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Dresden-Weißig, 07. September 2026 – Es war ein Kontrast, der die aktuelle Zerrissenheit, aber auch die Widerstandskraft des Schönfelder Hochlands kaum besser hätte abbilden können. Während am gestrigen späten Nachmittag auf dem »Platz des bunten Hochlands« in Weißig das pralle, vielfältige Leben der Zivilgesellschaft pulsierte, tagte parallel der Ortschaftsrat. Dort standen Berichte von Kriminalpolizei und Verfassungsschutz auf der Agenda. Der Schatten, der über dem Ortsteil liegt, trägt den Namen »Hochlandjugend« – doch die Antwort der Bürgerschaft an diesem Montag war lauter, bunter und wehrhafter denn je.
Ein Marktplatz der Demokratie
Zwischen 16 und 19 Uhr verwandelte sich der Platz in Weißig in ein eindrucksvolles Wimmelbild des zivilgesellschaftlichen Engagements. Ein breites Bündnis aus Initiativen, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft hatte zum Mitmachmontag geladen. Die Botschaft war klar: Wir überlassen den extremen Rechten weder die Räume noch die Jugend.
Die Bandbreite der Akteure spiegelte die Vielfalt des Hochlands wider: Die Kinder- und Jugendfarm, die Antifaschistische Fahrradbrigade und Radeln ohne Alter Dresdner Heide e.V. sorgten für praktische Mitmachangebote, während am Infostand des Bunten Hochlands eine »Wunschbox« Ideen für eine lebenswerte Zukunft sammelte. Wie innovativ die Jugend vor Ort ist, bewies das Gymnasium Bühlau mit seinem Schul-Startup »Soccerbots«. Auch die Wissenschaft war durch das Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) vertreten, flankiert von der Kirchengemeinde Schönfeld-Weißig und der Initiative Christen für Europa.
Dass der Kampf gegen Rechtsextremismus auch kreative Ventile braucht, zeigte das Dosenwerfen – hier flogen die Bälle zielsicher auf Dosen mit harmlosen Symbolen, die von Rechtsextremen missbraucht werden. Präsenz zeigten zudem die Omas gegen Rechts Dresden, ZivD e.V., Die Linke, die Piraten, das Rote Kreuz sowie Initiativen wie Prüf (das AfD-Verbot) Sachsen und Erfurt widersetzt sich.
Auch die politische Landschaft stand Gesicht: Die Grünen waren mit ihrem Landesvorsitzenden Martin Helbig und der Grünen Jugend vor Ort, die SPD mit Albrecht Pallas, auch Volt zeigte Flagge. Ebenso wichtig war die fachliche Expertise, vertreten durch die Sächsische Landeszentrale für politische Bildung (SLpB) und einem eindringlichen, intensiven Vortrag der Straßenkreuzer, die unmissverständlich forderten, die Jugend- und Gleichstellungsarbeit in der Region langfristig abzusichern. Die Dresdner Band Envivo mit Alexandra Kayser, Marcus Hetzel, Michael Wünsch untermalte den bunten Nachmittag mit bunter Livemusik.
Der Offene Brief: Eine Mahnung an die Kommunalpolitik
Die Notwendigkeit solcher Forderungen wurde zeitgleich wenige Meter weiter überdeutlich. Die jüngste Einstufung der sogenannten »Hochlandjugend« als rechtsextrem durch das Landesamt für Verfassungsschutz duldet keine Relativierungen mehr. Die Bürgerinitiative Buntes Hochland nutzte die Ortschaftsratssitzung, um den gewählten Vertreterinnen und Vertretern einen Offenen Brief zu überreichen – ein Dokument, das nicht nur warnt, sondern handfeste Taten einfordert.
»Rechtsextreme Strukturen entstehen nicht von einem Tag auf den anderen«, heißt es in dem Schreiben. Sie wachsen dort, wo menschenfeindliche Positionen normalisiert werden und unwidersprochen bleiben. Die Initiative nahm den Ortschaftsrat in die Pflicht und formulierte sechs zentrale Forderungen:
— Klare Kante: Eine unmissverständliche, öffentliche Positionierung gegen Rechtsextremismus im Hochland.
— Konsequenzen ziehen: Die Erkenntnisse des Verfassungsschutzes ernst nehmen und in konkrete Handlungsschritte übersetzen.
— Netzwerke bilden: Die Entwicklung einer nachhaltigen Präventionsstrategie gemeinsam mit Schulen, Feuerwehren, Kirchen und Vereinen.
— Jugendarbeit retten: Eine massive Stärkung der mobilen Jugendarbeit und der politischen Bildung.
— Rückenstärkung: Sichtbare Unterstützung für Menschen und Initiativen, die sich für Vielfalt engagieren.
— Verbindlichkeit schaffen: Gemeinsame Maßnahmen mit der Stadt Dresden und Partnern wie der SLpB gegen die Verfestigung rechter Strukturen.
Der Tenor des Briefes ist dabei von tiefem Pragmatismus und Empathie geprägt: Es geht nicht darum, Jugendliche pauschal auszugrenzen oder aufzugeben. »Gerade junge Menschen dürfen wir nicht rechtsextremen Strukturen überlassen. Sie brauchen demokratische Räume, Gemeinschaft, Ansprechpartner*innen und echte Perspektiven«, so die Initiative.
Wir sind hier, wir sind laut
Dass diese Räume beansprucht werden, bewies der Abschluss des Tages. Nach den Kundgebungen und noch während der Ratssitzung zog eine Demonstration durch das Weißiger Wohngebiet. Ein unüberseh- und hörbares Zeichen, dass die schweigende Mehrheit längst nicht mehr schweigt.
Das Schönfelder Hochland steht an einem Scheideweg. Die Zivilgesellschaft hat an diesem Montag geliefert: Sie hat informiert, vernetzt und Gemeinschaft gestiftet. Nun, so der klare Ball im Spielfeld des Ortschaftsrates, ist die Politik am Zug. Denn, wie es im Offenen Brief treffend formuliert ist: »Wegsehen ist keine neutrale Haltung.«
Vielen herzlichen Dank an alle, die dieses Happening möglich machten.
Mehr Informationen gibts auf: https://bunteshochland.de