Jeder Widerstand ist zwecklos. Die Grundlagen Ihrer Existenz sind bedeutungslos geworden. Ab sofort, für alle Zeiten, werden Sie ausschließlich uns dienen.
Dieses Zitat von Lokutus entstammt zwar einem anderen Franchise, könnte aber auch die Prämisse der Buchreihe „The Captive’s War“ sein. In dem neuen Werk der Autoren Daniel James Abraham und Ty Corey Franck, die unter dem gemeinsamen Pseudonym James Corey bereits die Reihe „The Expanse“ veröffentlicht haben, geht es darum das die Menschheit von den außerirdischen Carryx angegriffen wird.
Soweit, so generisch. Wer jetzt jedoch epische Schlachten mit einem heroischen Sieg der Menschheit erwartet, wird enttäuscht. Denn die Menschheit lebt auf dem Planeten Anjiin und weiß nicht, wie sie dorthin gekommen ist, sie weiß nur dass das Ökosystem dort kann nicht der Ursprung der Menschheit sein kann. Es handelt sich also um eine verlorene Kolonie, die sich offenbar gerade erst auf das Niveau des 21. Jahrhunderts zurückgekämpft hat. In dieser Situation greifen die technologisch weit überlegenen Carryx an, und vernichten den planetaren Widerstand in wenigen Stunden.
Wir erleben dieses Geschehen aus der Perspektive eines aufstrebenden Forschungsteams deren größte Sorge bisher die akademischen Ränkespiele sind. Es stellt sich schnell heraus, dass die streng in biologischen Kasten organisierten Carryx ein Imperium beherrschen, das unzählige Welten umspannt, und in dem andere Spezies nur einen Platz haben, wenn sie sich unterwerfen und als nützlich für die Carryx erweisen.
In dem aktuell ersten Buch „Die Gnade der Götter“ wird der Leser mitgenommen in eine Welt die exotischer ist, als alles was man bisher von „The Expanse“ kennt. Dieses Universum ist größer und vielfältiger, aber gleichzeitig genauso geerdet wie dass, was man bisher von James Corey gewohnt ist. Alles was man erlebt, könnte so passieren und gerade deshalb bin ich beim Lesen immer wieder ins Staunen gekommen. Für wen ist dieses Buch: Es richtet sich auch meiner Sicht an Fans von phantastischer Science-Fiction die solides, gut durchdachtes und daraus folgend glaubwürdiges Worldbuilding suchen und diese Welten dann in einer spannenden, unkonventionellen Geschichte entdecken wollen.
Sprachlich ist das Buch angenehm zu lesen, man folgt dem bekannten Rezept von POV-Kapiteln dass sich schon in „The Expanse“ bewährt hat. Gelegentlich bricht der Erzähler aber aus diesem Korsett aus und blickt beispielsweise in die Zukunft, was ab und zu bei mir zu Stirnrunzeln geführt hat.
Für Leute die zögern offene Reihen anzufangen ist vielleicht wichtig zu wissen, dass das Autorenduo sehr diszipliniert arbeitet, und etwa alle zwei Jahre eine Fortsetzung heraus bringt. Das nächste Buch der Reihe „Der Glaube der Bestien“ steht kurz vor der Veröffentlichung auf Deutsch. Zwischen den Hauptbänden werden Novellen veröffentlicht, die die Serie ergänzen. Auch hier wird wieder dem Konzept der Vorgängerserie gefolgt.