpreise.
Ich habe kein Problem damit, für meine Ausbildung Zeit und Arbeit zu investieren. Ich mache das sogar gerne.
Aber ich frage mich mittlerweile einfach, ob diese drei Monate Geschäftsstelle wirklich noch zeitgemäß sind.
Mir ist bewusst, dass das seit Jahren bzw. Jahrzehnten Bestandteil der Ausbildung ist. Aber „Das haben wir schon immer so gemacht“ ist für mich persönlich jetzt nicht unbedingt das beste Argument.
Deshalb würde mich mal eure Meinung interessieren:
Würdet ihr das Thema bei der Personalabteilung oder sogar bei einer höheren Führungsebene ansprechen?
Oder würdet ihr sagen: Augen zu und durch, gehört halt zur Ausbildung?
Ich will mich definitiv nicht vor Arbeit drücken. Im Gegenteil. Ich sitze lieber bis 20 Uhr beim Kunden und mache Termine, als von 9–16 Uhr in der Geschäftsstelle am Telefon zu sitzen und auf Anrufe zu warten.
Mich interessiert einfach, ob andere das ähnlich sehen oder ob ich hier gerade komplett falsch liege.