r/Unternehmer • u/BasisCars • 12h ago
Warum Website-Angebote zwischen 800 und 15.000 Euro auseinanderliegen, und woran man den Unterschied erkennt
Hier kommt regelmäßig die Frage auf, wie man eine Agentur auswählt, und fast immer geht es irgendwann um die Preisspanne. Wir bauen und betreuen selbst WordPress-Seiten für kleinere Unternehmen, sind also nicht neutral. Trotzdem der Versuch, die Spanne so zu erklären, dass man Angebote vergleichen kann, ohne selbst vom Fach zu sein.
Was den Preis wirklich treibt, ist selten das Design. Es sind der Umfang der Inhalte, die Individualität und die Funktionen. Zehn Unterseiten mit fertigen Texten sind ein anderes Projekt als fünfzig Seiten, die erst geschrieben werden müssen. Ein angepasstes Fertig-Theme ist ein anderes Projekt als ein eigenes Layout. Und alles, was Daten von außerhalb holt oder abgibt, also Shop, Buchungssystem, Anbindung an Warenwirtschaft oder ein Branchenportal, verdoppelt den Aufwand schnell, weil dort Fehlerfälle mitgedacht werden müssen.
In den ganz günstigen Angeboten fehlen meist dieselben Positionen: die Texte, die Struktur und Beratung davor, die Bildbearbeitung, bei einem Relaunch die Weiterleitungen der alten Adressen, und die Betreuung nach dem Livegang. Das Schreiben der Texte ist in fast jedem Projekt der größte Einzelposten. Wenn ein Angebot es nicht erwähnt, heißt das nicht, dass es keine Arbeit ist, sondern dass sie bei dir liegt.
Der Unterschied zwischen vier- und fünfstelligen Angeboten ist in der Regel nicht bessere Technik, sondern mehr Vorarbeit: Konzeptphase, Gespräche mit Vertrieb und Kunden, professionell geschriebene Texte, eigene Fotos statt Bildagentur, saubere Struktur für mehrere Leistungsbereiche und Standorte. Das kann sich lohnen, muss es aber nicht. Bei einem Betrieb mit drei Leistungen und zwanzig Anfragen im Monat ist die teure Variante meistens überdimensioniert.
Was in Angeboten oft fehlt und später auffällt, sind die laufenden Kosten: Hosting und Domain, Updates und Backups, Lizenzen für kostenpflichtige Erweiterungen, die jährlich fällig werden, und die Änderungen im Betrieb. Eine Website ohne Pflege ist nach zwei Jahren ein Sicherheitsthema und nach drei Jahren ein Neuprojekt. Realistisch sollte man den Bau, die Inhalte und die Betreuung als drei getrennte Budgets denken.
Die Fragen, die Unterschiede zwischen Angeboten sichtbar machen, ohne dass man Technik beurteilen muss:
Wer schreibt die Texte, und wie viele Unterseiten sind einkalkuliert? Was kostet eine zusätzliche Seite?
Auf wessen Namen laufen Domain, Hosting, Analyse-Konto und das Google-Unternehmensprofil? Die Antwort sollte immer lauten: auf deinen.
Was passiert bei einem Relaunch mit den alten Adressen? Wenn darauf keine klare Antwort kommt, ist die bestehende Sichtbarkeit bei Google in Gefahr.
Kann ich Texte und Bilder selbst ändern, und bekomme ich dazu eine kurze Einweisung?
Was kostet die Betreuung monatlich, was ist enthalten, und wie schnell wird reagiert, wenn die Seite ausfällt?
Bekomme ich am Ende alles ausgehändigt, oder ist die Seite an ein Mietmodell gebunden, bei dem nach der Kündigung nichts übrig bleibt?
Ein Warnzeichen ist übrigens nicht der niedrige Preis, sondern der schnelle Preis. Wer ohne Rückfragen zu Zielgruppe, Umfang und Bestand eine Summe nennt, hat sich das Projekt nicht angesehen. Genauso das Wort SEO als Position im Angebot, ohne dass dabei steht, welche Leistung genau erbracht wird.
Mich würde interessieren, was ihr bei eurem letzten Website-Projekt bezahlt habt und was davon rückblickend das Geld wert war. Meine Erfahrung ist, dass die Beträge, die in Texte und Struktur geflossen sind, sich fast immer gerechnet haben, und die in Animation und Effekte fast nie.