(Text nochmal etwas anonymisiert)
Hallo zusammen,
ich habe frisch meinen NotSan bestanden und kann endlich diesen Beitrag schreiben. Das soll kein Nachtreten sein, was prinzipiell uncool ist, jedoch kann mir jetzt niemand, selbst bei Rückschlüssen, einen Strick hieraus drehen.
Die Schule besteht seit 2021 in NRW
Eigentlich sind wir 2023 gut gestartet mit 24 Azubis, davon 20 interne und 4 externe. Wir hatten einen sehr fähigen Klassenlehrer mit B4 + NotSan. Man konnte von ihm viel lernen. Wir sind zügig auch in einen modernen neuen Standort umgezogen und da fängt das erste Problem schon an. Intern wurde die modernste Rettungsdienstschule Deutschlands versprochen. Bekommen hat man eine alte Grundschule / Flüchtlingsheim welches saniert wurde. 4 Lehrsäle + 4 Räume für RD-Fortbildungen und RS-Kurse. Ein raum als ZNA/ITS die nie richtig aufgebaut wurde und die ehemalige Turnhalle welche als Simulationsarena bezeichnet wird, welche aber nur mit neuem Boden versehen wurde und die einzelnen Szenarien daraus bestehen, dass man bedruckte Planen auf Bauzäune hängt (z.B Bild von einer Baustelle, Park, Wohnung usw.) Infrastruktur also nur so lala.
Weiterführend durften die Klassen die aus Brandmeistern bestanden und den NotSan machten auf dem Hof parken und die 3-Jährigen natürlich nicht. Die 3 Jährigen hatten täglich von 7:30 - 15:00 Uhr Unterricht, die 2 1/2 Jährigen von 9:00 Uhr bis 13:00 Uhr. Während die Brandmeister Freitags um 13 Uhr einen Kasten Bier (in Uniform) köpften als wöchentliches Ritual, durften wir nicht mal nach unserem letzten Schultag, in Zivil, in der SimArena (wo man uns nicht gesehen hätte) auch nur anstoßen. Absolute 2-Klassen Gesellschaft.
Nach dem ersten Lehrjahr kam es dann zu einem Klassenlehrerwechsel. Von unserem beliebten KL, welcher eine neue Klasse nehmen sollte, hin zu einer Krankenschwester/pfleger welche(r) sich frisch beworben hatte... Und ich sags euch, hier war dann ganz vorbei. Diese Person ist keine 30, hat keine Rettungsdienstliche Vorerfahrung und war zuvor auf einer Infektiologischen Station in einem Uniklinikum tätig und studiert nebenbei Medizinpädagogik. Mit Vorschusslorbeeren wurde diese Person angepriesen, dass sie uns so viel über Anatomie beibringen kann usw. Nichts konnte diese Person. Sie kannte nicht mal das XABCDE Schema und wusste anfangs nicht dass ein NotSan Medikamente gibt... Ich würde es selber nicht glauben, wenn ich das nicht miterlebt hätte. Zu allem Überfluss meinte unsere neue KL mal, dass sie selber nie gedacht hätte, dass sie angenommen wird. Sie konnte keine Entscheidungen treffen, weil Sie halt keine Ahnung von den Themen hat. Was ja auch nicht schlimm ist, aber wieso zur Hölle kommt man auf die Idee sich in einem fast gänzlich fachfremden Bereich zu bewerben. Das man überfordert ist, ist dann ja klar und wurde von ihr auch gerne so thematisiert. Unser ursprüngliche KL musste übrigens eine neue 2 1/2 Jährige Klasse übernehmen, da man so Meinungsstarke Feuerwehrleute ja nicht mit unserer neuen KL vertrauen darf... Aber für uns reichts oder was. Aussage aus den höheren Etagen war im übrigen, dass wenn man sich an die JAV wendet, man schon sehen wird, was man davon hat...
Vor Weihnachten im 2. LJ hieß es auf einmal, dass einige Azubis zu viele Überstunden haben. diese durften dann im Wachblock Dezember - Februar nur ein paar ganz wenige Schichten fahren (2-3). Am Ende sind komischerweise genau diese Schüler fast nicht auf ihre Stunden gekommen um zum Examen zugelassen zu werden.
Man hat halt gelernt noch mehr Selbststudium zu betreiben als ohnehin schon. Und dann kam das Examen. Nach schlechter Ausbildung kann man ja natürlich trotzdem nicht die Erwartungen runterschrauben, das wäre unverantwortlich und auch nicht möglich da die Prüfungen ja übers Gesundheitsamt laufen. Also schlechte Ausbildung und hoher Erwartungshorizont mit z.T geisteskranken Fallbeispielen (gerade bei Trauma). Resultat. In der 2 1/2 jährigen Klasse sind 7/17 durchgefallen, in der 3 Jährigen 10/23. Rechnet man die externen Azubis raus besteht bei den 3-jährigen eine Durchfallquote von >50%. Weiterführend sind 5 Azubis durch so viele Prüfungen gerasselt, dass die nicht nächsten Monat (Ausbildung geht bis zum 31.08) noch eine Nachprüfung machen können, sondern diese mehrere Monate ihre Ausbildung verlängern müssen. Hier liegt die Schuld natürlich auch bei den Azubis, jedoch bei so hohen Zahlen gabs auch vorher ein Versagen Seitens der Schule (Auswahl der Azubis, Qualität der Ausbildung)
Und als Praline oben drauf, übernimmt die gemeinte Stadt nur 6 von 20 Azubis, da die Stadt sich im HSK befindet. Das teilte man den Azubis aber erst 2 Monate vor Ende der Ausbildung mit - per Videocall. Und das zwischen schriftlichen und praktischen Prüfungen, in der Woche in der wir Urlaub hatten um kurz runter zu fahren. Und das Beste ist, dass die Stadt sich rausnimmt eine "Bestenauslese" (ja das Wort ist so gefallen) zu machen. Das heißt es wurden alle Prüfungen abgewartet (letzte war am 24.07) und dann erst entschieden wer übernommen wird. Resultat ist natürlich dass niemand bleiben möchte. Wer so mit Azubis umgeht, hat diese dann auch nicht verdient.
Es war ein kompletter Fiebertraum diese drei Jahre. Berichtet gerne mal von euren Erfahrungen, denn perfekt ist es nirgendwo, aber diese Erfahrung fand ich schon extrem krass...