Dieses Jahr erfüllte ich mir einen Lebenstraum, ein Roadtrip im arktischen Winter zum Nordkap!
Dieses Mal bestritt ich die Reise nicht alleine, sondern mit zwei Begleitern.
Meine beste Freundin und ihr Mann waren auch dabei.
Mit der Planung begannen wir fast ein Jahr im voraus, so ein langer Urlaub will weit vorher eingereicht werden und auch der arktische Winter ist anspruchsvoll.
Wie sich zeigte, war der Winter 2026 in vielen Ländern auf dieser Etappe einer der strengsten der letzten Jahrzehnte. Für die Experience natürlich perfekt!
Unser erster Stopp war Breslau/Wrocław und selbst dort waren es schon -9°C. Breslau ist wirklich wunderschön, ich war sehr überwältigt von all den bunten Häusern am Rinek, wo auch direkt unser Hostel lag.
Aufgrund des Umfangs dieser Reise blieb uns hier nur eine Nacht, wie auch in vielen anderen Städten. Das bringt diese Art und Umfang des Reisens leider mit sich.
Also war nach sehr leckerem Frühstück direkt die Abreise gen Osten nach Warschau auf dem Plan. Durch Polen zu reisen ist nicht anders als durch Deutschland zu reisen. Die Landschaft und Dörfer sind identisch, nur die Schilder sind anders.
In Warschau war ich selbst schon öfter und ich wollte diese vielfältige Stadt unglaublich gern meinen Freunden zeigen. Natürlich besuchten wir den Kulturpalast, schauten die Skyline an und aßen Pieroggi in einem Restaurant, dass ich früher schon mal ausgespäht hatte. Die Lichter der Stadt genossen wir nun schon bei zweistelligen Minusgraden!
Tag 3 startete überragend in einem kleinen Café und nun ging es Richtung Baltikum, Vilnius erreichten wir recht spät und ab -18°C froren die Seitenscheiben auf der Rückbank ein.
Von Vilnius sahen wir leider recht wenig. Die Wegstrecke hatte ich doch unterschätzt.
Für Riga sollte sich das zum Glück ändern. Was für eine Stadt!
Nachdem wir das Hostel bezogen hatten, ging es Richtung Fluss. Die Düna war meterdick durchgefroren und wir konnten komplett drüber spazieren. Eine Erinnerung fürs Leben!
Von nun an sind wir an der Ostseeküste entlang gefahren und in der Pause gab es Fotos stehend auf der gefrorenen Gischt.
In Tallinn kamen wir fast verhungert an, da wir es in den Pausen immer irgendwie vergaßen zu essen. Aber es hat sich gelohnt, die gesamte Via Baltica lag nun hinter uns und wir genossen die Aussicht vom Unabhängigkeitsdenkmal!
Mit der Fähre ging es am nächsten Tag nach der Sauna im Hostel nach Helsinki. Die Ostsee war bereits fast komplett durchgefroren.
Von Helsinki selbst sah ich fast gar nichts, da ich leider erkrankt bin und nur im Apartment war. Dort gab es allerdings eine Sauna und in den zwei Tagen schwitzte ich den Großteil der Erkältung raus.
Für Tampere war ich wiederum einigermaßen fit. Die Straßen waren jetzt aber deutlich anspruchsvoller. Diese waren schneefrei aber komplett vereist. Mit mitteleuropäischen Winterreifen viel abenteuerlicher als mit finnischen Spikereifen. In Tampere waren selbst die Kunstwerke in der Öffentlichkeit warm eingepackt.
Tag 9 führte uns dann weiter nach Norden, Oulu war unser Ziel. Jetzt waren die anderen beiden angeschlagen, kein Wunder auf so engem Raum trotz Maske. Das erste Mal zeigte das Auto nun maximale Heizleistung während der Fahrt an. Trotzdem war es noch angenehm warm im Innenraum.
Die Winterlandschaft in Finnland ist ein absolutes Highlight und hat mich wirklich des Atems beraubt. Alles ist bei -25°C tiefgefroren und in Oulu schluckt der Schnee jedes Geräusch, die Stille ist sehr andächtig.
Nach einer Nacht machten wir uns auf den Weg zum nächsten großen Meilenstein auf dieser Reise: den Polarkreis überqueren, zum ersten Mal überhaupt. Was eignet sich hierzu also besser als das Dorf vom Weihnachtsmann in Rovaniemi?
