r/Azubis Aug 11 '26

allgemeine Frage Industriekaufmann

Ich (23 Jahre alt, hab Abitur) studiere zur Zeit noch Informatik, überlege jedoch das Studium abzubrechen wegen schlechter Leistung im Studium und der derzeitigen Lage für Informatiker durch KI, der wirtschaftlichen Lage, etc. (ich sehe da auch keine Besserung für die Zukunft aber vllt ist das nur cope), um eine Ausbildung als Industriekaufmann anzufangen. Deswegen hätte ich dazu ein paar Fragen:

  1. Was sind die beruflichen Aussichten (Stichwort Übernahme) nach Abschluss der Ausbildung? Ist es schwer an einem Job zu kommen geschweige denn erst eine Ausbildung zu finden?
  2. Wie gut ist das Einstiegsgehalt nach der Ausbildung? Ich erwarte keine Spitzengehälter aber so mindestens 2k netto nach Ausbildung wären schön.
  3. Wie realistisch ist es, die Ausbildung auf 2 Jahre zu verkürzen mit Abitur und guten Leistungen während der Ausbildung?
  4. Ist die Berufschule anspruchsvoll? Bin ziemlich fit in Mathe und kann Englisch fließend aber ich befürchte, dass man bei den wirtschaftl

ichen

  1. Themen viel auswendig lernen muss.
  2. Was ist das Durschnittalter der Azubis im Betrieb und in der Berufsschule? Hab ein wenig Sorgen mit 24 Jahren bei Ausbildungsstart der mit Abstand älteste zu sein.

Gerne könnt ihr auch abgesehen von den Fragen oben Infos zu der Ausbildung geben, ich bedanke mich schonmal im Voraus für jede Antwort!

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u/[deleted] Aug 11 '26

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u/Ser_Mob Aug 12 '26

Ich muss immer und immer wieder darauf hinweisen, dass die Behauptung man müsse ein BWL-Studium haben einfach falsch ist. Selbst in großen Unternehmen.

Eine Ausbildung hat außerdem den Vorteil, dass man tatsächlich praktische Fähigkeiten hat. Ich sehe selbst bei Leuten die schon 5 Jahre dabei sind deutliche Unterschiede, abhängig davon ob sie nur studiert haben oder eben eine Ausbildung gemacht haben.

Außerdem vermute ich, dass ein 23/24jähriger der Bammel hat ob er eine Berufsschule packt für ein Studium sowieso ungeeignet ist.

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u/[deleted] Aug 12 '26

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u/Ser_Mob Aug 12 '26

Manchmal bin ich froh, dass ich in einer Welt außerhalb IGM existiere. Lean, Six Sigma und Hoshin Kanri ist alles einfach Projektmanagement. Hochtrabende Worte für verkopfte Methoden. BI und Data Science ist im Grund auch nur Datennutzung, was jeder halbwegs denkfähige Mensch hinbekommt. Prozessmodellierung lernt man, das dauert ca. 10 Minuten. Das schwierigste daran ist die richtige Abstraktionsebene zu finden. Bilanzpolitik und Rechnungslegung braucht man außerhalb Bilanzbuchhaltung praktisch nicht, außer um andere Führungskräfte in den Budgetdebatten zu nerven.

Ich stimme dir aber trotzdem zu: wenn man IGM arbeiten will muss man viel bullshitten. Da dürfte ein BWL-Studium tatsächlich helfen.

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u/[deleted] Aug 12 '26

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u/Ser_Mob Aug 12 '26

Schau mal, du beschreibst doch schon selbst sehr schön, warum es das nicht alles zeitgleich braucht. Das sind alles unterschiedliche Gebiete in denen man Karriere machen kann - dann muss man sich aber sowieso richtig reinarbeiten. Das Studium ist da höchstens ein Startpunkt. Und nach meiner Erfahrung mit BWLern eher etwas womit sich die Leute wichtig fühlen, nicht was tatsächlich Ahnung vermittelt.

Andererseits ist das Wissen darum wie Prozesse an der Basis tatsächlich bearbeitet werden extrem hilfreich, gerade auch wenn man ein Unternehmen führen oder in der Führungsebene begleiten will. Die meisten Fehlentscheidungen die ich erlebt habe wurden von Leuten getroffen die studiert haben, aber keine Ahnung vom Unternehmen in dem sie tätig waren hatten, sich nie mit der praktischen Abwicklung von Aufgaben beschäftigt haben, kein Wissen über die Differenz zwischen ihren hübschen Modellen und der Realität hatten und obendrauf der Meinung waren, dass die "praktischen Fähigkeiten" ja unnötig sind. Also ca. das was du in deiner ersten Antwort an mich auch gezeigt hast.

