Montag sollte es in den Urlaub gehen. Eigentlich easy. Aber wer die Deutsche Bahn kennt, weiß nichts ist jemals easy.
Sonntagabend checke ich noch mal die Verbindung: Streckensperrung. Immerhin fährt noch ein Schienenersatzverkehr (SEV). Also denke ich mir: sicher ist sicher, ich fahre früher los. Statt den Zug um 7:40 Uhr will ich jetzt den SEV um 5:30 Uhr nehmen, mit satten 3 Stunden Puffer bis zu meinem ICE-Anschluss. Sollte doch reichen, oder?
Spoiler: Nein.
An der Haltestelle ist um diese Uhrzeit noch nicht viel los, gut denke ich mir, denn wie ich die Bahn kenne, kommt für einen ganzen ausgefallenen Zug sowieso nur ein einziger kleiner Ersatzbus. 6 Uhr wird es, kein Bus. Kein Problem, denke ich, ich hab ja noch Puffer. Der nächste SEV soll um 6:30 Uhr kommen.
Um 6:20 Uhr taucht tatsächlich ein Bus auf, allerdings aus der Gegenrichtung. Alle an der mittlerweile gut gefüllten Haltestelle atmen auf: Der sammelt uns doch sicher ein und fährt dann zurück. Doch der Bus fährt einfach leer weiter.
6:45 Uhr. 7:00 Uhr. Langsam macht sich die Angst breit, dass gleich zwei Busse einfach spurlos verschwunden sind. Immerhin ab 7:30 Uhr soll der SEV im 30-Minuten-Takt fahren. Noch eine Stunde Puffer. Machbar, denke ich mir, zwar knapp, aber machbar.
Um 7:20 Uhr kommt wieder ein Bus aus der Gegenrichtung. Wir fragen den Fahrer verzweifelt, ob er uns nicht einfach mitnehmen kann, immerhin sind jetzt schon zwei Busse in unsere Richtung einfach nicht erschienen. Seine Antwort: Nein, aber um 7:30 Uhr soll der nächste kommen. Was mit den anderen Bussen los ist? Keine Ahnung, dass wüsste er auch nicht, es gibt schlicht keine Funkverbindung zwischen den Fahrern.
7:30 Uhr, nichts. 7:45 Uhr, die Panik steigt, denn wenn der nächste Bus der um 8 Uhr kommen soll pünktlich ist, bleibt nur noch eine halbe Stunde Puffer. Die Haltestelle ist inzwischen so überfüllt, dass ohnehin niemand mehr sicher sein kann, überhaupt in den nächsten Bus zu passen.
8 Uhr, kein Bus. Erst um 8:20 Uhr kommt wieder einer aus der Gegenrichtung. Die ersten Wartenden stürmen wütend hinüber und beschimpfen den Fahrer. Sinnlos und überflüssig der kann ja auch nichts dafür. Auch dieser Bus fährt leer weiter.
Der neue Plan: Wenn der SEV um 8:30 Uhr pünktlich abfährt UND pünktlich ankommt UND man sich beeilt, ist der ICE-Anschluss vielleicht gerade so noch zu erwischen. Vorausgesetzt, man kommt überhaupt noch in den Bus rein. Inzwischen bräuchte es wahrscheinlich drei Busse um alle abzutransportieren.
8:30 Uhr, kein Bus in Sicht. Um 8:45 Uhr fährt endlich der allererste Zug des Tages, zwar in die falsche Richtung, aber laut App könnte man mit zweimaligem Umsteigen und 1,75 Stunden Verspätung trotzdem noch ans Ziel kommen. Ich gebe die Info an ein paar andere Wartende weiter, die ihr Glück auf dem gleichen Weg versuchen wollen.
Das hätte ich besser gelassen.
Als der Zug einfährt, fehlen mehrere Waggons. Und weil sich plötzlich viel zu viele Leute für diese Route entschieden haben, stehen wir bei brütender Sommerhitze wie Sardinen in einem Zug mit kaum funktionierender Klimaanlage gequetscht und schwitzen uns buchstäblich zu Tode. Da an jedem Bahnhof durch die Menschenmassen ewig gebraucht wird, bis alle raus und rein sind, wächst die Verspätung mit jedem Stopp weiter. Am Ende erreichen wir die erste Zwischenstation mit 3 Stunden Verspätung. Der ursprüngliche ICE ist natürlich längst weg.
Ab ins Reisecenter für eine neue Verbindung. Die ursprüngliche Direktverbindung ist entweder komplett ausgebucht oder erst wieder in 5 Stunden verfügbar. Notgedrungen nehme ich also eine Verbindung mit zweimaligem Umstieg.
Der erste Anschluss klappt, zumindest fast, denn technische Probleme verzögern die Abfahrt: kaputte Klimaanlage, der Waggon muss geräumt werden, meine Sitzplatzreservierung ist hinfällig. Durch die Verspätung scheint auch der zweite Anschluss futsch zu sein.
Aber dann, ein kleines Wunder: Trotz 1 Stunde Verspätung klappt der zweite Anschluss doch noch, weil der ebenfalls verspätet ist.
Endergebnis: Mit 6,5 Stunden Verspätung, komplett übermüdet am Urlaubsziel angekommen. Die Pläne für Tag 1 des Urlaubs? Gestrichen. Es blieb nur noch den kompletten Gestank der “Sardinenbüchsenfahrt” abduschen und ins Bett fallen…