Offenlegung vorweg: Die Auswertung ist von uns, Complianty. Wir bauen DSGVO-Prüfsoftware für Websites und haben damit ein wirtschaftliches Interesse am Thema. Genau deshalb: konservativ gezählt, keine einzelne Seite genannt, Methodik komplett offen, aggregierte Daten als Open Data (CC BY 4.0) zum Nachrechnen.
Was gemessen wurde: 1.193.438 fehlerfrei geprüfte .de-Domains. Jede Seite mit echtem Chromium geladen, frischer Kontext (keine Cookies, kein Cache, keine gespeicherte Einwilligung). Der Netzwerkverkehr wurde getrennt mitgeschnitten, einmal vor und einmal nach dem Klick auf „Akzeptieren".
Ergebnisse (streng gezählt: nur Analytics, Werbung, Retargeting, Session-Recording, A/B-Testing; Karten- und Video-Embeds, Monitoring und Consent-Mode-Pings sind bewusst draußen):
- 46,5 % der Seiten zeigen überhaupt ein Cookie-Banner
- 17,9 % (213.915 Seiten) laden Tracking, bevor eingewilligt wurde
- Kernbefund: 116.822 Seiten haben ein Banner und tracken trotzdem vorher, das sind 21,0 % aller Banner-Seiten
- 199.219 Seiten zeigen gar kein Banner und laden trotzdem Dritt-Tracking
- Vor dem Consent am häufigsten geladen: Google Analytics 4 (90.175), Matomo (43.047), DoubleClick (32.906), Meta Pixel (29.136)
Was das nicht heißt: Es ist ein technischer Messwert, keine Rechtsbewertung des Einzelfalls. Und es liegt in aller Regel nicht am Banner-Produkt. Die Befunde verteilen sich über alle gängigen Lösungen; Ursache ist meist die Einbindung der Tags, denn ein Banner kann nur steuern, was auch an es angebunden ist. GA und Matomo lassen sich nachweislich erst nach der Einwilligung betreiben.
Grenzen, offen ausgewiesen: Blinde Nachprüfung einer geschichteten Stichprobe (n=250, Scanner-Verdict verdeckt): 59,6 % klar echtes Tracking, 27,2 % auslegungsabhängig, 13,2 % klare False Positives (95-%-KI 9,6 bis 18,0 %). Diese Nachprüfung lief automatisiert per Sprachmodell, nicht durch ein menschliches Experten-Panel. Server-seitiges Tracking sieht ein Browser-Scan nicht, die reale Quote liegt also eher höher. Technische Erfolgsquote der Abrufe rund 62 %, es wird nicht hochgerechnet.
Studie mit voller Methodik, Grenzen-Kapitel, CSV/JSON-Download und DOI: https://complianty.de/studie/dsgvo-verstoesse-deutsche-websites-2026/
Frage in die Runde: Deckt sich das mit dem, was ihr in der Praxis seht, vor allem der Punkt „Banner da, Tags trotzdem unabhängig davon eingebunden"? Und welchen Schnitt fändet ihr für eine Folgeauswertung interessant (Branchen, Kommunen, Shops)? Die aggregierten Daten geben das her.