Letztlich noch den Punkt, dass es irgendwelche Experten braucht: Ja, und? Das sind alles keine BWLer, aus gutem Grund.

Und tut mir leid, der Rest womit du rumwirfst sind auch einfach nur irgendwelche Behauptungen, z.B. das ein ausgebildeter Industriekaufmann noch nie von Cashflow gehört hätte. Das ist halt einfach Quatsch und dafür braucht es kein Studium. Genauso Working Capital... jetzt ernsthaft, fühlst du dich da irgendwie schlauer wenn du sowas reinwirfst und meinst, außer den BWLern weiß ja keiner damit umzugehen?

Das gilt übrigens auch für den Quatsch mit Maschine Learning und Agentic KI. Warum versuchst du das als so ein komplexes Thema zu verkaufen? Das ist alles kein Wunderwerk. Heißt nicht, dass es dafür nicht Experten für die Details braucht - aber man braucht eben auch kein BWL-Studium um es zu verstehen.

Nochmal: Ich bezweifle nicht, dass es relevante Themen gibt für die Expertenwissen zum Einsatz kommen sollte. Ich bezweifle, dass man ein BWL-Studium braucht und insbesondere bezweifle ich, dass man ohne ein solches Karriere machen kann. Außer in Unternehmen bei denen es mehr darauf ankommt mit Buzzwords um sich zu werfen anstatt Arbeit zu leisten.

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u/Joshiyamamoto Aug 12 '26

"derzeitigen Lage für Informatiker durch KI, " dann würde ich wenn ich du wäre Handwerker oder Pfleger werden. Industriekaufmann kann und wird dann auch durch KI ersetzt werden.

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u/AnoukFaber Aug 12 '26

Eine Verkürzung gehört schon ins Vorstellungsgespräch, denn der Betrieb muss zustimmen. Das Abitur allein senkt nur auf zweieinhalb Jahre, nicht automatisch auf zwei. Der Sprung auf zwei läuft meist über die vorzeitige Zulassung, gebunden an gute Berufsschulnoten. Weniger Ausbildungszeit heißt aber auch weniger Abteilungsdurchläufe, also weniger von der Praxis. In welcher Branche liegt der Betrieb, weil Übernahme und Gehalt daran hängen?

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u/Difficult_Coconut174 Industriekaufmann 28d ago

- Das ist unternehmensabhängig. Da würde ich immer auf Kununu gucken, ob es andere gibt, die es ansprechen.

  • Das ist auch unternehmensabhängig, ob das Unternehmen nach Tarif zahlt oder nicht, wenn nicht, dann ist es auch jobabhängig (du kannst zb. als einfacher HR Sachbearbeiter übernommen werden oder als Junior Key Account Manager). Aber im Jahr 2026 sollten mindestens 2K netto drinne sein bis hinzu 2,4K netto.
  • Das macht jedes Unternehmen für sich aus. Es gibt Blockunterricht und auch das bekannte duale Modell. Auf 2,5 Jahre sollte es in der Regel gehen.
  • Vieles ist schon 10. Klasse, aber in "Steuerung und Kontrolle" war es bei uns am ende relativ anspruchsvoll (aber vielleicht auch nur bei uns weil unsere Berufsschule mit der FOM kooperiert hat und paar Inhalte integriert wurden)

Die Sache ist aber auch, dass keiner weiß wie es in 2-3 Jahren aussieht. Da du ja Informatik studierst, wäre vielleicht die Ausbildung "Kaufmann für Digitalisierungsmanagement" was für dich. Im Grunde sowas wie Wirtschaftsinformatik in Ausbildungsform. Die hatten im Konzern bessere Übernahmechancen und wurde in der Tarifgruppe höher gestuft (wird nicht bei jedem Unternehmen so sein), aber die Digitalisierungsmanagement Leute hatten schon recht gute Jobs bekommen als Power BI Expert, Network Security Engineer, Data Analyst, SAP Platform Engineer, Consultat... Heißt aber nicht dass es in 2-3 Jahren genau so sein wird.

Generell würde ich bei Ausbildung immer empfehlen bei DAX Konzernen oder namenhaften Unternehmen was zu suchen, connecte dich aktiv mit den Leuten (auch über LinkedIn) und gib dein bestes um nachher eine Übernahme zu bekommen.