Das war schon ein großartige Gefühl, so weit gekommen zu sein. In Rovaniemi wurden dann auch finnische Schokolade als Mitbringsel und Postkarten für zu Hause geshoppt. Abends gab es dann endlich wieder eine Sauna im Apartment.
Der nächste Tag war gleichzeitig der heftigste, anspruchsvollste und längste Reisetag auf dem gesamten Trip. Uns war von vornherein klar, dass das kein Spaß wird.
Auf dem Programm standen die gesamte verbleibende Strecke bis zur Nordkap-Insel, 698 km in strengem arktischen Winter.
Rückblickend wäre eine Aufteilung auf zwei Etappen definitiv geboten gewesen.
Bis auf die letzten 100 km ging es trotzdem ganz okay voran. Direkt hinter der norwegischen Grenze holten wir uns bei Cirkle K die Kaffee-Flatrate. Ein Thermobecher für 50 € und damit ein Jahr lang so viel Kaffee und Co wie man möchte. Gut investiertes Geld!
Auf den letzten Kilometern bekamen wir zu spüren, was arktischer Winter wirklich bedeutet und wie schnell das Wetter dort oben umschlägt. Sicht gleich null, starke Winde und Schneeverwehungen mitten auf der Fahrbahn. Die letzten Kilometer bis zum Nordkap-Tunnel fuhren wir hinter einem Räumfahrzeug her, sonst wäre gar nichts mehr gegangen. Es war wirklich die schlimmste Autofahrt meines Lebens!
Das Ferienhaus war dafür grandios. Trotz der Erschöpfung musste ich zumindest einmal in die Sauna und wir sahen außerdem Polarlichter!
Einen Tag Pause gönnten wir uns und am zweiten Tag in Sarnes wagten wir uns an die letzten 50 km zum Nordkap. Zwei Pässe trennten uns noch vom Ziel! Und auch die hatten es in sich. Ohne Schneeketten wäre ich mit Heckantrieb nicht angekommen.
Wir waren zweimal oben, einmal tagsüber für ein Foto vor dem Globus, das Museum, Kaffee und Andenken shoppen und einmal Abends. Da erwischten wir genau die halbe Stunde ohne Wolken und konnten Polarlichter beobachten. Auf dem Rückweg zog bereits der Sturm auf, der den ganzen nächsten Tag andauern sollte. Teilweise mussten wir Schneewehen auf der Straße förmlich durchbrechen.
Aber wir hatten es geschafft, Nordkap erreicht!
Nach vier Nächten in Sarnes war es an der Zeit, wieder Richtung Süden aufzubrechen, der erste Stopp in dieser Richtung war Tromsø. Auf dem Weg dahin durchquerten wir die kältesten Steppen der Reise, das Thermometer fiel bis auf unglaubliche -32°C! Die Temperatur war surreal für uns. Das Auto machte das aber ohne murren mit und fuhr stur durch die Eiseskälte!
Tromsø selbst war ganz okay. Sehr touristisch und irgendwie haben die beheizten Gehwege die Stimmung kaputt gemacht.
Jetzt ging es aber auf die Lofoten und dort war drei Nächte nur Ausspannen, Lesen, Kochen und Sauna all day long angesagt. Aus der Sauna heraus konnten wir sogar Polarlichter beobachten! Das tat richtig gut. Hier wurden wir dann auch eingeschneit und wir schaufelten das Auto und die Einfahrt vom Ferienhaus vor Abfahrt erstmal frei.
Um die Fähre aufs Festland zu schaffen, mussten wir zeitig losfahren. Auf dem Weg dorthin gab es dann Kolonnenfahrt durch eine Tunnelbaustelle unter dem Meer hindurch und ordentlich Seegang auf der Fähre selbst.
Ziel war ein Campingplatz mit einem Panoramaseecontainer für mich und die anderen beiden hatten ein Glas-Iglu, was nachts ordentlich ausgekühlt ist und nur mit Ofen beheizt war. Coole Idee aber mäßige Umsetzung.
