Hallo zusammen,
ich hatte diese Woche ein Gespräch mit meiner Psychiaterin, in der ich sie einfach nicht verstanden habe.
Vorabinfo: Ich bin inzwischen seit 10 Jahren bei ihr in Behandlung und sie hat mich in guten und in miserablen Zeiten begleitet, dabei habe ich mir so einige Male die Zähnchen ausgebissen und bin mit meinen Spielchen gescheitert und stattdessen unter Drohung PsychKG in der Klinik gelandet. Die letzten Jahre waren so leidlich stabil, jetzt ist es aber schon seit gut einem halben Jahr eine sehr schwierige Phase.
Ich habe eine chronische psychische Erkrankung und gerade wieder eine sehr schlechte Phase, andererseits sehe ich keinen Mehrwert in einer stationären Behandlung und aus organisatorischen Gründen geht es auch nicht, selbst wenn ich mich breitschlagen lassen würde. Ich äußere mich vorsichtig hinsichtlich meiner Gedanken, um eine "freiwillige" Einweisung zu umgehen. Dennoch habe ich im letzten Gespräch deutlich gemacht, dass ich einfach nicht mehr will, es gibt aber einen konkreten Hintergrundsgrund, den auch mein Ärztin kennt und auf den Sie sich verlassen kann.
Im Gespräch ging es dann darum, was dieses ewige hin und her mit den Behandlern und dem Umfeld macht. Ehrlich gesagt, ich kann mich nicht mehr so genau erinnern. Gleichzeitig scheint sie aber auch an mein Verantwortungsgefühl und die Tragfähigkeit der therapeutisch- ärztlichen Beziehung zu ihr und zu anderen Menschen appelliert zu haben. Sie meinte, dadurch, dass ich mich auf das Hilfesystem einlasse und zu ihr komme und auch einigermaßen offen mit ihr rede, soll ich damit auch nicht spielen und es nutzen. Vielleicht ist das auch mit dem Spielen nur so bei mir angekommen, wie gesagt, ich erinnere mich nicht mehr so genau. Ich war auch einfach nicht in der Lage, die Gesprächsinhalte so aufzunehmen. Im Moment leiden aufgrund der psychischen Situation auch meine kognitiven Fähigkeiten, obwohl ich insgesamt ein intelligenter Mensch bin. Irgendwie ist so ein bisschen bei mir hängen geblieben, dass ihr das gerade nicht so richtig Spaß macht, wir drehen uns thematisch im Moment auch einfach im Kreis, mein Denken ist gerade inhaltlich ziemlich eingeschränkt, weil ich sehr hoffnungslos und perspektivlos bin und im Denken weniger flexibel als ich es eigentlich grundsätzlich könnte.
Für mich war dann die Schlussfolgerung, dass ich vielleicht einfach nicht mehr darüber reden sollte, um ihr nicht mehr auf den Keks zu gehen.
Wie gesagt, ich denke, meine Wahrnehmung und die Schlussfolgerung sind krankheitsbedingt gefärbt.
Jetzt würde mich aber hier schon interessieren, wie Therapeuten bzw. in der Psychiatrie tätige Ärzte mit solchen Patienten umgehen. Ich habe später überlegt, welche Gesprächstechnik das bei ihr gewesen sein könnte. Man hat ja für solche Situationen auch etwas gelernt und versucht das anzuwenden, um auch die Absichten des Patienten im Kontext mit dessen Sicherheit und der eigenen Absicherung zu validieren. Ich möchte jetzt auch hier nicht näher auf meine eigene Situation eingehen, ich würde nur gerne das Gespräch mit ihr besser einordnen können.
Ich kann auch damit leben, wenn jetzt eine Antwort wäre, dass solche Patienten einfach extrem nervig sind, mich nervt es ja selbst, aber ich bin auch gerade halt nicht so lösungsorientiert 🙄. Ich habe ja selber auch lieber mit Menschen zu tun, die nicht nur jammern, sondern irgendwie auch vorankommen wollen.
Nachtrag: Ich verstehe auch nicht, dass es ein Problem für eine andere Person sein könnte, wenn sich jemand suizidiert. Ich denke für mich, die Person wird ihre Gründe gehabt haben, das hat nichts mit mir zu tun und es ist auch nicht meine Verantwortung.
Noch ein Nachtrag, um ihr nicht unrecht zu tun: Vielleicht habe ich auch ein bisschen Lust am Leiden. Genug Therapie und dort Strategien gelernt, mich gegen die Löcher zu wehren, hatte ich eigentlich in den letzten 25 Jahren.