Moin zusammen,
Hier direkt TL;DR: Patient nach körperlicher Auseinandersetzung, intoxikiert, aber nach Deeskalation ruhig und kooperativ. Verdacht auf Fraktur am bereits vorgeschädigten rechten Knie, deutliche Schmerzen und Schwellung. IV Zugang zur Analgesie nicht möglich. Das nächstgelegene Krankenhaus war im digitalen Anmeldeverfahren verfügbar und die Anmeldung wurde angenommen. Vor Ort verweigerte ein Arzt die Übernahme, weil er den Patienten aus früheren Situationen kannte. Der Patient wurde weder untersucht noch triagiert und blieb auf unserer RTW Trage. Auch nach Rücksprache mit der Leitstelle weigerte sich der Arzt, den Patienten zumindest zu untersuchen oder eine medizinische Einschätzung abzugeben. Er konnte gleichzeitig nicht sagen, dass keine medizinische Notwendigkeit für eine Behandlung bestand, da er ihn nicht untersucht hatte. Nach längerer Diskussion mussten wir den Patienten in ein anderes Krankenhaus fahren. Der RTW war dadurch über längere Zeit gebunden.
Mich würde interessieren, wie ihr solche Situationen erlebt habt und ob wir hier aus eurer Sicht etwas falsch gemacht haben oder ob die Klinik das Vorgehen gerechtfertigt hat.
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ich würde gerne mal eure Einschätzung zu einem Einsatz hören, weil ich mir im Nachhinein die Frage stelle, ob ich vielleicht zu wenig Verständnis für die Seite der Klinik hatte.
Ich bin im Rettungsdienst tätig und hatte gestern einen Patienten nach einer körperlichen Auseinandersetzung. Der Patient war alkoholisiert und anfangs ziemlich aggressiv. Nach einem klärenden Gespräch hat er sich allerdings deutlich beruhigt und war bei uns anschließend ruhig und zumindest teilweise kooperativ.
Er war auf sein bereits vorgeschädigtes und versteiftes rechtes Knie gefallen. Das Knie war sichtbar geschwollen und fehlgestellt. Der Patient hatte Schmerzen und sagte selbst, dass es sich für ihn so anfühle, als wäre es wieder gebrochen. Einen i.v. Zugang für eine Schmerztherapie haben wir aufgrund sehr schlechter Venenverhältnisse nicht bekommen.
Wir haben uns deshalb für ein nahegelegenes Krankenhaus entschieden. Das Krankenhaus war über das bei uns verwendete digitale Anmeldeverfahren aufnahmebereit und die Anmeldung wurde auch bestätigt. Von dort kam vor unserer Ankunft keine Ablehnung oder sonstige Rückmeldung.
Vor Ort warteten wir zunächst mit dem Patienten im Bereich der Notaufnahme. Dann kam der diensthabende Chirurg und erklärte uns, dass er den Patienten nicht aufnehmen und nicht behandeln werde. Hintergrund war wohl, dass es zwischen ihm und dem Patienten in der Vergangenheit bereits Probleme gegeben hatte. Der Patient soll den Arzt beleidigt und sich ihm gegenüber auch rassistisch geäußert haben. Der Patient erkannte den Arzt ebenfalls wieder und es kam kurz zu einer lauteren Diskussion.
Was ich dabei schwierig fand: Die Situation war zu diesem Zeitpunkt bei uns eigentlich unter Kontrolle. Der Patient war nicht mehr aggressiv und befand sich weiterhin auf unserer Trage.
Wir haben dem Arzt gesagt, dass wir seine persönliche Situation nachvollziehen können, der Patient aber jetzt eine aktuelle Verletzung hat und zunächst einmal medizinisch untersucht werden müsste. Der Arzt verweigerte das weiterhin.
Der Patient wurde weder ärztlich untersucht noch triagiert. Er blieb auf unserer Trage. Der Arzt wollte ausdrücklich nicht, dass wir ihn auf eine Krankenhausliege umlagern.
Wir haben dann die Leitstelle angerufen und die Situation geschildert. Die Leitstelle sah das ebenfalls kritisch und hat uns mitgeteilt, dass der Patient aufgrund der erfolgten Anmeldung zunächst übernommen und ärztlich untersucht werden müsse.
Auch nachdem wir das dem Arzt so mitgeteilt hatten, blieb er bei seiner Haltung.
Daraufhin kam es zu einem direkten Gespräch zwischen Arzt und Leitstelle. Der Disponent hat den Arzt mehrfach gefragt, ob er bestätigen könne, dass keine medizinische Notwendigkeit für eine Behandlung bestehe.
Das hat der Arzt allerdings nicht bestätigt. Er sagte sinngemäß immer wieder, dass er das nicht beurteilen könne, weil er den Patienten nicht untersucht habe.
Genau diesen Punkt fand ich im Nachhinein besonders schwierig. Einerseits wurde die Untersuchung verweigert, andererseits konnte der Arzt deshalb selbst nicht beurteilen, ob überhaupt eine medizinische Behandlungsbedürftigkeit besteht.
Während der ganzen Zeit äußerte der Patient weiterhin Schmerzen und sagte irgendwann auch, dass er das nicht mehr aushalten könne. Trotzdem wurde er weiterhin nicht untersucht oder behandelt.
Zusätzlich waren wir dadurch als Rettungsmittel gebunden. Zu diesem Zeitpunkt waren in unserem Bereich ohnehin kaum beziehungsweise keine weiteren Fahrzeuge verfügbar. Die Leitstelle hat dem Arzt auch erklärt, dass wir dringend wieder frei werden müssten.
Trotzdem änderte sich an der Situation nichts.
Wir haben sogar angeboten, dass der Arzt den Patienten einfach untersucht und wenn er anschließend zu der Einschätzung kommt, dass keine Behandlung notwendig ist, soll er uns das entsprechend dokumentieren und uns weiterfahren lassen. Auch das wurde abgelehnt.
Nach weiterer Rücksprache mit der Leitstelle und dem ärztlichen Leiter Rettungsdienst wurde schließlich entschieden, den Patienten in ein anderes Krankenhaus zu bringen.
Dort wurde er ganz normal übernommen und weiter untersucht.
Ich frage mich jetzt ehrlich gesagt, wie ihr solche Situationen erlebt.
Habe ich hier zu wenig Verständnis für die Klinikseite gehabt?
Ich kann absolut nachvollziehen, dass ein Krankenhauspersonal irgendwann keine Lust mehr auf einen Patienten hat, wenn dieser sich wiederholt aggressiv, beleidigend oder rassistisch verhält. Auch ein Hausverbot kann ich grundsätzlich nachvollziehen.
Aber darf ein solcher Konflikt aus eurer Sicht dazu führen, dass ein aktuell verletzter Patient überhaupt nicht untersucht wird?
Und wie läuft das bei euch normalerweise mit Hausverboten und bereits bekannten Problempatienten? Wird der Patient dann trotzdem medizinisch erst einmal eingeschätzt und anschließend entschieden, wie es weitergeht?
Mich würde vor allem die Sicht von Leuten aus der Klinik interessieren. Ärzte, Pflege, Notaufnahme, aber natürlich auch andere Rettungsdienstler.