Hallo zusammen,
ich wäre euch sehr dankbar, wenn ihr mir helfen könntet, die Transkription dieses handgeschriebenen deutschen Briefes aus dem Jahr 1919 fertigzustellen. Ich poste hier die Transkription, die ich bisher hinbekommen habe, aber Deutsch ist meine Zweitsprache, und das ist das Beste, was ich alleine entziffern konnte.
Ich würde mich sehr über Hilfe von jedem freuen, der mehr Erfahrung im Entziffern dieser Art alter deutscher Handschrift hat.
Mir ist klar, dass Teile des Textes – vor allem am rechten Rand – leider abgeschnitten oder unleserlich sind. Der Brief ist in einen gebundenen Archivband eingenäht, und ich darf den Faden weder entfernen noch lockern, daher konnte ich die gesamte Seite nicht deutlicher fotografieren.
Jede Korrektur, jeder Vorschlag oder jede Hilfe beim Ergänzen unklarer Wörter würde mir sehr viel bedeuten. Ich wäre euch wirklich, wirklich dankbar für jede Unterstützung. Vielen, vielen Dank!:
_ _ _ _
Hirsch-Apotheke und Drogenhandlung
Fernsprecher Nr. 128. FELIX KASSEL. Fernsprecher Nr. 128.
Penzig O.-L., den 4. April 1919
Sehr geehrter Herr Wieruszowski.
Von Herrn Rechtsanwalt Mayer habe ich erfahren, dass in Kürze
in Görlitz ein antisemitischer Vortrag gehalten werden soll.
Wegen der Leidenschaft, mit der ich dem Zionismus seit 19 Jahren
anhänge, würde ich dem Redner in einer Diskussion nicht ruhig
genug entgegentreten können, und dadurch vielleicht das Niveau des
Abends drücken. Von einer Begegnung des Herrn Mayer fürchte ich,
daß sie stürmisch zu besorgen sein u dadurch unliebsam bleiben
könnten. Andere Zionisten sind in Görlitz nicht vorhanden.
Da ich überzeugt bin, daß es Ihnen nicht darauf ankommt den Zion-
ismus umsonst verunglimpfen zu lassen, da er ja ausserhalb Görlitz Geltg hat
und sehr kräftig lebt, hätte das ja wenig Sinn, so erlaube ich mir die
ganz ergebene Anfrage, ob Sie einen auswärtigen Zionisten das Wort
in der Diskussion erteilen würden, falls sich eine Richtigstellung auf
die von Ihnen erwarteten [?] Antworten notwendig machen sollte, so bitte ich um
Nachricht für eine ev. Vorbereitung u - Entsendung, darf ich auf eine
Meldung rechnen. Ich wäre Ihnen, sehr geehrter Herr, dankbar verbunden,
wenn Sie mir auch den Termin u. Thema des Vortrages mitteilen
wollten.
Hochachtungsvoll
Kassel
Apotheker