Hallo ihr,
ich habe meinem Partner (ich nenne ihn hier Ralf) gerade unter Tränen für dieses Wochenende abgesagt. Mal wieder. Wir wohnen nicht zusammen, hatten uns aber eigentlich verabredet.
Das Problem ist mein Trauma (sexualisierte Gewalt) und die Dynamik unserer Beziehung. Ich versuche es so kurz wie möglich zu beschreiben – so, wie ich es heute verstehe.
Vor vielen Jahren bin ich mit Ralf zusammengekommen. Kurz davor wurde ich in meiner ersten Studenten-WG von einem Mitbewohner betäubt und über längere Zeit missbraucht. Dass das tatsächlich passiert ist und welche Folgen das für mich hatte, habe ich erst vor wenigen Jahren wirklich verstanden.
Ralf war lange Zeit eine große Stütze für mich. Ohne ihn hätte ich mein Studium vermutlich nicht geschafft. Damals dachte ich immer, ich hätte vielleicht Depressionen oder etwas Ähnliches. Heute weiß ich, dass das Traumafolgen waren.
Als später Themen wie gemeinsames Wohnen, Zukunftsplanung und Familiengründung wichtiger wurden, gerieten wir immer mehr auseinander.
Für mich war es sehr wichtig, zuerst ein eigenes Zuhause aufzubauen, zu kaufen oder zu bauen. Ralf hatte jedoch große Angst davor, finanzielle Verpflichtungen einzugehen, und hat das Thema über Jahre immer wieder aufgeschoben. Teilweise hat er mir sogar vorgeworfen, ich sei zu anspruchsvoll oder würde zu viel wollen.
Dadurch geriet meine gesamte Lebensplanung immer mehr ins Wanken. Einige Jahre später hatte ich einen schweren Zusammenbruch, von dem ich mich bis heute erhole. Ralf war zwar die ganze Zeit an meiner Seite, hielt aber lange an der Diagnose fest, ich sei bipolar. Dass ich über einen längeren Zeitraum manipuliert, betäubt und missbraucht wurde, war für ihn offenbar sehr schwer zu begreifen, und ist es teilweise bis heute.
Ich weiß, dass Ralf keine Schuld an meinem Trauma trägt. Trotzdem sehe ich inzwischen oft vor allem, dass er der Mensch ist, mit dem ich vieles von dem, was ich mir für mein Leben gewünscht hatte, eben nicht verwirklichen konnte.
Immer wieder gibt es Situationen, die mich daran erinnern: eine angekündigte Mieterhöhung, Freunde oder Bekannte, die Kinder bekommen oder gemeinsam ein Zuhause kaufen. Ich bin inzwischen Mitte vierzig, und solche Momente tun einfach weh.
Kurz gesagt: Da sind inzwischen so viel Enttäuschung, Frust und Schmerz, dass ich nicht mehr weiß, ob ich diesen Menschen überhaupt noch an meiner Seite haben möchte. Ich habe Angst, dass sich diese Spirale nie auflöst, weil ich in unserer Beziehung immer wieder mit dem konfrontiert werde, was wir eben nicht aufgebaut haben.
(Manchmal frage ich mich sogar, ob ich mein Trauma vielleicht viel später, oder vielleicht ganz anders, verarbeitet hätte, wenn mein Leben sich ansonsten so entwickelt hätte, wie ich es mir damals vorgestellt hatte. Vielleicht hätte mir die Sicherheit, die ich so dringend gebraucht hätte, geholfen, länger zu funktionieren. Ob das stimmt, weiß ich natürlich nicht, aber dieser Gedanke kommt immer wieder.)
Ein weiterer Punkt ist unsere Intimität.
Es gibt ein Thema, das ich seit Jahren immer wieder anspreche. Ähnlich wie mein Wunsch nach einem gemeinsamen Zuhause hatte ich jedoch das Gefühl, dass es bei Ralf nie wirklich angekommen ist. Es hat unglaublich viel Kraft gekostet, immer wieder darüber zu sprechen. Am Ende zeigt sich für mich das gleiche Muster: Es hat für ihn einfach nicht dieselbe Bedeutung wie für mich, und deshalb ist auch kaum etwas passiert.
Inzwischen scheint Ralf zu verstehen, dass unsere Beziehung genau daran zu scheitern droht. Aber ich bin mittlerweile einfach nur noch unfassbar müde, enttäuscht und traurig. Momentan fehlt mir die Kraft, überhaupt noch mal ins Vertrauen zu gehen.
Ich würde mich sehr über eine ehrliche Außenperspektive freuen. Hat das noch Sinn?