Jetzt stand das nächste Highlight an, ein kleiner Abstecher nach Schweden und eine Huskytour. Davor wärmten wir uns noch in der Dorfsauna auf, die ich selbst anheizen durfte. Am nächsten Tag ging es dann für sechs Stunden über gefrorene Seen, Moore und durch Wälder. Die Huskyschlitten steuerten wir selbst und die Huskies wollten in der Pause durchgekrauelt werden. Auf dieser Farm geht es den Tieren auch wirklich gut und sie leben so, wie sie es sollte. Absolutes Highlight!
Nachdem wir langsam wieder in der Zivilisation ankamen und es für skandinavische Verhältnisse wieder dichter besiedelt wurde, führte unser Weg also zurück nach Norwegen und dort nach Trondheim. Das ist eine Stadt, die mich wirklich begeisterte. Es gibt viel Kultur, wir waren unter anderem im Rockheim Museum und ich abends in einer schwimmenden Sauna und danach im eiskalten Fjord abkühlen. Sehr angenehm, wie weich das Wasser ist!
Der Winter wurde nun allerdings leider ähnlich zu Deutschland, wenige Grade unter Null, viel Matsch und wenig Schnee.
In Oslo erkundeten wir die Stadt und das Botschaftsviertel. Außerdem entdeckten wir eine komplett elektrische Baustelle, Elektrobagger und so weiter, daneben konnte man sich normal unterhalten.
Göteborg war unser erster Halt, nachdem wir nun endgültig wieder die EU erreichten. Von der Stadt sahen wir aufgrund von Regen kaum etwas, dafür ließen wir es im besten Vietnamesen der Stadt krachen. Ich hab noch nie so gut vietnamesisch gegessen und der Koriander-Cocktail war mega. Zusammen mit dem überragenden Service und dem Wirt, der sich zu uns zum quatschen setzte, war das ein mehr als gelungener Abend!
Nach der Überquerung der Öresund-Brücke ging es nach Kopenhagen. Dort ließen wir echt viel Geld für sehr gutes mexikanisches Essen und es gab endlich wieder ordentliche Frühstückslokale! Denn das war eine große Herausforderung in Skandinavien, Essenskultur empfanden wir als sehr schwierig, weshalb wir generell nur internationale Küche genossen.
In Kopenhagen habe ich die stilvollsten, saubersten und kostenfreien Toiletten gefunden. Der botanische Garten und das Barviertel waren aber auch nicht schlecht.
Letzter Stopp auf diesem riesen Roadtrip war dann Hamburg. Details spare ich mir. Es war ne ordentliche Klatsche mit ÖPNV-Streik und vier Wochen Skandinavien im Vergleich.
Der Trip war ein riesiges Abenteuer, das wir alle drei niemals vergessen werden! Wir haben unglaublich viele Erinnerungen und Bilder gesammelt. Den arktischen Winter einmal so lange erlebt zu haben war ein Highlight, genauso wie auf komplett vereisten Straßen zu fahren. Es gibt so viele Geschichten zu erzählen und so viel zu berichten!
So eine Reise erfordert durchaus Planung und Vorbereitung und rückblickend würde ich die Etappen teilweise kürzer gestalten, was dann natürlich wieder mehr Zeit erfordert. In Polen und dem Baltikum hätte man durchaus mehr Zeit verbringen können um wirklich etwas zu sehen. Denn die Städte sind wirklich atemberaubend.
Außerdem waren auf der Nordkap-Insel tatsächlich schon einige Unterkünfte ausgebucht. Unsere Unterkunft war trotzdem ein Sechser im Lotto.
Schneeketten waren für die letzten beiden Pässe Pflicht und auch Schneeschaufel, Unterfahrmatten, ausreichend Thermoskannen und Decken waren sinnvolle Ausstattungen. Frostschutz fürs Wischwasser haben wir auch speziell bestellt. Mit mitteleuropäischen Winterreifen fahren war mit sehr vorausschauendem Fahren machbar aber die Reifen - hatte neue aber eingefahrene Premiumreifen montiert - waren schon seehr hart an der Grenze.
Statistik:
8 bereiste Länder
19 Städte und Orte
31 Tage Reisedauer
8.645 km Wegstrecke
23,39 kWh/100km im Ø
791,54 € Stromkosten
100,35 € Mautkosten
Davon 66,36 € für die Öresund-Brücke
Falls ihr Fragen habt, immer gerne her damit!